Fehlende Immunität: sehr viele RSV-Infektionen bei kleinen Kindern

Baby hat Schnupfen

© Adobe Stock, Alexandr Vasilyev

Muss ein kleines Kind noch vor seinem 2. Geburtstag ins Krankenhaus, dann ist in den meisten Fällen das RS-Virus der Grund. Dieses weit verbreitete Atemwegsvirus ist Hauptursache für Krankenhauseinweisungen bei Kindern bis zum Alter von 2 Jahren.

RSV: Hochsaison von November bis März

RSV steht für respiratorische Synzytialvirus. Das Virus hat speziell zwischen November und März Hochsaison. Es löst häufig milde, erkältungsähnliche Beschwerden aus, kann aber auch schwere Symptome verursachen und teilweise auch eine stationäre Überwachung nötig machen. „Vor allem Säuglinge unter vier Monaten und Kinder mit chronischen Erkrankungen trifft es oft schwer“, erklärt Dr. Ulrich Fegeler, Kinderarzt und Mitglied des Expertengremiums des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ).

Durch die Coronamaßnahmen, wie das Schließen der Betreuungseinrichtungen und das Absagen von Kursen, sowie durch die Hygienemaßnahmen hatte ein Großteil der Babys und Kleinkinder in den vergangenen zwei Jahren weniger Kontakte zu Krankheitserregern und damit keine Möglichkeit, eine Immunität gegen das RSV entwickeln. Infolge der fehlenden Immunität werden vermehrt RSV-Fälle in diesem Jahr erwartet – und Krankenhäuser melden auch bereits hohe Fallzahlen. Viele Kinder holen „verpasste Infekte“ nach.

Symptome und Übertragungswege

RSV kann zu einer Bronchiolitis führen, das heißt die kleinen und kleinsten Atemwege sind entzündet. Dabei sind Schleimhäute geschwollen, Schleim erschwert die Atmung und auch die Lunge kann betroffen sein. „Infizierte Kinder entwickeln Fieber, Husten, Atembeschwerden, haben Schwierigkeiten beim Füttern und können müder als gewöhnlich wirken“, beschreibt Dr. Fegeler die Anzeichen und warnt Eltern: „Wenn ein kleines Kind offensichtlich Schwierigkeiten beim Atmen hat, schnell atmet und insbesondere beim Ausatmen giemende Atemgeräusche hat, sind das Alarmsignale.“ Zusätzlich sind die Kleinen durch die Luftnot oft auch sehr unruhig oder sie trinken nicht mehr richtig, da die Atmung so anstrengend ist.

Das RS-Virus verbreitet sich durch Tröpfcheninfektion, also durch Tröpfchen der Atemwege direkt oder indem man mit Erregern verunreinigte Objekte berührt. Es hilft, nahen Kontakt zu Menschen mit Erkältungssymptomen zu meiden, sich regelmäßig die Hände zu waschen und im Zweifelsfalls eine Maske zu tragen, um die Übertragung des Viruses zu stoppen.

Schutz durch eine Impfung

Leider gibt es derzeit noch keine Impfung gegen das RS-Virus. Nur Kinder mit einem sehr hohen Risiko für eine schwere Erkrankung können eine passive Impfung mit fertigen Antikörpern erhalten. Das betrifft beispielsweise Frühgeborene, Neugeborene und junge Säuglinge sowie Kinder mit chronischer Lungenerkrankung, angeborenen Herzerkrankungen, neuromuskulären Erkrankungen, mit starker Abwehrschwäche und bestimmten Krankheiten, die durch Veränderungen der Erbanlagen verursacht sind, wie Trisomie 21. Diese Kinder sollten in ihren ersten zwei Lebensjahren während der RSV-Saison eine passive Immunisierung mit Antikörpern bekommen.

Für das kommende Jahr könnte die Situation dann eventuell schon eine andere sein: Pfizer meldete kürzlich einen Durchbruch bei der Entwicklung eines Impfstoffes gegen das RS-Virus. „Eine Studie mit rund 7.400 Schwangeren in 18 Ländern habe gezeigt, dass die Impfung von werdenden Müttern mit 'RSVpreF' schwere RSV-Infektionen der unteren Atemwege bei Säuglingen in den ersten 90 Lebenstagen zu fast 82 Prozent verhindern konnte“, meldete das Unternehmen. Bei Babys im Alter von sechs Monaten konnte für den Impfstoff immerhin noch 69 Prozent Wirksamkeit gegen schwere Erkrankungen fetsgestellt werden. Die US-Gesundheitsbehörde FDA prüft die Zulassung des Impfstoffes derzeit, weitere Zulassungsbehörden sollen in den kommenden Monaten darüber entscheiden.



Quellen:
Kinderärzte im Netz: Infektionen mit dem respiratorischen Synzytialvirus (RSV) häufen sich ab November
Westdeutsche Zeitung: Diese Infekte treffen Kinder besonders häufig
Eltern: Expert:innen erwarten erneut viele Ansteckungen mit dem RS-Virus bei Babys

Mobile Ansicht

Impressum Über uns Neutralitätsversprechen Mediadaten Nutzungsbedingungen Datenschutz Forenarchiv

© Copyright 1998-2022 by USMedia.   Alle Rechte vorbehalten.