Hebamme Martina Höfel

Hebamme

Martina Höfel

   

 

Schlafverhalten nachts 9 Monate

Liebe Fr. Höfel,
Ich wäre sehr dankbar, wenn Sie mir Ihre Einschätzung unserer Situation schildern würden.
Mein Sohn ist 9 Monate, hat tagsüber immer ohne Probleme 2 - 3 Nickerchen gemacht und wächst wie ich denke sehr bedarfsorientiert auf (Schlafen und Stillen nach Bedarf, viel im Tragetuch tragen, viel körperliche Nähe und Spielen, nicht zu überfordernde aber doch abwechslungsreiche Tage). Durchgeschlafen hat er in den vergangenen Monaten so gut wie noch nie - nur 3-4 Mal 6-7 Stunden. Er wurde nachts sehr lange alle 2 Stunden wach und aktuell schläft er von 19:00 bis 22 oder 23 Uhr und wacht danach wieder alle 2-3 h auf. Er steht dann zw. 7 und 9 Uhr auf (wenn er öfter er wach war, steht er später auf). Untertags stille ich nur 2 mal (Rest ist Breinahrung), ich stille ihn aber Abends in den Schlaf und gebe ihm auch nachts immer die Brust, wenn er wach wird und schreit, da ihn das schlagartig beruhigt und er wieder einschläft und andernfalls Terror macht.
Ich bin kein Fan von Brust-Entzug oder Baby-Schreien lassen - da mein Kleiner nachts aber noch immer so häufig meine Unterstützung beim Wiedereinschlafen braucht, frage ich mich, ob ich nicht doch etwas falsch mache. Stimmt es Ihrer Erfahrung nach denn, dass Baby lernen müssen, allein Einzuschlafen? Dh. müssen wir da tatsächlich durch, damit mein Baby durch Brustentzug und Schreien lernt, irgendwann allein durchzuschlafen? Viele Mütter erzählen ja von 1 - 2 Horrornächten, in dem sie genau das probiert haben und dann den gewünschten Erfolg, also das Durchschlafen, erzielt haben.
Oder braucht mein Kleiner einfach länger und wird irgendwann soweit sein, um alleine Durchzuschlafen (oder mich zumindest nur mehr 2 x pro Nacht zu brauchen) zu wecken?
Sie haben diesbezüglich ja sicher jede Menge Erfahrung und ich würde mich freuen, davon zu hören.
Besten Dank und herzliche Grüße,
Sina

von Sina1899 am 18.06.2016, 12:49 Uhr

 

Antwort:

Schlafverhalten nachts 9 Monate

Liebe Sina,

Sie machen nichts falsch.

Natürlich schläft ein Kind nach zwei, drei "Horrornächten"! Und jetzt kommt das ABER: das Kind schläft nicht, weil es gelernt hat, dass es jetzt alt genug ist, um ohne Brustberuhigung zu schlafen. Nein, das Kind schläft aus Frust, weil es in den Nächten lernen mußte, dass seine Bedürfnisse nicht erfüllt werden.

Wenn Sie die Mahlzeiten komplett auf Brei umgestellt haben, fehlt Ihrem Kind evtl. tagsüber das Saugen. Und das Saugbedürfnis wird dann nachts vermehrt gestillt.

Vielleicht noch der Standardtext: Schlaf ist abhängig von der Gehirnreife. Allerdings müssen dafür viele Rädchen ineinandergreifen, bis das funktioniert. Fachmännisch ausgedrückt: Der Tag-Nachtrhythmus oder der circadiane Rhythmus wird im Gehirn festgelegt und zwar nach der individuellen Uhr im Nucleus suprachiasmaticus. Der bedient die Zirbeldrüse und löst dort die Ausschüttung von Melatonin aus. Und dann kann man schlafen. Dieses Schlafverhalten ändert sich häufig!

In diesem Alter muss ein Kind noch nicht durchschlafen.

Kinder werden nachts wach - manchmal bis weit ins zweite Lebensjahr hinein! Ob Sie es jetzt Hunger (nach Nahrung oder Körperkontakt) oder Nähebedürfnis (Überprüfen, ob kind sich in Sicherheit wiegen kann- DA hat Ihr Kinderarzt Recht!) nennen, ist dabei belanglos. Wichtig ist, dass Mama – oder Papa (mit Nahrung, Geruch, Stimme) da ist und Sicherheit vermittelt.

Es gibt KEINEN festen Zeitpunkt ab dem ein Baby durchschläft - auch wenn es schon so war und andere Mütter oder Bücher es immer verkaufen wollen!

"Studien und die Erfahrung von unzähligen Eltern haben eindeutig gezeigt, dass das nächtliche Aufwachen, das ab etwa vier bis sechs Monaten nachts wieder vermehrt auftritt, entwicklungsbedingt ist.

Die Kinder beginnen um diesen Zeitraum die Welt sehr konkret zu erleben. Sie müssen das am Tag Erlebte in der Nacht verarbeiten, sie lernen neue Fähigkeiten (umdrehen, robben, krabbeln, gezieltes Greifen ...), sie beginnen den Unterschied zwischen fremd und bekannt zu erkennen. All dies ist ungeheuer aufregend und auch anstrengend. Dazu kommt, dass sich die Zähne verstärkt bemerkbar machen (!), dass vielleicht die erste Erkältung kommt und, und, und ... Es gibt jedenfalls genügend Gründe dafür, dass das Kind unausgeglichen ist und nachts häufiger aufwacht.

Bleiben Sie gelassen und sorgen Sie zügig für Beruhigung/Nahrung - umso schneller schlafen alle wieder!

Lesen Sie bitte dazu das "Emotionale Bewusstsein" bei Dr. Posth hier bei RuB.

Liebe Grüße
Martina Höfel

von Martina Höfel am 19.06.2016

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