Frage: Betreuung durch die Großmutter

Sehr geehrter Herr Dr Posth, wir möchten gerne Ihre Meinung zu folgendem wissen: bisher haben wir unser einjähriges Kind allein betreut. Demnächst werde ich als Mutter teilzeit arbeiten und unser Kind für max. 5 bis 10 Stunden die Woche zur Großmutter bringen. Erst mit 3 oder 4 Jahren würden wir es teilzeit in einen KiGa bringen. Nun heisst es von allen Seiten, dass wir damit dem Kind keinen Gefallen tun und ihm Kontakt zu Gleichaltrigen verwehren. In der Tat ist es so, dass unser Kind es liebt mit anderen Kindern zusammen zu sein. Was denken Sie? Danke Ihnen

von Bonita80 am 04.03.2013, 08:31



Antwort auf: Betreuung durch die Großmutter

Hallo, dieses Argument, man enthielte seinem Kind Kontakte vor, wenn man es nicht institutionell frühbetreuen lässt, dient einer aktuellen Meinungsmache zur Frühentwicklung von Kindern. Man will das so sehen, weil man es braucht, um die Kinder frühzeitig von ihren Müttern zu trennen und damit man die Frauen in der Arbeitsprozess zurückbekommen kann. die Politik ist sich gar nicht mal zu schade, dass auch öffentlich zu vertreten. Aus entwicklngspsychologischer Sicht ist das alles sehr zweifelhaft. Es stimmt natürlich, dass Kinder im 2. Lebensjahr Kontakt zu anderen Kindern bekommen sollten, aber das lässt sich auch auf privater Basis organisieren. Dazu kommt. dass Kinder in diesem Alter noch die soziale Unterstützung ihrer Bezugspersonen brauchen, um diese Kontakte zu schließen und zu halten. Das heißt, die Plattform Familie ist immer noch die bessere Grundposition und Ausgangslage für das Kind. Für diese Form des Kontaktaufbaus zu anderen Kindern gibt es Kinderspielgruppen, häusliche oder außerhäusige Treffen von Eltern mit Kindern und Kinderspielplätze. Allerdings ist festzustellen, dass durch die zunehmende Organisation der Kinderfrühbetreuung die Vielfalt der Möglichkeiten auf privater Basis immer weiter eingeschärnkt wird. Das halte ich für ein bedenkliche Entwicklung. Denn die Erziehungsfreiheit als Hoheit einer jeden Familie wird schleichend eingeschränkt. Das Normierungsprinzip fängt immer früher an. Viele Grüße

von Dr. med. Rüdiger Posth am 07.03.2013



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