Mai 2021 Mamis

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Geschrieben von Bärenohr am 16.12.2020, 7:20 Uhr

Mal was ganz anderes ...

Mir fällt immer wieder auf, dass unsere Gesellschaft immer noch in überwiegend stereotypen Vorstellungen arbeitet.

Ich lebe zum Beispiel überwiegend in heterosexueller und monogamer Beziehung. Meine jetzige Partnerschaft ist ebenfalls mit einem einzigen - meinem - Mann. Aber mein Leben war eben "nur" überwiegend in diesen Mustern unterwegs...

Ich finde es schade, dass diese Variante in der Öffentlichkeit immer noch die einzig "richtige" zu sein scheint.
Wie steht ihr dazu?
Gerade vielleicht auch vor dem Hintergrund, dass wir Kinder in diese Welt setzen.

Bin gespannt auf eure Sicht/Modelle

Einen wunderbaren Start in den Tag!

 
20 Antworten:

Re: Mal was ganz anderes ...

Antwort von MaiMama2021 am 16.12.2020, 9:59 Uhr

Hallo und guten Morgen :)

Also ich selbst komme aus einer Familie, in der es immer nur dieses eine Modell gab: Mutter, Vater, Kind/er. Somit sind meine Geschwister und ich mit diesem Bild groß geworden und leben das jetzt auch so. Vermutlich geht es heutzutage vielen noch so, dass sie einfach nichts anderes kennen. Man orientiert sich ja meist schon, ob wan will oder nicht, an den Verhältnissen, in denen man aufwächst und wird unbewusst davon stark beeinflusst.
Ich könnte mir vorstellen, dass sich die Haltung zu diesem "einzig richtigen" Familienmodell in den nächsten Jahren noch ändern wird, weil die Zahl derjenigen, welche in anderen Modellen leben, immer größer wird. Irgendwann wachsen dadurch viel mehr Kinder im Modell Vater, Vater, Kind oder Mutter, Mutter Kind oder sonstigem auf und somit wird dieses Bild immer normaler. Ohne jetzt sozialwissenschaftlich großartig Ahnung zu haben vermute ich mal, dass das ein Prozess ist, der einfach längere Zeit benötigt.

Gerade weil es aber immer normaler und häufiger wird, dass auch in alternativen Modellen gelebt wird, finde ich es unfair, wenn Menschen ihre Kinder noch so sehr in dieses "einzig richtige Familienmodell: Mutter, Vater, Kind" hineinerziehen. Wenn Eltern ihren Kindern schon im Kleinkindalter eintrichtern: "Rosa ist doch aber eine Mädchenfarbe!" "Mädchen spielen nicht im Matsch" usw...Egal, wie man selbst lebt und welche Meinung man zu "andersartigen" Familienmodellen hat, seinem Kind sollte man doch möglichst eine Erziehung anbieten, in der es sich selbst ein Bild machen kann.
Ich muss zugeben, dass ich selbst auch eher skeptisch polygamen Beziehungen gegenüberstehe und selbst auch froh bin, Mutter und Vater zu haben und nicht 2 Mamas oder 2 Papas - aber auch hier spricht aus mir vermutlich einfach nur das, womit ich großgeworden bin. Denn ganz nüchtern und neutral betrachtet, schadet es doch wohl keinem Kind 2 Papas zu haben oder in einer Gesellschaft mit vielen verschiedenen Lebensmodellen aufzuwachsen?!
Das ist nunmal der Lauf der Dinge, die Gesellschaft steht immer irgendwie im Wandel. Man selbst muss es nicht gut finden, aber die eigenen Kinder sind nunmal (irgendwann) eigenständige Menschen mit eigenen Meinungen. Man muss ihnen die Möglichkeit geben, sich auch frei diese Meinungen zu bilden.

(Ich möchte aber kurz dazu sagen, dass ich nicht unbedingt jeden Wandel gutheiße, nur weil es nunmal der "Lauf der Dinge" ist...Diese Trends der Schnelllebigkeit, Leistungsgesellschaft, Wegwerfgesellschaft und und und sind Sachen, die darf man seinem Kind meinetwegen auch "ab-erziehen" :D )

Liebe Grüße :)

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Re: Mal was ganz anderes ...

