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Geschrieben von Ulimama am 15.02.2007, 18:43 Uhr

Teilleistungsschwächen - wer hat Erfahrung?

Hallo.

Mein Sohn, 8, geht in die 2. Klasse. Wir waren jetzt zur Diagnostik, weil er so furchtbar langsam arbeitet, sehr unkonzentriert ist und hibbelig. Herausgekommen sind Teilleistungsschwächen in Konzentration, Aufmerksamkeit und Entwicklungsverzögerung in Feinmotorik und Probleme bei der visuomotorischen Umsetzung.
Die Herausbildung einer LRS und /oder Rechenschwäche wurde für möglich gehalten.
Ergotherapie stehen wir auf der Warteliste.
Lesen tut er wie ein junger Gott, aber beim Schreiben, vor allem Abschreibübungen, ist es vom Tempo und den typischen Schusselfehlern katastrophal, obwohl er an sich die Regeln nennen kann. Auch Buchstaben schreibt er manchmal einfach noch falsch. REchnen ist im Subtraktionsbereich problematisch.

So ist es meist.
Aber: Manchmal liefert er zügig und weitgehend richtig eine Abschreibübung ab. Heute nachmittag hat er seine Mathe-Übungsaufgaben in 20 Min. (10 MInusaufgaben im 2stelligen Bereich mit teilweise 10erüberschreitung) völlig fehlerfrei geschafft. Das ist für ihn Rekord.

Kennt Ihr das auch von Euren Kindern?Was sind Eure erprobten Methoden, die Kinder zu Hause zu fördern, zusätzlich zur Ergo? Wie schafft man den Spagat zwischen Üben, weils ohne zu große Rückstände gibt, und Spaß haben, weil die Überei fürs Kind unattraktiv ist?
Wie haben sich Eure Kinder mit diagnostizierten Teilleistungsstörungen in späteren Schuljahren weiterentwickelt?

Danke für Tips, Erfahrungen und Empfehlungen.

Lg

Uli

 
3 Antworten:

Re: Teilleistungsschwächen - wer hat Erfahrung?

Antwort von sechsfachmama am 15.02.2007, 22:53 Uhr

ich schreibe hier mal zwei Postings von mir rein - das erste ist das ältere, im zweiten von letzter Woche wiederholt sich dann einiges. Aber ich hab jetzt keine Lust, alles auseinanderzusortieren.
Allg. habe ich die Erfahrung machen müssen, dass das gut gemeinte Üben zu Hause überhaupt nix bringt - weil einfach die Gehirnregionen gar nicht erreicht werden, die erreicht werden sollten. Die Ergo sagte mal so: das ist so, als wenn Sie Schnupfen haben und sich wundern, warum vom Naseputzen der Schnupfen nicht verschwindet - weil die Ursache nicht bekämpft wird.
Und da liegt der Ansatz in der Ergo.

So, jetzt die Postings.

