Wie dünn ist noch normal? Wenn Kinder nichts essen wollen

Wenn nach dem Wandern eine Blase bleibt - und nun?

Viele Kinder sind zu dick - das liest man heute dauernd und leider stimmt es auch in den meisten Fällen. Manche Eltern haben aber ganz andere Sorgen: Ihr Kind mag einfach nicht essen. Egal was auf den Tisch kommt, es rümpft die Nase.

Es ist nach dem Gefühl der Eltern viel zu dünn, isst wenig bis gar nichts und vor allem viel zu wenig Gesundes. Oft kommen deshalb besorgte Eltern in meine Praxis. Ich kann sie jedoch meistens beruhigen.

Gute und schlechte Esser

Kinder essen mal mehr und mal weniger. Das ist völlig normal. Manchmal haben sie tagelang keinen Appetit, beim nächsten Mal essen sie dafür einen Riesenberg auf einmal. Das ist auch dann in Ordnung, wenn es immer nur Spaghetti sind. Natürlich wäre es schön, wenn sie viel Obst und Gemüse essen würden, aber manche mögen eben einfach nichts Gesundes. Bevor Sie sich hier auf einen regelrechten Kampf einlassen, bleiben Sie gelassen. Der Körper Ihres Kindes holt sich letztendlich genau das, was er braucht. Oft spielt auch die Veranlagung eine Rolle. In einer Familie, in der alle schlank sind, kann man kaum erwarten, dass die Kinder rund und proper sind.

Der Mutterinstinkt

Einem Kind Nahrung zu geben und dafür zu sorgen, dass es ausreichend zu essen hat, ist ein Urinstinkt, der für das Überleben früher wichtig war. Es ist deshalb normal, dass Mütter ihre Kinder füttern möchten und regelrecht panisch reagieren, wenn sie nicht essen wollen. Trotzdem sollten Sie sich auch klar machen, dass die Situation in unserer heutigen Überflussgesellschaft mit unserem reichhaltigen Nahrungsangebot anders ist. Wie man immer so schön sagt: Es ist noch kein gesundes Kind vor einem vollen Teller freiwillig verhungert.

Der leidige Kampf ums Essen

Kinder bemerken recht schnell, wie wichtig es den Eltern ist, dass sie essen. Gerade in der Trotzphase nützen sie diese Macht oft aus. Um Machtkämpfe beim Essen zu vermeiden, ist es deshalb vor allen Dingen wichtig, dass die Eltern gelassen bleiben und sich nicht erpressen lassen. Machen Sie sich selber klar, dass ihr Kind keinen Schaden nimmt, wenn es mal nichts isst. Räumen Sie den Teller einfach kommentarlos - und vor allem ohne Schimpfen oder Drohen - weg. Bieten sie aber auch bis zur nächsten Mahlzeit nichts anderes an, vor allem natürlich keine süßen Snacks.

Woran erkennt man, ob ein Kind wirklich untergewichtig ist?

Wenn Sie sich Sorgen machen, ob Ihr Kind untergewichtig ist, schauen Sie doch mal in das gelbe Untersuchungsheft. Aus den sogenannten "Perzentilenkurven" am Ende können Sie ganz genau entnehmen, ob sich Ihr Kind normal entwickelt. Und selbst wenn es etwas unterhalb der Kurve liegt, ist das noch kein Grund zur Sorge. Solange es regelmäßig etwas isst und fröhlich und lebendig wirkt, ist alles in Ordnung. Lassen Sie sich hier auch bitte nicht von anderen wohlmeinenden Müttern verunsichern. Übergewicht ist wesentlich ungesünder als leichtes Untergewicht. Sollte Ihr Kind allerdings müde, schwach oder blass wirken, häufig unkonzentriert sein oder unter Durchfall oder Erbrechen leiden, dann gehen Sie bitte mit ihm zum Kinderarzt. Hier könnte auch eine Erkrankung die Ursache sein für seinen mangelnden Appetit.

Essstörungen erkennen

Das kennen wir Erwachsenen auch: wenn man unglücklich ist, schlägt einem das auf den Magen. Ab und zu deshalb nichts zu essen, ist normal. Wenn Ihr Kind aber über längere Zeit die Nahrungsaufnahmen verweigert und regelrecht abmagert, besteht Grund zur Sorge. Echte Essstörungen sind häufig psychisch bedingt. Vielleicht hat Ihr Kind Schwierigkeiten in der Schule? Oder es gibt zuhause Probleme wie beispielsweise eine Trennung der Eltern? Auch hier ist erst mal Ihr Kinderarzt der richtige Ansprechpartner, der Ihnen dabei hilft, psychologische Hilfe zu finden.

Tipps für "schlechte Esser"

Essen hat für Kinder nicht so einen Stellenwert wie für uns Erwachsene. Oft ist es ihnen einfach nur lästig, weil es sie vom Spielen abhält. Regelmäßige, gemeinsame Mahlzeiten können hier weiterhelfen. Wenigstens einmal am Tag sollten sich alle an einen Tisch setzen und in Ruhe essen und erzählen. Erfüllen Sie dabei ab und zu auch mal die Herzenswünsche Ihrer Kinder wie Pizza oder Pfannkuchen. Mit ein paar Tricks kann man "schlechten Essern" auch mal etwas Gesundes unterjubeln: Kinder essen gerne mit den Fingern. Also richten Sie Salat oder rohes Gemüse doch einfach mal als Fingerfood zum Dippen an. Viele Kinder mögen auch gerne Suppen. Wenn man eine Gemüsesuppe "durchpassiert", kann man auch mal das eine oder andere nicht so beliebte Gemüse hinein mogeln.

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