Meningokokken – selten aber hoch gefährlich!

Meningokokken: selten aber hoch gefährlich!

Hirnhautentzündung – Meningitis – diese Erkrankung ist immer eine bedrohliche Vorstellung für Eltern.
Was kann man dagegen tun, wie kann man die Krankheit rechtzeitig erkennen und vor allem, wie kann man
seine Kinder davor schützen? Wichtige Antworten darauf gibt unser Kinderarzt Dr. Andreas Busse.

Kinderarzt Dr. med. Andreas Busse
Sprechblase

Herr Dr. Busse, Meningitis – Meningokokken – das sind „Angstbegriffe“
für Eltern. Was genau sind das für Bakterien, die eine solch bedrohliche
Krankheit auslösen können?

Dr. Busse:

Nachdem wir mit der Einführung der Impfung gegen HIB und Pneumokokken die Gefahr einer Hirnhaut-
entzündung durch diese Bakterien sehr erfolgreich bekämpft haben, sind Meningokokken weltweit die
häufigsten Verursacher einer bakteriellen Meningitis. Am häufigsten kommen in Deutschland die
Meningokokken-Typen B (knapp 70%) gefolgt von den Typen Y, C, W und A vor.

Redaktion:

Wie steckt man sich denn mit Meningokokken an?

Dr. Busse:

Übertragen werden Meningokokken als Tröpfchen beim Sprechen, Husten, Niesen und z.B. beim Küssen.
Eigentlich sind sie ganz normale „Bewohner“ unserer Schleimhäute. Bei ungefähr 10% der Erwachsenen
findet man sie im Mund-, Nasen- und Rachen-Raum.

Redaktion:

Wer ist am häufigsten von Meningokokken-Erkrankungen betroffen und wie oft kommen sie vor?

Dr. Busse:

Am häufigsten erkranken mit Abstand Babys und Kleinkinder und, etwas seltener, Teenager
und junge Erwachsene. Gefährdet sind natürlich auch Menschen mit einem geschwächten
Immunsystem. Jährlich gibt es knapp 300 Meningokokken-Fälle in Deutschland.

Redaktion:

Warum sind denn Meningokokken so gefährlich?

Dr. Busse:

Meningokokken sind besonders heimtückische Angreifer:
Wenn in seltenen Fällen das Immunsystem mal nicht aufpasst,
dann überfallen sie den Körper in rasanter Geschwindigkeit
und verursachen eine Hirnhautentzündung und/oder eine
Sepsis (Blutvergiftung). Eine antibiotische Behandlung ist
möglich und wirksam, wenn sie rechtzeitig einsetzt. Dabei
zählen aber Minuten, und leider kommt es bei rund 20% der
Betroffenen trotzdem zu Komplikationen wie Krampfanfällen,
dauerhaften Entwicklungsstörungen. Eine Sepsis kann zum
Absterben von Gliedmaßen führen und jeder Zehnte
überlebt die Sepsis nicht.

Vor einer Meningitis kann eine Impfung schützen

Vor einer Meningitis kann
eine Impfung schützen

Redaktion:

Welche Symptome treten denn bei einer Meningitis auf, wie lässt sich die Krankheit rechtzeitig
erkennen?

Dr. Busse:

Ich kann den Eltern nur raten: vertrauen Sie Ihrem Instinkt! Plötzlich auftretende Symptome wie starke
Kopfschmerzen, Fieber, Schüttelfrost, Schwindel, Erbrechen und Nackensteifigkeit sowie ein allgemein
schweres Krankheitsgefühl müssen für Eltern immer Alarmzeichen sein.
Bei Babys können zunächst einfach nur Reizbarkeit, Trinkverweigerung, auffallendes Wimmern oder
Schreien beobachtet werden. Ein klassisches Warnsymptom einer Sepsis sind Haut-Einblutungen
(Petechien). Verlieren Sie dann bitte keine Zeit und verständigen sofort Ihren Kinderarzt oder den
Notarzt (Tel: 112).

Redaktion:

Wie können Eltern vorsorgen? Kann man sich vor Meningokokken mit Impfungen schützen?

Dr. Busse:

In der Tat ist eine vorsorgliche Impfung, wie gegen viele andere Krankheiten, der beste Schutz. Die
STIKO empfiehlt für alle Kinder im zwölften Lebensmonat die Meningokokken-Impfung gegen den Typ C.
Diese Impfung kann jedoch nicht vor anderen Serotypen schützen. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit,
Kinder schon ab 2 Monaten gegen Meningokokken-B zu impfen, was sich z.B. in Großbritannien, wo
seit 2015 alle Kinder gegen den Typ B geimpft werden, als sehr erfolgreich herausgestellt hat.
Aktuell wird diese Impfung von der STIKO nur für besonders Gefährdete empfohlen. In Anspruch nehmen
kann sie aber jeder, und gemeinsam mit vielen Kinderärzten empfehle ich diesen zusätzlichen Schutz
auch allen Familien. Viele Krankenkassen erstatten die Kosten dafür, fragen Sie bitte einfach nach.
Auch eine Kombinationsimpfung gegen ACWY ist möglich und kommt, vor allem vor Reisen ins Ausland,
in Frage. Ihr Kinderarzt unterstützt Sie bei Fragen sicher gerne.

Redaktion:

Dürfen wir Ihnen, Herr Dr. Busse, dazu noch eine ganz persönliche Frage stellen? Welche Impfungen
gegen Meningokokken würden Sie Ihren eigenen Kindern und Enkeln zukommen lassen?

Dr. Busse:

Wie schon erwähnt, wird die Impfung gegen die MeningokokkenTyp C für alle von der STIKO (ständige
Impfkommission) empfohlen und damit auch von den Krankenkassen bezahlt. Dagegen sollten also
wirklich alle 1-Jährigen geimpft sein.
Zusätzlich würde ich aber allen Eltern, die das Risiko für das Krankheitsbild der schweren Meningokokken-
Infektion durch den Typ B bei ihrem Kind reduzieren möchten, die Impfung gegen Meningokokken Typ B
empfehlen. Und bei entsprechenden Auslandsreisen die Impfung gegen ACWY. Denn wie meine Kollegen
kenne ich besonders aus meiner Klinikzeit den Schrecken dieser fulminant verlaufenden Erkrankung,
der wir manchmal hilflos gegenüberstanden, an der Kinder sterben können oder mit schweren Folgen überleben.

Redaktion:

Vielen Dank für dieses Interview, Herr Dr. Busse.





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