Leistenbruch - kein Grund zur Panik

Leistenbruch - kein Grund zur Panik

Etwa zwei bis drei Prozent aller Babys kommen mit einem Leistenbruch auf die Welt. Jungs sind dabei viermal so häufig betroffen wie Mädchen. Das liegt nicht etwa daran, dass sie aktiver oder wilder wären, sondern hat ganz andere Ursachen.

Bei Kindern entsteht ein Leistenbruch nicht wie bei Erwachsenen z.B. beim Heben von schweren Gegenständen, sondern entwickelt sich bereits im Mutterleib, weil sich eine trichterförmige Ausstülpung des Bauchfells nicht vollständig verschließt. Die Eltern bemerken die Beule in der Leistengegend aber erst irgendwann im Laufe der ersten Lebenswochen oder -monate beim Wickeln. Meist bereitet sie dem Kind keine Schmerzen und lässt sich oft auch einfach wieder zurückschieben. Trotzdem ist der Schrecken bei den Eltern verständlicher Weise groß. Ein Leistenbruch ist aber - solange sich darin nichts verklemmt - zunächst einmal harmlos.

Wie kommt es zum Leistenbruch?

Bei Ungeborenen ist das Bauchfell bis etwa zum 8. Schwangerschaftsmonat noch nicht vollständig verschlossen. Das ist wichtig, da die Organe erst noch an den richtigen Platz gelangen müssen. Bei einigen Kindern schließt sich diese Muskel- und Bindegewebsschicht bis zur Geburt nicht vollständig und sie kommen mit einer "Lücke" im Bauchfell auf die Welt. In der Medizin spricht man dann von einer Hernie. Besonders häufig ist eine Leistenhernie bei Frühchen, deren Entwicklung eben noch nicht vollständig abgeschlossen ist.

Leistenbruch - bei Jungs und Männern häufiger

Auch die Hoden müssen vor der Geburt noch durch den gesamten Unterbauch und den Leistenkanal hindurch nach unten wandern, bis sie schließlich im Hodensack ankommen. Deshalb bleibt bei Jungs das Bauchfell besonders lange durchlässig und der Leistenbruch tritt bei ihnen entsprechend öfter auf. Und auch später im Erwachsenenalter kommen Leistenbrüche bei Männern wesentlich häufiger vor als bei Frauen.

Woran erkennt man einen Leistenbruch?

Wenn das Baby schreit oder anderweitig die Bauchmuskeln anspannt, kann sich ein Teil des Darms durch die Lücke in der Bauchdecke schieben und tritt dann in Form einer 1 bis 5 cm langen "Beule" in Erscheinung. Diese lässt sich aber meist durch leichten Druck wieder zurückschieben oder verschwindet bei einer Lageveränderung von selber wieder. Es ist nicht so, wie viele Eltern meinen, dass die Bauchdecke durch das heftige Schreien des Babys "gebrochen" oder gerissen ist.

Eine Leistenhernie ist bei Kindern zunächst einmal ungefährlich. Lebensbedrohlich kann es allerdings werden, wenn sich ein Teil des Darms in der Lücke verklemmt und abzusterben droht. Die Kinder haben dann große Schmerzen, weinen heftig und anhaltend, bekommen Fieber und erbrechen sich. In diesem Fall sollten Sie bitte umgehend die nächste Kinderambulanz aufsuchen.

Bildet sich ein Leistenbruch von alleine wieder zurück?

Ein angeborener Leistenbruch verschwindet nicht einfach von alleine, ist aber auch kein akuter Notfall. Allerdings sollte man die Operation nicht unnötig lange aufschieben - zum einen da immer die Gefahr besteht, dass sich eine Darmschleife oder bei Mädchen auch ein Eierstock darin verklemmen können. In diesem Fall entsteht eine akute Notfallsituation, die man natürlich tunlichst vermeiden möchte. Zum anderen "stecken" die Kleinen die unkomplizierte Operation eher besser weg als größere Kinder. Hat Ihr Kinderarzt einen Leistenbruch festgestellt, wenden Sie sich am besten zeitnah an eine Kinderklinik oder eine kinderchirurgische Abteilung in Ihrer Nähe.

Nabelbruch? Das verwächst sich meist!

Ein Nabelbruch ist bei Kindern noch häufiger als ein Leistenbruch. Die sogenannte Hernia umbilicalis entsteht durch eine Bindegewebsschwäche im Nabelbereich, wo das Kind durch die Nabelschnur mit der Mutter verbunden war. Ein Nabelbruch verschließt sich - im Gegensatz zum Leistenbruch - fast immer in den ersten Lebensjahren von alleine. Nur wenn er im Vorschulalter immer noch nicht verheilt ist, sollte man ihn operieren, da er später zu Problemen führen kann. Übrigens, Nabelpflaster oder sonstige Druckverbände nützen gar nichts und reizen nur unnötig die Haut.

Was passiert bei der Operation?

In den allermeisten Fällen wird der relativ unkomplizierte Eingriff bei Kindern heute "minimal-invasiv" durchgeführt. Das bedeutet, die Bauchdecke muss nicht geöffnet werden, sondern der Chirurg kann durch kleine Öffnungen hindurch operieren. Kinder, die älter als drei Monate sind, dürfen meist am selben Tag wieder mit den Eltern nach Hause. Die ganz Kleinen werden zur Sicherheit für eine Nacht zur Beobachtung im Krankenhaus behalten. Doch fast allen geht es schon am nächsten Tag wieder ganz prächtig und sie haben den kleinen Eingriff schnell vergessen.

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