Hebamme Stephanie Rex

Abhalten / windelfrei - Kind drückt sehr... und andere Unsicherheit

Antwort von Hebamme Stephanie Rex

Frage:

Kennst Du Dich mit Abhalten / "windelfrei" aus?

Da mein Kleiner Schwierigkeiten hat mit Blähungen und manchmal auch mit Stuhl, an dem er lange herumdrückt (vereinzelt unter Schreien), haben wir eh schon Lefax und leichte Bauchmassage und bei Bedarf rektales Fieberthermometer und in Ausnahmefällen Kümmelzäpfchen (2x: danach schrie er allerdings so sehr, ob Zufall oder nicht, daß ich da seehr zurückhaltend bin) eingesetzt. Da er durch das Fieberthermometer eh schon manchmal Stuhl (und Urin eh oft) beim Wickeln hatte und ich gelesen hatte, daß Windelfrei-Kinder u.U. weniger Probleme mit Blähungen und Stuhl haben, hat mich das Thema interessiert. (Die Idee von Körperwahrnehmung und Eingehen aufs Kind fand ich eh klasse.) Ich habe einfach dann, wenn er eh Urin oder Stuhl abgehen hatte, laut "ßßßßß" gesagt. Und dann angefangen, ihn beim Wickeln über der Badewanne abzuhalten und dabei auch "ßßßßß" gesagt. (Ich wickele nach dem Essen, weil er oft dabei oder danach Stuhlgang hat.) Fast sofort fing er (in der 8. Woche) an, beim Abhalten seinen Stuhl abzusetzen (und meistens auch etwas Urin). Nur: Er drückt nun jedesmal beim Abhalten heftig. Meist "erfolgreich", aber selbst dann, wenn nachher nichts kommt.

Und so frage ich mich: Trainiere ich hier versehentlich meinem Kind an, daß es noch mehr drückt als vorher? Denn ab wann sollte Stuhlgang denn mit "Loslassen" und Entspannung zu tun haben? (Bei Blähungen drückt er auch weiterhin kräftig und sehr viel länger andauernd als bei Stuhl...)

Und bringe ich ihm unabsichtlich bei, daß es zu bestimmten Zeiten machen "muß"? (Seither geht fast kein Stuhl mehr in die Windel, obwohl ich das ja gar nicht problematisch fände. Und ich habe ihn zwar ein paarmal anfangs gelobt, wenn er beim Abhalten etwas "gemacht" hat, und vermutlich merkt er ganz diffus meiner Stimme an (er ist ja noch so klein), daß ich es prima finde, wenn etwas abgegangen ist - aber natürlich bekommt er keine negative Reaktion, wenn nicht, oder auch, wenn er die Windeln füllt [ist ja normal!], mich beim Wickeln mal vollgepieselt hat usw. usw.) Ist also sein neuerlicher Rhythmus nur etwas, was ihm natürlich leicht fällt und er "will" (kein Stuhlgang mehr in der Windel)... oder habe ich da doch unabsichtlich etwas Druck ausgeübt (kann man ja auch durch Lob)?

Und auch die Idee des "windelfrei", daß es um Kommunikation und Körperwahrnehmung geht, kommt ja völlig zu kurz: Er kommuniziert ja nicht mehr, daß er muß, und dann reagiere ich - sondern ich halte ihn ab, dann reagiert er.

Also lieber nicht mehr Abhalten? Anders machen? Doch weiter so? Ich bin verunsichert und dankbar für alle Tips! (Und sollten hier andere Eltern mitlesen, die Erfahrungen mit Abhalten und/oder windelfrei haben, freue ich mich natürlich auch über Eure Erfahrungen!)

von auf der Reise am 15.08.2021, 12:48 Uhr

 

Antwort:

Abhalten / "windelfrei" - Kind drückt sehr... und andere Unsicherheit

Liebe auf der Reise,

leider weiß ich nicht wie alt dein Sohn ist beziehungsweise kann es aus deinem Text nicht herauslesen.

Daher ist es recht schwierig zu beurteilen ob das Verhalten deines Sohnes Alters entsprechend ist.

Aber grundsätzlich hört sich doch das Verhalten beziehungsweise die Reaktion deines Sohnes auf das abhalten schon richtig klasse an.

Anfangs ist es tatsächlich so, dass du ja deinem Sohn die Zeiten vorgibst und er so lernt frei Pippi und auch Stuhlgang zu machen. Wenn dein Sohn seine Körpersprache mehr einsetzt und auch seine Mimik, dann bist du dran zu lernen und zu erkennen wann dein Sohn muss und ihn dann dementsprechend abhalten kannst.
Allein die Position des abhalten regt die Kinder an zu drücken. Daher ist es eine eher reflektorische Reaktion.
Das bewusste „mich drückt die Blase und ich sage deutlich Bescheid, dass ich zur Toilette muss“, genauso wie das dann bewusste loslassen beginnt bei manchen Kindern mit 1,5 Jahren und bei anderen mit zwei Jahren.

Im Grunde wird dein Sohn die von dir vorgegebenen Zeiten adaptieren und dir durch Mimik und Körpersprache zeigen, dass er muss. Grundsätzlich ist dies für den Alltag sehr gut. Da du dadurch ungefähr weißt, wann dein Sohn zur „Toilette“ muss.

Jedes Kind ist darin auch sehr unterschiedlich. Bei manchen Kindern funktioniert es sehr gut andere kommen damit überhaupt nicht zurecht. Es hängt natürlich davon ab, wie viel Zeit du mit dem ganzen widmest.

Es gibt Mütter, die das Windel frei sein komplett durchziehen. Damit meine ich auch unterwegs. Dafür musst du natürlich immer ein Töpfchen oder eine Schüssel für unterwegs dabei haben.

Viel Erfolg weiterhin!

Alles Gute Steffi Rex

von Stephanie Rex am 16.08.2021

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