Frühchen - für immer später dran?

Frühchen - für immer später dran?

Babys, die zu früh auf die Welt kommen, brauchen ihre Zeit, das Versäumte nachzuholen. Kein Wunder, sie sind eben genaugenommen vier, sechs oder sogar noch mehr Wochen jünger als andere Kinder, die termingerecht geboren wurden. Ein paar wenige Wochen machen im zarten Säuglingsalter aber eine Menge aus.

Eltern von Frühchen gewöhnen sich entsprechend bald daran, das "korrigierte Alter" ihres Babys anzugeben, um nicht ständig erklären zu müssen, warum es noch so klein ist und eben noch nicht krabbeln kann. Häufig höre ich von ihnen die Fragen: Wie lange dauert es, bis mein Kind den Rückstand aufgeholt hat? Wird es auch im Kindergarten oder in der Schule immer noch später dran sein als andere?

Frühgeborene: vor der 37. Woche

Normalerweise sollte ein Baby nach etwa 38 bis 42 Schwangerschaftswochen zur Welt kommen. Dann ist seine Entwicklung im Mutterleib abgeschlossen. Von einem Frühgeborenen spricht man, wenn es vor dem Ende der 37. Woche geboren wird. Das betrifft bei uns in Deutschland etwa neun Prozent aller Geburten, also ungefähr 50.000 Babys pro Jahr. Frühchen haben heute dank modernster medizinischer Einrichtungen die besten Chancen, gesund und ohne Beeinträchtigung aufzuwachsen. Selbst die ganz, ganz kleinen Extrem-Frühchen, die mit einem Gewicht von 500 Gramm und weniger auf die Welt kommen! Dennoch ist jeder einzelne Tag im Mutterleib wichtig für die Entwicklung des Babys. Deswegen kämpfen Ärzte so vehement darum, eine drohende Frühgeburt zu verhindern oder soweit wie irgend möglich hinauszuzögern.

Das tatsächliche und das korrigierte Alter

Studien zeigen, dass sich gesunde Frühgeborene meist im gleichen Tempo entwickeln wie anderen Kinder. Sie machen Entwicklungsschritte im selben Alter durch wie termingerecht Geborene. Nur eben um so viele Wochen später, wie sie zu früh zur Welt kamen. Man spricht von ihrem "korrigierten Alter", wenn man die Zeit von der Geburt bis zum ursprünglich errechneten Geburtstermin abzieht. Frühchen sind also keineswegs automatisch Spätentwickler. Sie krabbeln durchschnittlich mit 7 bis 8 Monaten - nach korrigiertem Alter - und laufen mit etwa 12 Monaten, so wie andere Kinder auch. Doch natürlich fällt die vermeintliche Entwicklungsverzögerung umso mehr ins Auge, je mehr sie zu früh geboren wurden.

Wie gut sich ein Kind entwickelt, hängt aber abgesehen vom Geburtstermin noch von zwei weiteren Faktoren ab: Ob es zum Zeitpunkt der Geburt altersgemäß entwickelt war. Und ob es Eltern hat, die sich kümmern, es liebevoll umsorgen und geduldig fördern. Genau wie bei termingerecht geborenen Kindern können Sie als Eltern also Ihren Teil zur gesunden Entwicklung ihres Kindes beitragen.

Wann hat ein Frühchen den Rückstand aufgeholt?

So "Pi-mal-Daumen" kann man sagen, dass Frühchen nach etwa zwei Jahren die körperliche Entwicklung aufgeholt haben. Ab diesem Zeitpunkt lässt sich meist kein großer Unterschied mehr feststellen. Bei der sprachlichen und geistigen Entwicklung gibt man etwas mehr Zeit, also etwa drei Jahre. Statistisch haben Frühgeborene im Vergleich zu reif geborenen Kindern etwas häufiger Schulprobleme wie z.B. Lernstörungen. Gute Prognosen gibt’s allerdings für die Zukunft: Studien im Erwachsenenalter bestätigen, dass ehemalige Frühchen genauso gesund, zufrieden und glücklich sind wie alle anderen.

Besonders wichtig für Frühchen: die Vorsorgeuntersuchungen

Gerade bei Frühchen ist es wichtig, ihre altersgerechte Entwicklung immer wieder zu überprüfen, damit man notfalls rechtzeitig mit geeigneten Therapiemaßnahmen etwas "nachhelfen" oder etwaige Defizite ausgleichen kann. Deshalb verpassen Sie bitte keinen der Vorsorgetermine. Die U-Untersuchungen sollten bei Frühchen immer entsprechend des tatsächlichen Geburtstermins gelegt werden, also z.B. die U4 im 3. bis 4. Lebensmonat wie bei anderen Kindern auch. Beurteilt wird Ihr Kind dann allerdings nach seinem korrigierten Alter.

Was müssen wir bei unserem Frühchen beachten?

Frühgeborene haben häufig ein etwas schwächeres Immunsystem als termingerecht geborene Babys. Das liegt daran, dass der sogenannte Nestschutz, also die Immunabwehr, die das Baby von der Mutter mitbekommt, erst in den allerletzten Schwangerschaftswochen übertragen wird. Frühchen fehlt dieser Schutz, so dass sie teilweise etwas krankheitsanfälliger sind. Wenn möglich sollten sie gestillt werden, weil Muttermilch den Aufbau von gesunden Darmbakterien fördert, die zur Abwehr wichtig sind. Außerdem sollte man Frühchen besonders sorgfältig und rechtzeitig impfen, um sie vor vermeidbaren Krankheiten zu schützen. Dabei gilt wie bei den Vorsorgeuntersuchungen das Alter nach der Geburt und nicht das korrigierte Alter. Ansonsten brauchen Sie bei einem gesunden Kind keinerlei Einschränkungen zu machen und dürfen mit ihm alles unternehmen, was anderen Kindern auch Spaß macht - vom Babyschwimmen bis zum Kinderturnen.

Infos, Hilfe und viele Tipps finden Sie auch in unserem großen Specialbereich Frühgeburten - unsere Frühchen. Bei besonderen Fragen steht Ihnen zu diesem Thema in unserer Expertenberatung Prof. Dr. Gerhard Jorch zur Verfügung, der spezialisiert ist auf die Behandlung von Frühgeborenen.

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