Birgit Neumann

Birgit Neumann

Dipl. Ökotrophologin

Birgit Neumann studierte Ökotrophologie mit dem Schwerpunkt Ausbildung und Beratung und schloss ihr Studium mit dem Titel Diplom Ökotrophologin (Dipl.oec.troph.) ab. Seit dem Studium ist sie als Ernährungs­beraterin und Kursleiterin tätig. Mit regelmäßigen Fortbildungen hält sie ihr Wissen zur Baby- und Kinder­ernährung auf dem aktuellen Stand.

Birgit Neumann

Zu wenig Eisen für mein Baby?

Antwort von Birgit Neumann

Frage:

Hallo Frau Neumann,
ich habe für mein Kind (bald 1 Jahr alt) selbst Gemüse-Kartoffel-Brei gekocht und Fleisch aus Fleischzubereitungsgläschen genommen. Da ich mich ans Grundrezept für den Mittagsbrei gehalten habe, habe ich die ganze Zeit über nur 30-35 g Fleisch aus dem Fleischzubereitungsgläschen genommen. Ich hätte aber eigentlich die Hälfte des 125g-Gläschens nehmen müssen, da in den Fleischzubereitungsglächen ja nicht 100% Fleisch enthalten ist. Diese oben genannte Fleischmenge von 30-35 g habe ich 6 Mal pro Woche gegeben. Die Breizeit ist jetzt schon bald vorbei und mein Kind geht langsam dazu über am Tisch mitzuessen. Es hat sich ganz normal entwickelt. Keine Auffälligkeiten. Ich sorge mich allerdings jetzt, ob mein Kind die ganze Zeit über eine Eisenuntervorsorgung hatte und ob das irgendwelche Konsequenzen hat. Sollte ich beim Kinderarzt den Eisenspiegel kontrollieren lassen? Über eine Rückmeldung würde ich mich sehr freuen.

von Engelchen2020 am 07.02.2020, 23:19 Uhr

 

Antwort auf:

Zu wenig Eisen für mein Baby?

Hallo Engelchen2020
Eisenreiche Beikost ist empfehlenswert, das stimmt. In deinem Fall hast du auch dafür gesorgt, dass dein Baby Beikost isst und du hast Fleisch gegeben - wenn auch nicht in der empfohlenen Menge. Aber man kann den individuellen Bedarf ohnehin nicht pauschal berechnen. Man kann nicht sagen, welche Menge das Baby von welcher Sorte Fleisch bekommen muss, damit es definitiv ausreichend versorgt sein wird. Es handelt sich darum lediglich um allgemeine Empfehlungen. Das Ganze ist sehr komplex.
Sorge ab jetzt einfach für eine gute Ernährung.
Gewöhne deinen Sohn jetzt an lecker schmeckendes Essen, das ihr Großen auch gewöhnlicherweise (gerne) esst. Sorge dafür, dass er eine weitestgehend gesunde, abwechslungsreiche, alle Lebensmittelgruppen beinhaltende ausgewogene und leckere, ausreichende Mischkost erhält. Manchmal ist es nötig, dass du die Speisen für deinen Sohn so anrichtest und schneidest, dass er diese gut kauen und schlucken kann, was besonders im Fall von Fleisch sehr hilfreich ist. Du kannst Fleisch bspw als Hack zubereiten. In dieser Verarbeitungsform kannst du Fleisch ganz (unauffällig) in verschiedene Gerichte einarbeiten, welche dein Kind unkompliziert einfach mit essen kann.
Sehr beleibt sind bspw Nudeltaschen, Empanadas, Pizzabelag (als Bolognesesosse), Auflauf, etc

Hier ist ein Rezept für Frikadellen:
500g Hack mit 1 verquirltem Ei vermischen
würzen mit: 1/4 TL Zucker, Salz (, Prise Pfeffer, 1/2 EL getrocknete italienische Kräuter untermischen, Semmelbrösel zugeben und vermischen - soviel Semmelbrösel zugeben, bis die Konsistenz der Hackmasse gut formbar wird.
Aus der Masse Frikadellen formen.
In wenig, aber ausreichend Öl, in einer beschichteten Pfanne braten.
Du kannst die geformten Bratlinge auch einfrieren - gebraten oder roh.
Statt die Frikadellen zu braten, könntest du auch eine kleine Menge Öl in die Masse geben und kleine Bällchen (die kleine Form verkürzt die Garzeit und beugt dem Austrocken an der Oberfläche vor) formen, diese im Ofen backen, bei 200° C bis fertig - Garprobe machen. Ggf vorher mit Wasser besprühen.

Hackfleisch, Tatar bzw durch den Fleischwolf gedrehte oder anderweitig zerkleinerte Fleischstücke sind prima für Essanfänger geeignet.
Das ist ein perfekter Einstieg, weil sich die bereits vorzerkleinerte Konsistenz im Mund gut anfühlt und leicht kau-und schluckbar ist,
Das stark zerkleinerte Fleisch lässt sich in viele Gerichte einarbeiten.
Du kannst daraus Frikadellen machen, was ein gutes Fingerfood ergibt. Durch den Zusatz von verschiedenen Gewürzen kannst du den Geschmack der Bratlinge variieren.
Hack kannst du auch in Sossen einarbeiten oder in Auflauf bspw. Auch auf Pizza könntest du zur Not vorgegartes Hack (bspw in Bologneseosse vepackt) verteilen. Auch als Füllung für Teigtaschen u.a. eignet sich das Fleisch super.
Das klappt meist ebenfalls gut: Fleischbrei im Gläschen könntest dz als Brotaufstrich verwenden.

in Brühe gegarte Fleischbällchen - wenn gefällt:
300g Hack (gemischt oder pur)
ca 1-2 EL Semmelbrösel
Salz, Paprikapulver, Kräuter
ca 1/2 Ei
alles gut vermischen und die Masse mit feuchten Händen zu kleinen Bällchen mit glatter Oberfläche formen.
In Salzwasser (oder in Brühe) köcheln, bis die Bällchen an die Oberfläche steigen. Mit der Schaumkelle entnehmen und gut abtropfen lassen.
Das Garwasser eignet sich weiterhin als Basis für eine Suppe oder für Sossen.


