Die Milch macht`s - oder etwa doch nicht?

Die Milch macht`s - oder etwa doch nicht?

Werbeslogans wie "Die Milch macht’s" klingen uns allen noch in den Ohren. Jahrelang wurde uns eingetrichtert, dass Milch starke Knochen macht. Und dann kam vor ein paar Jahren plötzlich die Kehrtwende: Kuhmilch sei nicht nur nicht gesund, sondern würde sogar krank machen.

Auf einmal galt Milch als Auslöser von Zivilisationskrankheiten wie Allergien, Diabetes, Übergewicht und sogar Osteoporose. Aber was ist denn nun richtig? Müssen, sollen oder dürfen Kinder überhaupt Milch trinken? Die Wahrheit über die guten und schlechten Eigenschaften der Milch liegt wie so oft irgendwo dazwischen.

Beste Calcium-Quelle

Tatsache ist, Milch ist einer der besten Calcium-Lieferanten überhaupt. 100ml Kuhmilch enthalten ca. 120 mg. Zwar steckt dieser Mineralstoff auch noch in anderen Lebensmitteln wie Gemüse und Salat. Doch muss man hiervon ziemlich große Berge essen, um den Tagesbedarf zu decken. Der liegt bei einem Kleinkind bei etwa 600 mg pro Tag, bei einem Schulkind bei 700 - 900 mg. Ein Glas Milch zu trinken, ist doch wesentlich einfacher.

Zwei gute Freunde: Calcium und Vitamin D

Calcium spielt im Körper eine große Rolle bei der Bildung von Knochen und Zähnen und ist außerdem für die Zellteilung, Blutgerinnung und die Arbeit von Muskeln und Nerven wichtig. Ein Calciummangel kann bei Kindern Rachitis und bei Erwachsenen Osteoporose verursachen. Gerade für den Knochenaufbau reicht Calcium alleine jedoch nicht aus, denn nur in Verbindung mit ausreichend Vitamin D kann es der Körper auch verwerten. Deshalb sollten Babys im ersten Lebensjahr zusätzlich Vitamin D (in Tablettenform) bekommen. Und hier liegt auch der Grund, warum manche behaupten, Milch würde nicht gegen Osteoporose helfen, sondern sie sogar erst verursachen: Bekommt der Körper nämlich zu viel Milchprodukte bei gleichzeitigem Vitamin D-Mangel, muss er den Säureüberschuss ausgleichen und Calcium aus den Knochen abbauen. Richtig ist also: Milch ist ein guter und wichtiger Calcium-Lieferant. Man sollte den Genuss von Milchprodukten aber nicht übertreiben und zusätzlich immer auf ausreichende Vitamin D-Versorgung achten.

Milch ist ein Lebensmittel - kein Getränk

Durch den hohen Gehalt an Eiweiß, Fett und Kohlehydraten (Milchzucker) sollte Milch nicht einfach als Durstlöscher zwischendurch genommen werden. Milch ist ein Nahrungsmittel mit vergleichsweise viel Kalorien und sollte auch als solches behandelt werden. Vor allem der hohe Eiweißgehalt kann bei übermäßigem Verzehr die Nieren von kleinen Kindern belasten und steht im Verdacht, späteres Übergewicht zu begünstigen. Hinzu kommt, dass Kinder meist am liebsten Kakao, Joghurt und Quarkprodukte mögen, die häufig noch stark gesüßt sind. Also: ein Glas Milch, ein Naturjoghurt oder ein Stück Käse sind durchaus gesund. Aber bitte nicht zu viel davon!

Ab wann reine Kuhmilch?