meine Tochter (fast 11) wollte auch nicht gerne lesen. Die Jungs lasen schon nach 6 Wochen Schule die ersten Wörter, sie interessierte es nicht. Ende 1. Klasse fing sie bissel an. Dann las sie schon mehr, auch Kinderbücher große Schrift usw., aber wenn ich sie fragte, was sie gelesen hat - weiß ich nicht, das kann ich mir nicht merken, ich muss ja lesen ...
In Mathe Probleme, Textaufgaben lösen katastrophal, logische Schlussfolgerungen usw ...
Jedenfalls glaubte ich erst an LRS (auch wegen der vielen Fehler) und Rechenschwäche. Beim Psychologen Test machen lassen - sie hat IQ von 68 und sollte dringendst auf Hilfsschule, ansonsten würde sie "verheizt" - Lösung des Problems gäbe es keins (diese Diagnose haben bisher alle Kinder erhalten von meinen Bekannten, die bisher dort waren). Das stellte mich nicht zufrieden. Sie ist ein sehr umgängliches Mädchen - Hausmütterchen pur, musisch, künstlerisch begabt, malt schön, denkt sich Gedichte, Lieder, Geschichten aus, spielt viele Rollenspiele mit den Geschwistern, kann mir die Küche komplett in Ordnung halten - hat also vollen Durchblick ...
Bin zu der Logopädin, bei der auch die Kinder meiner Freundin waren, nur mal so zum "Schnuppern" - sie meinte, dass sie die Diagnose auch nicht bestätigen kann nach der halben Stunde Beobachtung - ich soll mir dringend eine zweite Diagnose einholen.
Ein anderes Institut sagte mir, dass sie den gleichen Test machen, also bringe das nix und außerdem bezahlt das nicht die KK. Ich soll mich doch ans Regionalschulamt wenden. Hab ich auch gemacht.
Wir waren paar Mal dort, sie hat wieder Tests gemacht, allerdings rein Schulwissen. Ergebnis: sie hat eine Konzentrationsstörung und eine Untergrundwahrnehmungsstörung. Dringend Ergotherapie und Konzentratiionsübungen.
In der Schule mit einer Leherin hat sie daraufhin erstmal 10 Stunden Konzentrationsübungen gemacht - mit dem Erfolg, dass sie in einem Laufdiktat sogar mal eine eins heimbrachte, das ist noch nie passiert. Jetzt sind wir in der Ergo und dort waren die ersten drei Mal auch "nur" Diagnose. Ergebnis: die Konzentrationsstörung kommt von einer Überforderung. Irgendwann fühlt sie sich der Sache nicht mehr gewachsen und flüchtet sich in eine Traumwelt. Hat wieder mit der Untergrundwahrnehmungsstörung zu tun - da sie damit große Probleme hat (siehe erste Leseversuche), muss sie soviel Kraft investieren, dass diese nicht bis zum Schluss reicht.
Sie hat Probleme in der Formkonstanz (also durchhalten, dranbleiben usw.), hängt alles mitnander zusammen.
Jetzt weiß ich auch, warum sie noch nie gerne gepuzzelt hat, das ist für sie die reinste Quälerei. Sie kann diese Details auf den Puzzleteilen gar nicht richtig erkennen, die Unterschiede der Ausbuchtungen usw.
Deshalb ist für sie Lesen und Textaufgaben lösen auch so anstrengend. Sie muss sich dermaßen auf das Erfassen der Buchstaben konzentrieren, dass nicht mehr Kraft für das Merken und Verarbeiten bleibt. Ist sie am Ende von einer Textaufgabe mit Durchlesen angekommen, weiß sie eigentlich gar nicht mehr, was drinstand ...
Es muss nicht immer eine "nur" Unlust des Kindes dahinterstecken - oft haben die Sachen wirklich begründete Ursachen. Ich würd mal solche Tests machen lassen, bevor sich das Kind quält. Kost ja nix, außer Zeit und Fahrtkosten ... aber besser testen lassen und es ist nix, als nicht testen lassen und sich ewig rumärgern.
Nachhilfeinstitute wollen für solche Tests immer haufenweise Geld ... ich war mal zu so einem Vortrag - dann dachte ich - was machen die Eltern, die kein Geld für Nachhilfe haben? Und kam über Umwege auf das Regionalschulamt. Dort wurde mir auch gesagt, dass sämtliche Nachhilfe übers Regionalschulamt und die Schule (Beratungslehrerin) abgedeckt werden können.