Antwort von Sarii24, 18. SSW am 16.12.2020, 10:12 Uhr

Also meine Familie ist schrecklich in sowas. Es gibt nur dieses Frau muss Mann lieben und anderest rum und Frau muss in die Küche und Mann arbeiten. In den letzten Jahren hat sich das Gott sei dank geändert. Ich habe auch kaum mit meiner eigenen Familie Kontakt, dafür liebe ich die Familie meines Partners. Die sind so tolerant.

Mein kleiner Bruder hat es schon schwer, dieser ist nämlich Homosexuell und liebt und lebt dies aus. Tatsächlich war er bin Baby an schon ein kleiner Sonnenschein und man wusste ja er wird auch Männer lieben. Aber er hat lange gebraucht bis er es endlich zugab. Dabei wussten es einfach alle. Aber einfach weil er Angst hatte, unsere Familie steht nicht zu ihm.

Er hat sich auch über die Jahre langsam abgewandt von der Familie, was für ihn das beste war.


Ich wiederum bin da sehr tolerant, mir ist das egal, wer mit wem und wer wie wen liebt und das auslebt. Eben so wie es jeder möchte.

Und mein Partner und ich sind beide auf dem Niveau, das sich jeder einbringen muss. Sprich auch er geht in Elternzeit, er geht jetzt im Januar bei unserer Tochter in Elternzeit und genießt das voll. Er stellt sich in die Küche und kocht. Oder versucht die kleine zu betreuen wenn ich Ordnung mache. Ja Monogam ist mir wiederum schon sehr wichtig.

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Re: Mal was ganz anderes ...

Antwort von Bettinka, 18. SSW am 16.12.2020, 10:19 Uhr

Ist das nicht auch das, was sich die meisten irgendwie wünschen?
Klar, es gibt auch welche, die sind eher für offene Beziehungen, aber das sind doch eher wenige.
Und homosexuelle Beziehungen haben doch den entscheidenden Nachteil, dass daraus keine Kinder entstehen können. Klar, für wen sich das besser anfühlt, der soll machen, was ihm gut tut, aber als Wunschvorstellung kann das irgendwie nicht so herhalten.

Also, man könnte ja unterstellen, dass es nur so als Muster übernommen ist, aber auch wenn ich darüber nachdenke, halte ich die heterosexuelle, monogame Beziehung doch für die erstrebenswerteste. Am besten dazu, dass sie auch langfristig funktionierend und tatsächlich liebevoll ist. Das schafft die tiefesten Verbindungen - im Gegensatz zu wechselnden Partnern.

Alles, was Patchwork ist, ist ja in der Regel so nicht geplant gewesen. Ich finde, das gilt es trotzdem - oder gerade auch zu respektieren und ich bin froh, dass nicht mehr so ein Diktat wie früher gilt, dass man den Vater seiner Kinder auch heiraten muss und dass man sich dann auch nicht mehr von ihm trennen darf. Menschen irren sich nun mal, müssen auch mal was ausprobieren, bevor sie wissen, was sie eigentlich wollen. Ich denke, dass es dann schon oft die richtige Entscheidung ist, wenn sich zwei entscheiden, sich wieder zu trennen. Gerade wenn Kinder im Spiel sind, fällt das vielen so schwer, weil sie denken den Kindern würde das schaden. Und an der Stelle möchte ich mich mal eindeutig für die Patchwork-/Alleinerziehende oder sonstige unkonventionelle Familien aussprechen, weil ich denke, dass eine unglückliche Beziehung den Kindern viel mehr schadet. - Eine, in der beide bleiben aufgrund einer Vorstellung, dass es so irgendwie richtig wäre, ohne dass es sich für sie wirklich so anfühlen würde. Da ist es für die Kinder zehnmal besser, wenn das aufhört, und wenn sie ein Vorbild haben, dass einfach auch mal für sich selbst eingestanden ist - ohne irgendwelchen Schablonen zu folgen. Klar wäre es vielleicht noch schöner für das Kind, in der oben beschriebenen funktionierenden, langfristigen monogamen Beziehung aufzuwachsen - (und ich denke auch mit Mann und Frau, damit es sich mit den unterschiedlichen Geschlechtern als gutes oder schlechtes Vorbild und Gegensatz auseinandersetzen kann). Aber das ist ja "hätte, wäre, wenn", wenn die Beziehung eben nicht so funktioniert. Und wenn die Eltern, dann eben das beste draus machen, wenn sie sich trennen, dann lernt das Kind auch, dass man "Fehler" machen darf und sie wieder ausbessern kann. Wichtig dabei finde ich nur, dass das Kind sich weiterhin mit beiden Eltern identifizieren und kontaktieren darf. In dem Maße halt, wie das in der entsprechenden Situation möglich ist.

