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Einlagerung von Nabelschnurblut

Interview mit Herrn Dr. Helmut W. Mallmann, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe zum Thema Nabelschnurbluteinlagerung

Dr. Mallmann
Introbild

Vor der Geburt müssen Eltern für ihr Kind entscheiden, wie sie mit dem Thema Nabelschnurblut umgehen wollen: Soll man es spenden oder einlagern lassen? Was macht Nabelschnurblut so besonders und was hat das Kind davon? Dies sind nur einige, wichtige Fragen, die sich im Zusammenhang mit Nabelschnurblut stellen. Unser Experte Dr. Helmut W. Mallmann, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, beantwortet im Interview die wichtigsten Fragen zum Thema Nabelschnurbluteinlagerung.

Redaktion:

Lieber Herr Dr. med. Mallmann, warum ist Nabelschnurblut so wertvoll?

Dr. med. Mallmann:

Nach der Geburt fließt noch etwas Blut aus der Plazenta durch die Nabelschnur. In diesem Blut befinden sich sehr viele Stammzellen. Unter Stammzellen versteht man in der Medizin Körperzellen, die in der Lage sind, sich in unterschiedliche Zelltypen weiterzuentwickeln. Diese „Vielkönner“ unter den Zellen sind für die Medizin sehr interessant, weil sie im Körper kranke Zellen ersetzen und damit wichtige Reparaturaufgaben übernehmen können.

Redaktion:

Was ist so besonders an Stammzellen aus der Nabelschnur?

Dr. med. Mallmann:

Stammzellen aus Nabelschnurblut sind sehr jung und teilungsfreudig. Sie sind viel aktiver als Stammzellen von erwachsenen Spendern. Deshalb kann bei einer Transplantation weniger Nabelschnurblut nötig sein, um die erforderliche Menge an vitalen Stammzellen bereit zu stellen. Außerdem sind sie meist frei von Infektionen oder anderen Belastungen, weil sie nur selten „Krankheitserfahrungen“ gemacht haben – das kann in manchen Fällen sehr nützlich sein.

Redaktion:

Wie werden Stammzellen aus der Nabelschnur heute eingesetzt?

Dr. med. Mallmann:

Bekannt ist der Einsatz bei besonderen Formen von Blutkrebs. Eine weitere Möglichkeit besteht bei Immunkrankheiten. Auch zum Wiederaufbau des Blutsystems nach einer Krebstherapie oder bei Gelenkverschleiß finden Stammzellen schon heute Anwendung.

Redaktion:

Was erwartet man in der Zukunft?

Dr. med. Mallmann:

Die medizinische Forschung arbeitet an stammzellenbasierten Therapien. Stammzellen spielen wegen ihrer Entwicklungsmöglichkeiten eine besondere Rolle. Bei Krankheiten, bei denen vorwiegend ein Zelltyp betroffen ist, wie bei Herzschwäche, Diabetes Typ I, Leberschäden oder bestimmten Augenerkrankungen, könnten Stammzellen große Fortschritte in der Therapie bringen. Manche Forscher gehen sogar davon aus, dass in Zukunft ganze Organe aus den eigenen Stammzellen nachgebildet werden können.

Redaktion:

Welchen Vorteil hat es, auf eigene Stammzellen zurückgreifen zu können?

Dr. med. Mallmann:

Wenn man in der Therapie körpereigene Stammzellen einsetzt, treten keine Abstoßungsreaktionen auf. Neben der guten Verträglichkeit haben körpereigene Stammzellen aus Nabelschnurblut den Vorteil, dass sie unmittelbar verfügbar sind.

Redaktion:

Kann man mit einem privaten Stammzelldepot auch anderen helfen?

Dr. med. Mallmann:

Sein privates Depot kann man in einem öffentlichen Spendenregister eintragen lassen. Im Bedarfsfall wird ein Arzt die Eltern fragen, ob die Stammzellen einem Kranken zur Verfügung gestellt werden. Bei einer Spende werden die Kosten der Lagerung erstattet. Danach steht das Stammzellendepot der Familie nicht mehr zur Verfügung. Bei einer privaten Nabelschnurbank gibt es die Möglichkeit, das gewonnene Nabelschnurblut in zwei getrennten Depots aufzubewahren: Ein Depot dient dem persönlichen Einsatz, das zweite Depot ist eine öffentliche Spende. Für zwei Einlagerungen ist jedoch eine Mindestmenge Nabelschnurblut erforderlich, die nicht immer gewonnen werden kann.

Redaktion:

Warum lässt nicht jeder Stammzellen einlagern?

Dr. med. Mallmann:

Stammzellen einzulagern ist eine sehr persönliche Entscheidung: Es gibt Eltern, die mit der Einlagerung ihrem Kind in der Zukunft eine zusätzliche Therapiechance ermöglichen möchten. Andere Eltern sind zuversichtlich, dass ihr Kind nie auf seine eigenen Stammzellen angewiesen sein wird. Ein anderer Grund sind die Kosten: Eine Einlagerung kostet über die Jahrzehnte mehrere tausend Euro - das kann und will sich nicht jeder leisten.

Redaktion:

Raten Sie Ihren Patientinnen Stammzellen aus Nabelschnurblut einlagern zu lassen?

Dr. med. Mallmann:

Ich rate weder dazu, noch rate ich von einer Einlagerung ab. Eltern sollten sich so umfassend wie möglich über das Thema Nabelschnurblut informieren. Nur so können sie sich eine eigene Meinung bilden, um für ihr Kind eine Entscheidung zu treffen, mit der alle gut leben können.

 

Herr Dr. Mallmann, vielen Dank für das Gespräch.

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