Cornelia Ackmann

Cornelia Ackmann

Kinderkrankenschwester

Frau Cornelia Ackmann ist in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Klinikum Links der Weser in Bremen unter der Leitung von Dr. med. Martin Claßen tätig. Hier arbeitet sie mit ihrem Schwerpunkt in der Funktionsabteilung Urotherapie, in der sie sich mit der Diagnostik und Therapie von Kindern und Jugendlichen mit Störungen der Ausscheidung beschäftigt. Frau Cornelia Ackmann ist in diesem Bereich verantwortlich für die Beratung und Schulung von Kindern und Jugendlichen und deren Eltern. Sie ist als Dozentin in der Fachweiterbildung zum/zur Urotherapeutin tätig. Seit 2011 ist sie ausgebildete Kontinenztrainerin.

mehr über Cornelia Ackmann lesen

Cornelia Ackmann

4 jähriger mit Enkopresis

Antwort von Cornelia Ackmann

Frage:

Hallo liebes Uroteam.

Es geht um unseren 4jährigen Sohn. Er hatte immer massiv Probleme mit dem Trockenwerden. Er war es noch nie länger als ein paar Wochen/Monate.
Unser Kind leidet an einer ausgeprägten Fructosemalabsorptionsstörung, hatte bisher oft Durchfall, lag als Kleinkind mehrfach mit Austrocknung in der Klinik, da er sehr häufig Magen Darm Infekte hat.
Schon als Baby hat er Probleme mit Blähungen, Bauchschmerzen etc gehabt.
Bei einer Routine Kontrolle wurde ein zu niedriges Eisen festgestellt (schon als Kleinkind hat er nicht gerne Fleisch gegessen, durch die Fruchtoseprobleme ist es recht schwer, Eisen per Obst etc zuzuführen)..
Unser Sohn hat v.a. Probleme mit dem Stuhlgang. Seit er mit 3 in den Kindergarten kam, hält er seinen Stuhl zurück. Im Kindergarten wurde ziemlicher Druck ausgeübt, dass er sauber wird. Er durfte z.B. nicht mit auf den Hof, wenn er vorher nicht die Toilette aufsuchte. Leider haben wir Eltern uns den Druck gebeugt und auch zuhause versucht ihn mit sämtlichen Mitteln sauber zu bekommen (Belohnungssystem...).
Seit einiger Zeit hatt er immer wieder kleine Portionen Stuhlgang in der Windel /Unterhose. Wir sind dann damit zum Kinderarzt.
Dieser diagnostizierte eine Enkopresis aufgrund zurückhalten des Stuhles, Eisentabletten und zu wenig Trinkmenge.
Unser Sohn bekommt nun 1 Beutel Movicol am Tag. Er kann leichter auf die Toilette, aber während des Kindergartens hält er selbst diesen leichten Stuhl zurück.
Wenn wir ihn Zuhause (auf Anraten des Kinderarztes) regelmäßig auf die Toilette sezten oder er schon etwas in der Windelhose hat setzen wir ihn auch, dann wehrt er sich entweder oder macht eine minimale Portion in die Toilette und hüpft nach einer halben Minute wieder runter.
Wir und die Erzieher haben den Eindruck, dass er auf keinen Fall etwas verpassen möchte und deshalb den Stuhl zurückhält. Er hat schlicht "keine Zeit" um auf die Toilette zu gehen. Er würde auch zuhause, nie ein Spiel unterbrechen um auf die Toilette zu gehen.
Der Kinderarzt hält einen Psychologen für nicht angebracht, da mein Sohn sonst ein sehr aufgewecktes, friedliches , intelligentes und sozial gut entwickeltes Kind ist.
Was würden Sie raten? Wie sollen wir vorgehen? Kann er auch mit Movicol einen Kotstau bekommen? Unser Sohn trägt nun wieder Tag und Nacht Windelhöschen. Mit Urin klappt es deutlich besser, wenn auch nicht immer zuverlässig. Nachts ist er so gut wie trocken und gibt auch Nachts Bescheid, wenn er pinkeln muss.
Wie sollen wir als Eltern vorgehen? Noch mal ein Belohnungssystem? Das klappte im Urlaub gut, doch sobald er die Belohnung hatte, war es wieder beim Alten.
In den Kindergarten geht er gerne, er ist Einzelkind, hat Freunde und auch keine sonstigen Traumatischen Ereignisse in letzter Zeit.
Wir können ihn aber auch nicht zwingen, andererseits verstehen wir gar nicht, was daran so schlimm ist, mal auf der Toilette drei mal zu drücken. Er darf am Klo spielen, hat einen Fußschemel und einer von uns ist immer in der Nähe.
Ich danke Ihnen im Vorraus für Ihre Einschätzung und Mühe!
lg e.g.

von schlack am 17.03.2015, 13:35 Uhr

 

