Frage: Loslösung?

Guten morgen Herr Posth, Unsere Tochter (2J5M) sagt seit längerer Zeit, dass sie Sachen alleine machen möchte ("Mama hinsetzen od. Papa weg, ich alleine!"). Wenn die Situationen nicht gefährlich sind, lassen wir sie natürlich und sie ist dann immer ganz stolz und sagt "Ich ganz alleine!" und wir loben sie dann. Seit einigen Tagen kam "Ich kann nicht" dazu. Es passiert in (für uns) ganz alltäglichen Situationen, dass sie zuerst nach zB. Apfelsaft verlangt und bevor ich ihr den geben kann, wird sie ganz weinerlich und meint "Ich kann nicht Apfelsaft trinken". (..od. "Ich kann nicht rausgehn", obwohl sie es eigentlich möchte) Sie setzt sich dann am Boden und weint auf. Ich tröste sie und versuche sie dann immer zu ermuntern, od. biete ihr dann auch mal je nach Situation Alternativen (die sie aber wie mir scheint gar nicht möchte) oder meine Hilfe an. Sie scheint kurzfristig recht verzweifelt zu sein. Hat das mit der Loslösung zu tun? Vielen Dank&Grüße, Irmi

Mitglied inaktiv - 14.06.2010, 09:34



Antwort auf: Loslösung?

Liebe Irmi, das Verhalten, das Sie derzeit bei Ihrer Tochter beobachten, hat weniger mit der Loslösung als mit der Entscheidungsfähigkeit zu tun, bzw der Entscheidungsunfähigkeit. War bisher in der Welt Ihrer Tochter alles klar. was sie tun möchte, weil der Drang nach Selbstständigkeit so groß war, kommt jetzt ein neuer Aspekt dazu, den ihre Tochter bisher noch nicht kannte, die Wahlfreiheit. Auf einmal gibt es nicht nur die eine Möglichkeit, etwas zu tun, sondern auch noch eine andere oder eine dritte. Damit ist Ihre Tochter wie sehr viele Kinder in diesem Alter etwas überfordert und sie geraten in einen Entscheidungskonflikt. Im emotionalen Bereich nennt man das Ambivalenzkonflikt. Darüber können Kind regelrecht "ausrasten", wenn sie nämlich beides wollen, aber nur eins haben können. Eltern helfen ihren Kinder meistens damit, dass sie die enstandene Entscheidungsunfähigkeit gezielt einer Loslösung zuführen. Mit ein wenig Überredung oder sogar Überzeugung geht das gut, und das Kind ist dann fast immer erleichtert. Viele Grüße

von Dr. med. Rüdiger Posth am 17.06.2010



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