aber nur ansatzweise Mathe- und Deutschschwäche (nur ein paar Teilbereiche).
In der Schule hieß es immer: da ist nix, das wird schon, alles normal - gar nix normal.
Sie quälte sich durch die Schule, 2. Klasse wiederholt, aber der dritten wieder total abgesackt, überfordert, wollte (konnte!) nicht lernen ....
hab dann beim Psychologen einen Test machen lassen (HAWIG) und das Ergebnis: sie sei völlig überfordert, am besten Hilfsschule, nicht therapierbar oder nur ein bisschen.
Das hat mich nicht zufriedengestellt, bin mal zum Schnuppern zu einer Logopädin. Die meinte nach der halben Stunde, dass sie das gar nicht bestätigen kann - es liegt was vor, aber so auf die Schnelle kann sie das nicht sagen. Ich sollte auf jeden Fall noch einen zweiten Test machen.
Habe mich ans Regionalschulamt gewandt, dann bei der Psych. einen Termin bekommen, sie hat rein schulisches Wissen getestet (auch HAWIG) und es kam heraus, dass sie eine Untergrundwahrnehmungsstörung hat und daraus resultiert die Konzentrationsstörung. Sie war immer sehr schnell überfordert - spätestens nach 15 min Schulunterricht driftete sie in ihre Traumwelt usw.
Daraufhin hatte die Psych., die Lehrer und ich einen Termin, haben alles besprochen, sie bekam von der Beratungslehrerin der Schule erstmal einmal die Woche eine Stunde Konzentrationstraining. Man merkte eine leichte Besserung (z. B. beim Laufdiktat mal eine zwei).
Der erste Test war im Sommer, der beim Schulamt im Okt., der Termin im Nov. Im Frühjahr dann konnte ich bei meiner Hausärtzin aufgrund des Attestes vom Schulamt endlich Ergotherapie auf Rezept bekommen. Die Ergo behandelt auch speziell Kinder mit Mathe- und Deutschschwäche, dazu muss man keine teure Nachhilfe zahlen.
Ich habe eine Bekannte, die ihr Kind zum Paedecinstitut schickt - auch wegen Matheschwäche - sie erzählte mir, was da gemacht wird: das gleiche wie in der Ergo ... nur dass sie dafür jeden Monat 200 Euro legt!
Nein, das geht auch anders!
Die Ergo erkannte, dass unsere Tochter auch noch Probleme mit der Formkonstanz hat usw.
Ich wunderte mich immer, dass sie früher nie puzzlen wollte oder Gesellschaftspiele mitspielen.
Die Ergo sagte mir: das kann sie gar nicht mögen. Weil sie z. B. bei Puzzleteilen überhaupt den Unterschied nicht erkennen kann! usw.
Inwzischen ist sie seit fast einem Jahr in der Ergo (einmal pro Woche) und es hat sich wahnsinnig viel verändert.
Sie puzzlet ab und zu, spielt gerne Spiele, in der GS stand sie in Mathe auf 4, in Deutsch auf 3.
Jetzt ist sie an der MS und steht in Mathe und Deutsch auf 2. Wenn sie wirklich mal einen Tag krank ist, ärgert sie sich tierisch, dass sie nicht in die Schule kann - ohne Schule ist das Leben langweilig ... In Mathe ist sie mit eine der besten Mitarbeiter, rechnet manchmal am schnellsten von allen, versteht endlich Textaufgaben (früher brauchte sie so viel Kraft zum "erlesen" der Aufgaben, dass zum Rechnen der Aufgabe dann keine mehr übrig war) und Mathe ist mit ihr Lieblingsfach und die Lehrerin ihre Lieblingslehrerin!
Als sie in ner großen Mathearbeit ihre erste 1 nach Hause brachte, hab ich geheult vor Freude (heimlich). Nicht, dass ich nur stolz bin, wenn die Kinder 1 oder 2 schreiben - für sie war das eine riesige Leistung.
Also, ich würde auf jeden Fall beim Regionalschulamt, der Beratungslehrerin, Hausarzt ... fragen und mich nicht abwimmeln lassen.

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Re: Teilleistungsschwächen - wer hat Erfahrung?

Antwort von MamaMalZwei am 16.02.2007, 9:46 Uhr

Hallo Ulimama, ich machs kurz:
Schreiben fördern: Durch Lesen und vorlesen im Wechsel. Bevor man weiterliest fragen, an was er sich erinnert vom letzten Mal und zusammen eine Zusammenfassung erstellen. Das fördert das Leseverständnis. Je mehr er liest, desto besser prägt sich ein, wie Worte geschrieben werden. Ihn dazu anhalten, seine Texte "murmelnd" vorzulesen beim Schreiben. Verhindert Schussligkeitsfehler.
Rechnen: Kommt drauf an, was gestört ist. Nutze Hilfsmittel, Rechnenschnüre mit Perlen, Gummibären usw. Bei Meter, Zentimeter usw. Zollstock ins Zimmer legen und abschreiten lassen, Lieblingstiere usw messen lassen. Beim Kochen helfen lassen, dann weiß er, dass an den Kuchen nicht 500, sondern 50 Gramm Zucker gehören. Bei der 10erÜberschreitung Eierkartons nutzen und zeigen, dass der Übertrag aus einem Eierkarton in den nächsten wandert. Textverständnis von Sachaufgaben: Genaues Lesen üben, hinterfragen lassen, was wichtig ist. Gut helfen auch Lük-Kästen. LG

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Danke für die ersten Antworten

Antwort von Ulimama am 16.02.2007, 23:47 Uhr

die ergo-anmeldung läuft.

mit dem lesen und texterfassen hat er komischerweise überhaupt keine probleme, er ist 2. klasse und erfaßt auch harry potter, den er selbständig liest...

das mit dem puzzlen ist bei uns auch so, daß er jetzt - und nur ausnahmeweise, um sich seiner 3jährigen schwester überlegen zeigen zu können - mal ein 20-teile puzzle hernimmt und macht...liegt ihm gar nicht.

bei ihm ist es tempo, aufmerksamket/konzentration und visuomotorik...

und demnächst fällt er auch noch 2mal 1 bis 2 wochen aus wegen 2 operationen...

aber ich habe heute mit der neuen lehrerin gesprochen (die bisherige bekommt ein kind und ist super auf ihn eingegangen) und habe ein gutes gefühl, daß auch sie ihn fördern wird und ihm helfen, das interesse an der schule zu behalten.

es hat halt auc vorteile, in eine einzügige grundschule zu gehen, wo nur die jüngeren 3 jahrgänge mehr als 20 kinder haben...

lg
uli

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