Zöliakie - Wenn Kinder kein Gluten vertragen

Zöliakie – Wenn Kinder kein Gluten vertragen
Kinder, die an Zöliakie erkrankt sind, vertragen keine Getreideprodukte. Sie reagieren empfindlich auf ein bestimmtes Eiweiß (Gluten), das in Weizen, Roggen, Gerste und Hafer vorkommt.

Diese Getreidesorten verursachen bei ihnen eine chronische Entzündung im Dünndarm mit Verdauungsbeschwerden wie Blähungen, Bauchweh oder Durchfall. Wird die Krankheit nicht erkannt oder nicht richtig behandelt, kommt es bei diesen Kindern über kurz oder lang zu Gedeihstörungen und Mangelerscheinungen.

Zöliakie - viel häufiger als man denkt!

Zöliakie gehört zu den häufigsten Darmerkrankungen bei Kindern. Man vermutet, dass eines von 500 Kindern die genetische Veranlagung in sich trägt. Die tatsächliche Erkrankung bricht aber nur bei jedem Vierten von ihnen tatsächlich aus. Es ist möglich, dass ein Baby schon mit der ersten Beikosteinführung Unverträglichkeitsreaktionen zeigt. Meistens treten die Symptome aber erst 3 bis 6 Monate später auf. Genauso oft kommt es aber vor, dass die Krankheit erst mit dem Schulalter, in der frühen Jugend oder als Erwachsener diagnostiziert wird. Das liegt unter anderem auch an den diffusen, schwer einzuordnenden Symptomen.

Was passiert im Körper bei Zöliakie?

Bei Zöliakie reagiert der Körper auf das Klebereiweiß im Getreide, das Gluten, empfindlich und beginnt Antikörper zu bilden. Diese greifen dann bestimmte Eiweißstrukturen im Dünndarm an und beginnen die Dünndarmschleimhaut zu zerstören. Dabei werden nach und nach die Zotten im Darm abgebaut und die Oberfläche der Darmschleimhaut nimmt immer mehr ab. Nach einer gewissen Zeit kann der Darm dadurch nicht mehr genügend Nährstoffe, Vitamine und Spurenelemente aufnehmen und es kommt zu Mangelerscheinungen.

Welche Symptome treten auf?

Babys und Kinder, die kein Gluten vertragen, sind häufig schlecht gelaunt und reizbar. Sie leiden unter Verdauungsbeschwerden wie Blähungen, Durchfall (oft übelriechend und fettglänzend) oder Erbrechen. Manche Kinder haben aber auch Verstopfung oder ganz normalen Stuhlgang. Typisch ist ein aufgetriebener Bauch, während Arme und Beine auffallend dünn sind. Im Laufe der Zeit treten Blässe, Müdigkeit oder Appetitlosigkeit auf und die Kinder fallen durch Gedeihstörungen oder Wachstumsverzögerungen auf. Je älter die Kinder sind, desto untypischer sind oft die Symptome. Deshalb sollte man bei anhaltend schlechtem Allgemeinzustand mit Abgeschlagenheit oder Infektanfälligkeit auch an Zöliakie denken. Bei Verdacht auf Gluten-Unverträglichkeit wird Ihr Kinderarzt eine Blutuntersuchung durchführen. Eventuell muss zur Sicherheit noch eine Gewebeprobe aus dem Dünndarm untersucht werden.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Wenn Ihr Kinderarzt bei Ihrem Kind Zöliakie diagnostiziert hat, bedeutet das leider, dass es von nun an für den Rest seines Lebens auf Produkte aus Weizen, Gerste, Roggen und Hafer verzichten muss. Nur so kann sich die entzündete Darmschleimhaut erholen und langfristig wieder regenerieren. Eine andere wirksame Therapie gibt es zumindest bisher noch nicht. Oft kommt es aufgrund des geschädigten Darms vorübergehend auch zu anderen Unverträglichkeiten (z.B. gegen Milch- oder Fruchtzucker). Sobald sich der Darm erholt hat, darf Ihr Kind aber alle glutenfreien Lebensmittel wieder essen.

Welche Lebensmittel enthalten Gluten?

Glutenhaltig sind in erster Linie natürlich alle Produkte aus Weizen, Hafer, Gerste und Roggen. Also alles was Mehl oder Körner enthält wie Brot, Kuchen, Kekse, Nudeln, Grieß, Cornflakes oder Müsli. Stattdessen kann man hier auf Lebensmittel aus Reis, Mais, Kartoffeln, Hirse, Buchweizen oder Amaranth zurückgreifen. Naturbelassene Produkte wie Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch und Milchprodukte sind unbedenklich. Jedoch enthalten auch Paniermehl, Pudding, Fertigsoßen, Suppen, Malzgetränke und viele Fertigprodukte verstecktes Gluten. Sprechen Sie am besten mit Ihrem Kinderarzt oder mit einem Ernährungsberater, damit es nicht zu Mangelerscheinungen kommt. Bei bereits bestehenden Mangelzuständen (z.B. Eisen-, Vitamin D- oder Kalzium-Mangel) sollte Ihr Kind vorübergehend ganz gezielt ein Nahrungsergänzungsmittel bekommen.

Wie kann man vorbeugen?

Solange Ihr Kind gesund ist und keine auffälligen Symptome zeigt, gibt es keinen Grund vorbeugend auf Gluten zu verzichten. Im Gegenteil: neuere Studien haben inzwischen belegt, dass Kinder, die ab dem 5. Monat regelmäßig kleine Mengen an Getreide bekommen (z.B. mit dem Milch-Getreide-Obst-Brei) seltener eine Zöliakie entwickeln als Kinder, die im ersten Jahr völlig glutenfrei ernährt werden. Gerade in dieser Zeit ist das Immunsystem wohl besonders "offen für Fremdes" und lernt, mögliche Allergieauslöser zu tolerieren. Entsprechend empfehlen wir Kinderärzte, allergiegefährdete Kinder möglichst vier Monate voll zu stillen und dann mit der Beikosteinführung vorsichtig an Weizen und anderes Getreide zu gewöhnen.

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