Ich persönlich bin jetzt 10 Jahre mit meinem Mann verheiratet und kenne ihn 13 Jahre lang, wo ich im Februar zum 1. Mal und nach einer Fehlgeburt nun im August zum 2. Mal schwanger geworden bin. Erst hab ich mich noch nicht dafür bereit gefühlt und dann hat es auch nicht gleich geklappt. Aber es gab ein paar Momente in dieser Zeit, wo unsere Beziehung auf der Kippe stand, wo ich echt froh war, dass da noch keine Kinder im Spiel waren. Das hätte echt alles schwieriger gemacht. Es war ja am Ende gar nicht nötig, dass wir uns trennen. Es war nur nötig, sich nicht so sehr aneinander zu hängen. Etwas mehr innere Unabhängigkeit zu gewinnen. - Innerlich die Möglichkeit einer Trennung zuzulassen. Ich glaube, mit Kindern wäre mir das viel schwerer gefallen. Das kann einerseits mit einer trotzdem noch verwurzelten Vorstellung zusammenhängen, wie es eben sein sollte, andererseits hängt das auch einfach damit zusammen, dass eine Trennung für ein Kind natürlich immer eine schwere Situation ist. Es hängt ja an beiden. Auf einmal muss es sich immer wieder entscheiden und kann nicht beide auf einmal haben. Auf einmal gibt es Seiten, auf die man sich stellen "muss". Meistens gibt es die Seiten ja schon vor der Trennung ... darüber habe ich ja oben schon geschrieben.
So ein Kind zu erziehen, ist ja schon nicht so ohne, und gerade in der ersten Zeit eine ziemliche Belastung. Da ist man sicherlich am besten dran, wenn man jemanden hat, auf den man sich auch in schweren Zeiten verlassen und stützen kann und dem man hundertprozentig vertraut. Das findet man am ehesten in einer monogamen Beziehung, oder? Bei wechselnden Partnern ... ? Aber wenn man das erst in seiner x.ten Beziehung findet, nachdem man es schon bei x anderen versucht hat, und überall ein Kind entstanden ist, und dann die komplizierteste Patchworkfamilie entstanden ist, dann ist das eben so und immer noch besser, als hätte man es nie gefunden.

Ui, war das viel Text. Ich hoffe, es war trotzdem interessant.

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Re: Mal was ganz anderes ...