Das Beste für Säuglinge ist Muttermilch. Kuhmilch hingegen ist eben in erster Linie für Kälbchen gedacht und von der Zusammensetzung her auf deren Bedürfnisse ausgerichtet. Doch wenn ein Baby nicht oder nicht ausreichend gestillt wird, gibt es heute sehr gute Säuglingsnahrungen. Diese werden zwar auf Basis von Kuhmilch hergestellt, aber in ihrer Zusammensetzung verändert und angepasst und somit für Babys optimal verträglich. Vollmilch oder H-Milch sollten Kinder erst ab dem ersten Geburtstag bekommen. Optimal ist für Kleinkinder etwa eine tägliche Menge von 200 - 300 ml Milch plus ein weiteres Milchprodukt wie Joghurt, Käse, Brei oder Pudding. Mehr ist nicht gesund, zumal dann auch der Appetit auf andere wichtige Lebensmittel leidet.

Übrigens: Rohmilch oder Vorzugsmilch ist grundsätzlich nichts für Kinder. "Milch direkt von der Kuh" klingt vielleicht gesund, ist es aber wegen der starken Keimbelastung nicht. Bei Babys und Kindern kann Rohmilch Durchfallerkrankungen und in seltenen Fällen schwerste Infektionen verursachen.

Laktoseintoleranz

Die Natur hatte es ursprünglich mal so eingerichtet, dass Menschenkinder nur so lange Milch vertragen, wie sie gestillt werden. Dann kam vor ca. 10.000 Jahren die Viehwirtschaft auf und wir Menschen begannen Milchprodukte auch noch nach der Stillzeit zu konsumieren. Parallel dazu haben wir die Fähigkeit entwickelt, Milch auch als Erwachsene noch verdauen zu können. Verantwortlich dafür ist das Verdauungsenzym Laktase. Ist im Darm zu wenig Laktase vorhanden, bekommt man beim Verzehr von Milchzucker (Laktose) Bauchweh und Blähungen - das ist die sogenannte Laktoseintoleranz. Bei Babys und Kleinkindern ist das selten, doch mit zunehmendem Alter tritt diese Verdauungsschwäche häufiger auf.

Kuhmilcheiweiß-Allergie

Nicht zu verwechseln ist Laktoseintoleranz mit einer Kuhmilcheiweiß-Allergie, die auch schon ganz Kleine betreffen kann. Hier reagiert das Immunsystem auf das Kasein, das Eiweiß in der Milch, allergisch. Kinder mit nachgewiesener Kuhmilcheiweiß-Allergie sollten keine Kuhmilch-Produkte zu sich nehmen (auch keine HA-Milch) und auch keine Schafs- oder Ziegenmilchprodukte, die ebenfalls Kasein enthalten. Häufig verwächst sich diese Allergie allerdings im Lauf der Zeit wieder, so dass man je nach Empfehlung des Kinderarztes Kuhmilch nach etwa 2 Jahren vorsichtig mal wieder ausprobieren kann.

Welche Alternativen gibt es, wenn Kinder keine Milch mögen oder vertragen?

Für Kinder und Erwachsene mit einer Verdauungsschwäche für Laktose gibt es im Supermarkt inzwischen eine ganze Palette an laktosefreien Milchprodukten. Hier ist nur der Milchzucker entfernt, doch das Calcium und andere wertvolle Substanzen der Milch sind vollständig erhalten. Viele Kinder vertragen übrigens trotzdem Joghurt und Käse, die von Natur aus weniger Laktose enthalten als beispielsweise H-Milch und Sahne. Es lohnt sich, das mal auszuprobieren. Mögen oder vertragen Kinder gar keine Milchprodukte, sollten regelmäßig calciumreiche Gemüsesorten wie Grünkohl, Fenchel, Spinat und Broccoli, Brennnessel- oder Rucolasalat und Kräuter wie Petersilie und Brunnenkresse auf dem Speiseplan stehen. Außerdem steckt Calcium in Mandeln, Haselnüssen und Amarant. Bei einer Ernährung ohne Milchprodukte sollten Sie außerdem auf ein Mineralwasser mit einem hohen Calciumgehalt zurückgreifen, denn das ist neben Milch die "bequemste" Calcium-Quelle.

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