Mandelentzündung - wenn der Hals richtig wehtut

Mandelentzündung - wenn der Hals richtig wehtut

Mama, mein Hals tut so weh! Das haben Sie sicherlich schon öfter gehört. Haben Kinder einen grippalen Infekt, entzündet sich bei ihnen oft auch der Rachenbereich - dann kratzt es im Hals und das Schlucken bereitet Schwierigkeiten. Doch wenn der Hals mal so richtig schlimm schmerzt und Ihr Kind sich ordentlich krank fühlt, kann eine Mandelentzündung die Ursache sein.

Manche Kinder plagen sich regelmäßig mit dicken, roten, entzündeten Mandeln und den dazugehörigen Beschwerden. Dennoch sollte man die Mandeln nicht gleich verteufeln - oder gar voreilig rausnehmen - denn sie haben eine wichtige Funktion im Körper als "Schutzpolizei".

Die Schutzfunktion der Mandeln

Spricht man von den Mandeln (medizinisch "Tonsillen"), meint man im Normalfall die Gaumenmandeln. Zusammen mit der Rachenmandel (umgangssprachlich auch "Polypen") und den Zungenmandeln bilden sie den lymphatischen Rachenring, eine Ansammlung von Inseln aus Lymphgewebe. Sie haben eine wichtige Aufgabe als Abwehrbarriere gegenüber Bakterien, Viren und anderen Keimen, die über Mund und Nase in den Körper einzudringen versuchen. Die Gaumenmandeln sind dabei sozusagen die "Türsteher", die den Eindringlingen den Zugang verwehren. Besonders bei Kindern unter vier Jahren spielt diese Schutzfunktion noch eine große Rolle, erst im Laufe des Erwachsenwerdens verlieren die Mandeln langsam an Bedeutung.

Wie kommt es zur Mandelentzündung?

Die Mandel- und Rachenentzündung (Tonsillitis oder Tonsillopharyngitis) wird in der Mehrheit der Fälle von Viren verursacht, Die zweithäufigste Ursache sind Streptokokken der Gruppe A, also Bakterien. Im Kindergarten oder auch innerhalb der Familie kann man sich mit den Viren oder Bakterien anstecken, über Tröpfcheninfektion oder z.B. über gemeinsam benützte Trinkgefäße oder Zahnbürsten.

Die typischen Symptome einer Mandelentzündung

Eine akute Rachen- und Mandelentzündung kann sehr plötzlich einsetzen, mit heftigem Halsweh und teilweise auch hohem Fieber. Die typischen Symptome sind: Halsschmerzen, die bis in die Ohren ausstrahlen können, Schluckbeschwerden, vermehrter Speichelfluss und Mundgeruch. Das Kind kann eine "kloßige" Sprache haben, ist normalerweise aber nicht heiser. Man spricht hier auch von "Angina", da der Hals geschwollen und "eng" ist. Beim Blick hinein kann man den roten Rachen und die dicken, geröteten Mandeln erkennen, die teilweise mit kleinen weißen "Eiterstippchen" bedeckt sein können. Hinzu kommen oft grippeartige Symptome wie Fieber, Mattigkeit, Kopfschmerzen und ein starkes Krankheitsgefühl.

Scharlach als Ursache von Halsschmerzen

Oft wird die Rachen- und Mandelentzündung durch Streptokokken A pauschal als Scharlach bezeichnet, was nicht korrekt ist. Bei Scharlach sind zwar ebenfalls Streptokokken die Auslöser - zur Angina kommen aber ein Hautausschlag und die typische rote Himbeerzunge dazu.

Wie behandelt man eine Mandelentzündung?

Die Behandlung ist ganz unterschiedlich - je nach Ursache der Entzündung. Deshalb sollten Sie beim Auftreten der oben beschriebenen Symptome mit Ihrem Kind zum Arzt gehen. Denn nur er kann entscheiden, ob ein Antibiotikum Sinn macht (bei einer bakteriellen Infektion) oder ob eine Virusinfektion zugrunde liegt. Oft wird dazu ein Schnelltest aus einem Rachenabstrich gemacht, sodass das Ergebnis in wenigen Minuten vorliegt. Bei einem Virusinfekt kann man nur symptomatisch behandeln, das heißt die Beschwerden lindern.

Wie können Sie Ihrem Kind helfen?

Bei einer Streptokokken-Angina oder bei Scharlach ist es wichtig, dass Sie das Antibiotikum so lange geben wie der Arzt es verordnet hat.

Gegen die Halsschmerzen und zum Fiebersenken können Sie Ihrem Kind ein geeignetes Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen geben - je nach Alter als Zäpfchen, Saft oder Lutschtabletten. Vor allem wenn es Fieber hat, sollte Ihr Kind viel trinken. Kalte Getränke oder gekühlter Salbei- oder Kamillentee helfen auch gegen das Halsweh. Saft und Saftschorle sind nicht so günstig, da sie die entzündeten Schleimhäute oft noch zusätzlich reizen. Auch beim Essen sollten Sie vorsichtig sein und Ihrem Kind keine scharfen oder säurehaltigen Lebensmittel (wie z.B. Tomatensauce) anbieten. Kühle, weiche, breiartige Speisen rutschen jetzt am besten. Und auch gegen Speiseeis - zum Trost und gegen die Schmerzen - ist nichts einzuwenden.

Angenehm ist ein feuchter Halswickel. Zum Kühlen und gegen die Entzündung sollte er kalt sein. Hat Ihr Kind allerdings Schüttelfrost, dann ist warm besser. Für einen Halswickel feuchten Sie einfach ein Leintuch oder eine Stoffwindel unter dem Wasserhahn an und legen Sie um den Hals. Obendrüber kommt noch ein kleines Handtuch, damit das Bett nicht nass wird.

Wann müssen die Mandeln raus?

Früher nahmen viele HNO-Ärzte schon mal vorsorglich die Mandeln heraus. Heute gehen Ärzte zum Glück wesentlich sorgsamer damit um. Denn die Mandeln haben, wie oben erklärt, ja durchaus eine wichtige Funktion bei der Immunabwehr. Sind sie allerdings permanent entzündet, vereitert oder auch so stark vergrößert, dass sie dem Kind Probleme beim Schlafen und Sprechen bereiten - man spricht von "Kissing Tonsils", wenn sich die Mandeln in der Mitte berühren - müssen sie manchmal eben doch entfernt werden. Dann richten sie im Körper nämlich mehr Schaden an, als sie nützen. Die Operation wird stationär, also im Krankenhaus, durchgeführt, und zur Sicherheit wegen möglicher Nachblutungen muss das Kind dazu auch ein paar Tage dort bleiben. Die gute Nachricht ist aber: Zum Kühlen gibt es auch dort meist ganz viel Eiscreme!

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