Antwort von Mützipütz, 18. SSW am 16.12.2020, 10:36 Uhr

Also ich bin im typischen Stereomodell aufgewachsen.Meine Eltern sind seit 50Jahren verheiratet.Meine Oma/Opa waren es 60 Jahre andere Seite auch mehr als 50Jahre.Alle Frauen waren Hausfrauen.Meine Mutter hatte bei meiner Schwester mit 9Monaten angefangen zu arbeiten und das war so ne furchtbare Zeit für sie das sie bei mir wieder anfing als ich 7Klasse war.Papa und Küche Da geht nur schnippeln.Haushalt ja macht er mit wenn er gefragt wird.Ansonsten ist sein Part das einkaufen.
Meine Ehe verlief auch in dem Modell ich bleibe Zuhause und er geht arbeiten.Das wollte ich auch so.Allerdings habe ich von ihm trotzdem Hilfe im Haushalt erwartet.Und da er auch nach Kind 2 meinte im Hotel zu wohnen habe ich nah 7 Jahren Ehe und 14Jahren Beziehung einen Strich gezogen und mich scheiden lassen.Als erste in der Familie!!!!
Meinen Kindern sage ich das wichtigste im Leben ist das man glücklich ist und das man dafür auch mal die Richtung wechseln muss.
Mit meinem neuen Partner kam dann die Erleuchtung.Der sieht den Dreck und macht ihn weg und denkt selbstständig.Fängt Einkaufszettel an,macht Wäsche und alles.
Und weil er da so super ist habe ich mich dazu entschlossen noch ein Kind mit ihm zubekommen.Aber ich bleibe Zuhause.Er möchte nicht und ich finds nicht schlimm.Er hat auch nen neuen Job angefangen und da kann ich froh sein wenn er Urlaub bekommt nach der Geburt.
Aber bei ihm weiß ich das ich Unterstützung haben werde.
Meine Kinder wissen Sie dürfen lieben wen sie wollen.Da bin ich völlig offen.Mein Exmann hingegen gar nicht.
Und ja monogam ist für mich das Normalste.Wenn andere damit klarkommen wenn es anders ist dann sollen sie das so tun.Für mich wäre das nichts.
Mein Junge durfte übrigens auch mit Puppen spielen und meine Tochter hat sich im Schlamm gewälzt,mit Autos gespielt und blau getragen.Das war mit Schuleintritt aber vorbei und der Rosaglitzerwahn ging los.
Lässt sich auch nicht verhindern.

Und ich denke mit der Ehe für alle und das es immer mehr gleichgeschlechtliche Eltern gibt wird mit den Jahrzenten das auch immer normaler werden.
Genauso wie Scheidungen normaler sind als vor 30Jahren.

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Re: Mal was ganz anderes ...

Antwort von Slykee, 22. SSW am 16.12.2020, 10:54 Uhr

Hallo,

Also ich selber lebe schon immer monogam und heterosexuell, ich persönlich fühle mich damit wohl. Meinem Mann und mir war es auch wichtig erst zu heiraten und danach den Kinderwunsch in Angriff zu nehmen, und ich werde auch in Elternzeit gehen während er weiter arbeitet; also das was allgemein als "klassisches Familienmodell" bezeichnet wird.
Ich denke (hoffe) aber, dass es in unserer Gesellschaft nicht mehr als das einzig richtige Modell angesehen wird. Es gibt jede Menge anderer Lebensentwürfe, die eben für die jeweiligen Personen die richtigen sind. Und entscheidend sollte doch immer sein, was die beteiligten Personen glücklich macht.
Meinem Mann und mir ist es wichtig, dass wir unser Kind möglichst genderneutral erziehen und ihm auch vermitteln, dass es nicht den einen richtigen Weg für jeden gibt. Nicht jeder Junge muss Autos mögen und Fußball spielen, und nicht jedes Mädchen will ein Puppenhaus haben. Genauso wenig muss jeder von einer Familie mit Mutter, Vater, Kind träumen.

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Re: Mal was ganz anderes ...

Antwort von Ma18Ma20 am 16.12.2020, 11:29 Uhr

Boah, gute Frage.

Ich möchte es eigentlich nicht - einen weiteren Mann. Hab ja jetzt schon volle Hände.
Mein Mann denkt da auch so

.Aber ehrlich gesagt, wünsche ich es mir für meine Kinder auch nicht. Ich mag und liebe diese Vorstellung einfach sich - wenn schon denn schon - einem Partner hinzugeben.

Ganz abgesehen davon, dass man sich scheiden lassen kann oder erst mal Frösche küssen muss...

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Re: Mal was ganz anderes ...

Antwort von Bettinka, 18. SSW am 16.12.2020, 12:07 Uhr

Ha ha, mein Mann sagt auch immer: mehrere Frauen würde er nicht aushalten. Ihm reicht eine vollkommen.

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Re: Mal was ganz anderes ...