Antwort auf:

4 jähriger mit Enkopresis

Hallo schlack

Sie haben sich bis jetzt ganz liebe- und verständnisvoll bemüht ihren Sohn sauber/ trocken zu machen – aaaaber ihr Kleiner MUSS UND KANN das ganz alleine entscheiden und schaffen :-).
Jedes gesunde Kind will irgendwann auf die Toilette gehen um saubere Hosen zu haben, lernt ganz in seinem ureigenen Rhythmus, so wie die Entwicklung es zulässt und da gibt es halt auch gute und weniger gute Lernphasen.
Der Reifungsprozess der Blasen- und Darmkontrolle beginnt mit ca. 2 Jahren und sollte mit Beendigung des 5. Lebensjahres abgeschlossen sein, wobei häufig nicht alle Entwicklungen zeitgleich verlaufen und somit hat ihr Sohnemann ja auch noch ein wenig Zeit ;-) bis er eine sichere Kontrolle über seine Ausscheidungen haben sollte.
Fortschritte sind ja durchaus zu erkennen, da er immer wieder einmal über einen längeren Zeitraum trocken sein kann und nachts ebenfalls schon eine gute Blasenkontrolle hat :-)))).
Deshalb ist ihre Entscheidung ihm ein Windelhöschen zu erlauben genau richtig. Nehmen sie den Druck raus – er ist nur kontraproduktiv und führt zu Auseinandersetzungen - lassen sie das Thema ohne Kommentare einfach einmal ruhen und schauen wie sich das Ganze entwickelt.
Wenn der kleine Mann es sich zutraut wird er von ganz alleine die Initiative ergreifen. Bis dahin können sie ihm gerne immer wieder Toilette/ Töpfchen anbieten und ihn im Einzelfall entscheiden lassen ob er bereit ist. Die Betreuer im Kindergarten könnten sie bitten, von sich aus auf ihren Kleinen zuzugehen und ihm eine neue Windel anzubieten, wenn er sich selbst nicht zum Wechseln meldet.
Wenn wir von unseren Kindern mehr verlangen als sie erbringen können, gehen sie eher in die Vermeidungshaltung wodurch es leicht zu Störungen und Verzögerungen in der Kontinenzbildung kommen kann und die Folge ist dann eben manchmal eine Enkopresis, die den Prozess zusätzlich verlängert.
Die Probleme, die er als Kleinkind hatte und noch hat, sowie der Druck im Kindergarten, tragen sicher auch nicht gerade dazu bei, dass diese Entwicklung gut verlaufen konnte und somit gehört er vielleicht durchaus zu den Kindern die etwas länger für die Sauberkeitsentwicklung benötigen.
Belohnungen würde ich eher nicht einsetzen, da er unter Druck geraten könnte etwas leisten zu wollen was er einfach noch nicht sicher erbringen KANN :-(.
Die Empfehlung ihres Kinderarztes, dem kleinen Mann stuhlweichmachende Medikamente (z.B. Movicol junior) zu geben, kann ich nur unterstützen und darf, je nach Gewicht, eventuell auch noch gesteigert werden. Voraussetzung für die Wirksamkeit ist jedoch auch ein gutes Trinkverhalten - 7 Portionen – ca. 1000ml – regelmäßig über den Tag verteilt, sowie ballaststoffreiche Ernährung in Form von Gemüse, Körnerbrot, -brötchen, nicht zuviel Milch (1 Glas/ Tag), keine Schokolade – eher einmal Gummibärchen.
Beraten sie vielleicht mit ihrem Kinderarzt ob sie wegen der Vorgeschichte im Kleinkindalter eventuell einmal einen Kindergastroenterologen aufsuchen sollten.
Seien sie stolz auf ihr aufgewecktes, friedliches , intelligentes und sozial gut entwickeltes Kind :-))) und geben ihm gerne für die Sauberkeitsentwicklung ganz ohne Druck noch ein wenig Zeit.

Liebe Grüße
Conny Ackmann

von Conny Ackmann am 18.03.2015

Antwort auf:

4 jähriger mit Enkopresis

PS : Wir sind fast immer dabei, wenn er auf der Toilette hockt. Lesen vor, spielen ein Fingerspiel etc. Loben ihn sehr, wenn er etwas gemacht hat.
Wenn er was in der Windel hat, gibt er nicht Bescheid. Oft hole ich ihn vom Kindergarten ab und sein Po ist schon ganz rot und der Stuhlgang angetrocknet. Dann tut es ihm weh, aber die Erzieherin zu bitten, dass sie ihn wickelt, packt er auch nicht.

von schlack am 17.03.2015

Mobile Ansicht

Impressum Team Mediadaten Nutzungsbedingungen Datenschutz Forenarchiv

© Copyright 1998-2021 by USMedia.   Alle Rechte vorbehalten.