Antwort von Kokuznuz am 16.12.2020, 12:19 Uhr

Also evtl habe ich mir da durch Selektion im Freundeskreis, soziale Netzwerke und Medien meine eigene "Blase" geschaffen, aber ich denke, dass das "Mutter-Vater-Kind"-Konzept schon nicht mehr die Norm ist. Die Familien fangen an, sich zu emanzipieren und ihre eigenen Wege zu gehen und das finde ich vollkommen wichtig und richtig (Gibt in der Sueddeutschen und in der "jetzt" regelmäßig spannende Erfahrungsberichte zu dem Thema).
Die Zeiten, wo Mutti sich selbst unglücklich machte, um Kind und Kegel ein "stabiles Umfeld" zu ermöglichen, sind einfach vorbei. Heutzutage darf Mann/Frau seinen Weg wesentlich freier wählen und das finde ich sehr begrüßenswert.
Ich weiß, wie es ist, alleinerziehend zu sein und wir leben hier auch im Patchworkmodell. Der Papa der Großen ist immer noch Teil unseres Lebens und wird auch so eingebunden. Das ist nicht immer super einfach, macht uns aber alle am Ende des Tages glücklich.

Was ich hier absolut nicht verstehen kann, sind Aussagen wie, "Hetero-monogam ist doch das Erstrebenswerteste". Excusez-moi? Ich strebe doch nicht nach einem Beziehungskonzept. Ich liebe, wen ich liebe und da kann ich nicht nach einer sexuellen Ausrichtung streben.
"Ein Kind braucht Mutter und Vater." Wir können uns sicherlich darauf einigen, dass ein Kind gut daran tut, mehrere wichtige Bezugspersonen in seinem Leben zu haben, die es möglichst umfangreich begleiten und auf das Leben vorbereiten. Was diese Person für ein Geschlecht hat, ist doch unerheblich.


Danke @Bärenohr für deinen spannenden Beitrag, solche Gedanken lese ich gerne.

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Re: Mal was ganz anderes ...

Antwort von steffalive, 17. SSW am 16.12.2020, 13:03 Uhr

Das ist ein sehr interessantes Thema.

Also ich lebe immer schon in monogamen Beziehungen, auch immer mit Männern. Ich bin absolut nicht der Typ für mehreres gleichzeitig . Ich mag diese Klarheit und Verlässlichkeit. Und auf Frauen steh ich halt nicht. Es wurde mir auch so vorgelebt - meine Familie ist noch ne „klassische“ - meine Eltern noch verheiratet und meine Großeltern waren es bis zum Tod meines Opas .
Ich muss sagen, dass ich mir das auch immer so gewünscht hatte. Die Realität ist bei mir aber anders gekommen. Ich bin geschieden und habe aus dieser Ehe meinen 5 jährigen Sohn. Das Verhältnis zum Vater ist sehr schwierig. Es gab Gewalt, vor allem emotionale mir gegenüber. Er versucht immernoch mich zu beeinflussen wo es geht. Das ist nicht einfach und belastet mich sehr, aber das ist ein anderes Thema.
Für meinen Sohn tut es mir manchmal leid dass er nicht das Mama-Papa Ding hat. Momentan merke ich auch dass ihn das beschäftigt.
Nun ja und jetzt haben wir hier eine kleine Patchwork Familie mit bald unserem kleinen Mädchen, das mein Freund und ich bekommen.
Ich wünsche mir einfach dass das dann die ersehnte Familie ist, die ich immer haben wollte und vor allem dass mein Sohn das auch so empfindet.

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Re: Mal was ganz anderes ...

Antwort von Kokuznuz am 16.12.2020, 13:09 Uhr

Das Spannende ist doch eigentlich, wenn man mal hinter die Kulissen schaut und sich fragt, ob das, was Oma/Opa, Mama/Papa einem da vorgelebt haben, wirklich so erstrebenswert war?
Ich habe mich mal mit meiner Oma unterhalten und sie musste z.B. mit ihren Schwiegereltern auf einem Hof leben und hatte dort den Haushalt zu machen und sonst nichts zu sagen. Glücklich war sie in diesem Leben mit ihren vier Kindern nicht, aber darüber hat ja keiner gesprochen. Bei meinen Eltern das gleiche. Meine Mutter ist früh verstorben, aber eigentlich war die Ehe auch am Ende. Beide Frauen hingen aufgrund finanzieller oder gesellschaftlicher Abhängigkeiten in diesen Ehen fest und ich bin saufroh, dass wir heutzutage die Möglichkeit haben, uns daraus zu lösen.

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Re: Mal was ganz anderes ...

Antwort von murmelchen85, 18. SSW am 16.12.2020, 13:24 Uhr

Interessantes Thema!
Ich für mich denke, dass es nicht wichtig ist, wie jemand persönlich zu irgendwelchen Familienmodellen steht, sondern dass es wichtig ist, verschiedene Modelle zu akzeptieren und vor allem zu respektieren. Das versuche ich auch meinen Kindern zu vermitteln. Es ist nicht wichtig, was für dich oder mich erstrebenswert ist, sondern dass wir andere grundsätzlich respektieren und es völlig egal ist, wer wen oder wie viele liebt. Und am Ende.. sag niemals nie.. kann irgendjemand zu 100% sagen, dass er so wie er heute lebt auch in 30 Jahren noch lebt? Doch eigentlich nicht.

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Re: Mal was ganz anderes ...

Antwort von Bettinka, 18. SSW am 16.12.2020, 14:05 Uhr

Natürlich strebt man nach einer Beziehung und jeder in seiner persönlichen Situation und unter seinen persönlichen Voraussetzungen. Davon hab ich ja auch geschrieben.

Und dann hab ich mal diesen Faktor Beziehungsmodell herausgenommen und die Vor- und Nachteile betrachtet.
Strebt denn jemand nach Patchwork? Wolltest du das so von Anfang an?
Zumal sich monogam und Patchwork ja auch nicht widersprechen. Es kann natürlich sein, dass man dann mit dem Ex noch ins Bett geht, aber es muss zumindest nicht. Und ich denke, dass das auch eher selten so gehandhabt wird.

Mir ist auch schon klar, dass sich jetzt niemand fragt, welche Vor- und Nachteile Homo- oder Heterosexualität hat, bevor er sich für das ein oder andere entscheidet. Trotzdem hab ich den Blickwinkel mal gewählt, um vielleicht von dort aus erkennen zu können, warum hetero-monogam - zum Beispiel außer der Gewohnheit oder der Biologie - immer noch so beliebt ist.

Ich bin in einer Familie aufgewachsen, die irgendwie gleichzeitig hetero-monogam und Patchwork war. Für meinen Vater war es halt die zweite Ehe und er hatte schon einen Sohn, der dann auch mal eine zeitlang bei uns gelebt hat. Wahrscheinlich kam er grad mit seiner Mutter nicht klar. Die hat ständig ihre Partner gewechselt, darüber war er, glaub ich, nicht so glücklich. Sie selber aber auch nicht. Sie hat es einfach nicht geschafft, eine längerfristige Beziehung aufzubauen.
Andersrum hab ich mich schon gefragt, warum meine Eltern, die ganze Zeit zusammengeblieben sind, obwohl sie offensichtlich nicht glücklich zusammen waren und hab mir schon manchmal gewünscht, sie würden sich lieber trennen. Mein Bruder hatte meine Mutter auch mal gefragt, warum sie sich nicht trennen. Irgendwie kam das nicht in Frage und sie ist auch heute noch nicht glücklich damit.
Und dann ist es auch heutzutage ganz normal, dass mein Halbbruder mit der Mutter seiner Tochter nie eine langfristige Beziehung eingehen und mit ihr zusammenleben wollte und dass sie sie trotzdem irgendwie zusammen erziehen mit allen Problemen, die das für die zwei oder eher drei mit sich bringt. Für die anderen aus der weiteren Familie ist das kein Problem. Da ist das eben selbstverständlich. Und zur Schuleinführung dieses Mädchens kommt dann halt die ganze verbastelte Familie mit fünf Opas und Scheinopas und verschiedenen Partnern und Expartnern, ohne dass das jemanden stören würde.

Das alles ist aber unabhängig davon, dass irgendwie alle trotzdem die eine, langfristige, monogame, sie erfüllende Beziehung suchen.

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Re: Mal was ganz anderes ...

Antwort von steffalive am 16.12.2020, 14:15 Uhr

Da hast du vollkommen recht! Es ist inzwischen glücklicherweise möglich, dass man sein Leben einfach so lieb, dass man glücklich sein kann. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass man selbst die nötige Reife, das Selbstbewusstsein dafür hat. Es ist in ganz vielen Ehen, egal wie lang sie gehen, nicht alles Gold was glänzt… Und ich möchte auch nicht wissen wie viele aufgrund dessen unglücklich waren oder sind. Vor allem natürlich früher, wo ist bei weitem nicht so leicht war einfach einen anderen Weg zu gehen.

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Re: Mal was ganz anderes ...

Antwort von Bettinka, 18. SSW am 16.12.2020, 14:41 Uhr

Ich glaube auch, dass dieser Druck, der damals geherrscht hat und mancherorts bis vor Kurzem noch geherrscht hat oder sogar heute noch herrscht, genau das, was eigentlich als das einzige Modell postuliert wurde, gleichzeitig erschwert und unmöglich gemacht hat.

Ich meine, wenn man mit dem einen Partner zusammensein und bleiben MUSS oder zumindest gesellschaftliche oder familiäre Ächtung fürchten muss, wenn man sich anders entscheidet, dann ist das eine ganz andere Voraussetzung für eine Beziehung, als wenn es ganz offensichtlich eine freie Entscheidung ist. Da fehlt der Beziehung sozusagen der Raum zum Atmen. So ähnlich wie ich beschrieben habe, dass es mir mit Kind schwerer gefallen wäre, unsere Beziehungsprobleme zu lösen - so ähnlich ist das mit Leuten, auf denen anderer Druck von außen lastet, zusammenzubleiben. Dann leben die Leute zwar noch zusammen wie du von deinen Eltern schreibst und wie meine Eltern genauso irgendwo, zumindest gefühlt und das reicht ja, aber Beziehung kann man es eigentlich gar nicht nennen.

Heute haben wir viel größere Freiheit, alles anders zu machen, aber dadurch auch größere Freiheit genau das zu suchen und finden, was die Leute schon damals gesucht haben.

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Re: Mal was ganz anderes ...

Antwort von Bärenohr am 16.12.2020, 18:00 Uhr

Wow, ihr habt echt tolle Beiträge geschrieben, ich bin ganz schön beeindruckt von der Resonanz und finde den Austausch klasse!

Bei der ein oder anderen konnte ich zustimmend nicken, manche Beiträge haben mich zum Nachdenken angeregt und andere Perspektiven gezeigt.

Vielen lieben Dank für das wertvolle Feedback!

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Re: Mal was ganz anderes ...

Antwort von Elchkäfer, 18. SSW am 16.12.2020, 19:25 Uhr

Hallo liebe Bährenohr,

ich weiß was du meinst.
Ich habe mich immer für sehr tolerant gehalten. Ich habe auch einiges ausprobiert in meinen "wilden Jahren" und es war viel schönes dabei. Ich bin aber auch zu dem Schluss gekommen, dass offene oder polygame Beziehungen zumindest in unseren Breitengraden, wo es für beide lebbar sein sollte, oft nicht "funktionieren". Entweder will einer doch mehr Exklusivität, oder es gibt auch Minderwertigkeitsgefühle, weil einer von beiden erfolgreicher ist bei der Suche nach anderen (Sex)Partnern.
Spannend finde ich auch die Frage nach Hetero- und Homosexualität, weil ich glaube, dass die gar nicht so binär zu beantworten ist und es viel dazwischen gibt. Ich hielt das immer für toll, und habe mich immer für homosexuelle Paare und auch deren Kinderwunsch eingesetzt.
Ich hoffe, ich werde nicht gesteinigt, wenn ich zugeben, dass ich hierüber ins Nachdenken gekommen bin. Denn ich habe als Psychologin inzwischen einige Kinder dieser Paare kennenlernen dürfen, die doch sich nicht wohl fühlten, in dieser Konstellation aufzuwachsen und in ihrer Identität sich unsicher fühlten.
Aber natürlich lerne ich beruflich auch eher diese kennen, denen es eben Schwierigkeiten bereitet hat. Und natürlich hatten einige wesentlich weniger Probleme und Scham entwickelt wäre unsere Gesellschaft offener und toleranter! Interessant fand ich, dass sich dich einige dieser Menschen sexuell dann auch wieder gleichgeschlechtlich orientiert haben.

Ich zermater mir ja auch immer das Hirn -und Herz- über so Fragen der Gleichberechtigung und Rollenverteilung. Dass Männer zum Beispiel immernoch so wenige Monat Elternzeit nehmen?Dann wiederum ob es tatsächlich für ein Kind nicht besser ist, im ersten Jahr voll die "Mama-Symbiose" zu leben?

Spannende Fragen sind das!

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Re: Mal was ganz anderes ...

Antwort von Bärenohr am 16.12.2020, 21:40 Uhr

Super spannend!
Vielen Dank für deine Gedanken :)

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Re: Mal was ganz anderes ...

Antwort von gclaudia, 19. SSW am 17.12.2020, 16:52 Uhr

In meiner Familie sind zwar auch alle "Frau mit Mann und Kind/er" verheiratet, aber wir haben einige Freunde die homosexuell sind. Also für uns völlig normal und in Ordnung. Bei uns haben auch einige Ausländer in die Familie eingeheiratet Mal so am Rande. Wir sind da wirklich sehr offen.
Ganz anders die Familie von meinem Mann. Oh Himmel wenn wer auf dasselbe Geschlecht steht.... zwar sagen sie, dass ist in Ordnung aber hinter verschlossenen Türen wird geschimpft und gelästert. Auch wenn Frau und Mann ein Kind/er haben und unverheiratet sind. Ist für die ganz schrecklich. Ich hab ihnen nie gesagt wie Multikulti es in meiner Verwandtschaft zugeht, weil sie dann gar keine Ruhe mehr geben würden. Finde ich sehr schade.

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Re: Mal was ganz anderes ...

Antwort von gclaudia am 17.12.2020, 16:56 Uhr

Vergessen: für jeden ist "Normal" etwas anderes. Was in Ordnung ist. Doch kann ich den anderen nicht einfach akzeptieren wie er/sie ist? Warum fällt das so vielen so schwer? Das finde ich sehr traurig und macht das aus unserer Gesellschaft das, was sie leider ist.

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Re: Mal was ganz anderes ...

Antwort von Aurora_, 21. SSW am 18.12.2020, 14:51 Uhr

"Normal" ist ja nicht gleich "gut" oder unnormal gleich "schlecht".

Normal ist mathematisch gesehen einfach nur das, was am häufigsten ist.

Ihr kennt sicher die Gauß'sche Glockenkuve, auch "Normalverteilung" genannt? Sieht wie eine Glocke aus?
Die meisten Menschen sind entsprechend dieser Normalverteilung mehr oder weniger (!!) heterosexuell veranlagt, in der Mitte der Glockenkurve, und rein Homosexuelle sind seltener, am Ende der Glockenkurve. Bisexuelle wiederum gibt es schon deutlich mehr.

Die sexuelle Identität und auch Fantasien werden in der späten Pubertät "fertig" ausgebildet und sind für Veränderungsversuche unzugänglich. Trotzdem versuchen es leider viele des gesellschaftlichen Druckes wegen.

Zur Polygamie kann ich nur sagen, dass sie m. E. ein für Frauen nachteiliges Modell ist, und ich froh bin, dass sie unter hiesigen heterosexuellen Männern noch nicht zur Norm geworden ist. Aber jemanden abwerten, der polygam leben möchte, ist peinlich und rückwärtsgewandt.
In traditionell polygamen Gesellschaften musste der Mann, welcher als einziger polygam zu sein hatte, übrigens ausreichend finanzielle Mittel für alle Ehefrauen zur Verfügung haben. Ist ein wichtiger Punkt

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