Spaghetti Bolognese
Bolognesesosse
1 kleine Zwiebel fein würfeln, 1 Knoblauchzehe gepresst. Noch dazu 1 geraspelte Möhre richten.
Gemüse in 1 EL Olivenöl ca 10-15 min dünsten.
300g gemischtes Hack und 1 weiteren Olivenöl zugeben, anbraten.
Salz, Pfeffer, Zucker, Oregano (frisch oder getrocknet, Basilikum (frisch oder getrocknet) zugeben und durchbraten, bis das Gemüse weich und das Fleisch gar ist.
Dann mit ca 400g Tomaten aus der Dose/Tetrapack (stückig oder zerkleinert) auffüllen, aufkochen. Abschmecken, nachwürzen und ggf Tomatenmark zugeben, bis es gut schmeckt.
Die Sosse ca 30 min köcheln lassen.
dazu klein geschnittene Spagetti

oder daraus eine Lasagne zubereiten:
Bechamelsosse:
30g Butter in einem Topf mit dickem Boden schmelzen, 40g Mehl mit dem Schneebesen einrühren, gut rühren und schliesslich ca 250ml Wasser/Gemüsebrühe und 1/4 l Milch zugießen und unter Rühren aufkochen lassen. Würzen mit Salz, Zucker, Pfeffer, Hauch ger. Muskatnuss und Zitronensaft.
In eine Auflaufform Bolognesesosse füllen, eine Schicht Lasagneplatten auflegen, die Nudelplatten nochmals mit Bolognesesosse bestreichen, eine Schicht Bechamelsosse darüber geben. Wieder Nudelplatten und so weiter in die Form schichten. Als letzte Schicht, bevor Käse aufgegeben wird, sollte die weisse Sosse sein. Geriebenen Gouda oder Edamer aufstreuen.
Die Lasagne bei 180-200° C im Ofen überbacken, ca 1/2 h.

auch empfehlenswert ist es, um bereits Kleinkinder geschmacklich zu sensibilisieren und ihren Verdauungstrakt einzustimmen, wenn du ab und zu auch eisenreiche vegetarische Gerichte servierst. Hast du selbst schon Favoriten?
Welche Hülsenfrüchte magst du bspw selbst ganz gerne?
Suchst du nach Inspiration? Kichererbsen, Linsen sind empfehlenswert und Hafer - sowie Hirseflocken.

Um noch einmal auf deine Frage zurückzukommen - hab keine Sorge. Dein Baby hat Fleischbrei bekommen und du schreibst auch, dass dein Kind einen guten Eindruck* macht.( s.u.)
Generell gilt:
Eisenreiche Zutaten sollten am besten mit Vit C kombiniert gegessen werden. Das kennst du sicher noch aus der Beikostzeit. Ein frisch gepresster Orangesaft vor oder nach dem Mittagessen ist dafür bspw empfehlenswert.
Hast du noch Fragen oder brauchst Inspiration, Rezepte?
Meld dich gerne wieder

Grüße
Birgit Neumann



*
P.S.
oder zählt dein Kind zu einer Risikogruppe?
Eine sog.Eisenmangelanämie kann, wenn sie beim Kind diagnostiziert wurde, verschiedene Ursachen haben. Ein direkt kausaler Zusammenhang mit der Ernährung bzw der Beikost kann vorkommen, ist aber eher seltener. Direkt im Zusammenhang stehen eher folgende Punkte: niedriges Geburtsgewicht (bspw Frühgeburt), die Eisenspeicher des Babys konnten während der SS nicht ausreichend lange und gut gefüllt werden, wenn die Mutter bspw einen (schlecht eingestellten) Diabetes hat oder eine SS-Diabetes hatte. Wenn die Mutter im 3. Trimester selbst schlechte Eisenwerte hatte und wenn dies widerum in Kombination mit einem niedrigen Geburtsgewicht des Kindes korreliert. Wenn Babys ihre Eisenspeicher während der SS nicht füllen konnten, aus sonstigen und verschiedenen Gründen. Auch bspw, wenn das Baby eine muttermilchinduzierte Kolitis hat. All das sind Risikofaktoren, die die Wahrscheinlichkeit zur Ausbildung einer Eisenmangelanämie bei (d)einem Baby begünstigen können.
Babys werden dann lustlos und schlapp, haben kein Interesse an Beikost, entwickeln sich nicht optimal, sind blass u.a.
Eine unzureichende Eisenzufuhr durch die Nahrung kann einen Eisenmangel begünstigen und bei einer sehr unzureichenden Ernährung auch verursachen. Bspw kann sich auch eine sehr kuhmilchlastige Ernährung negativ auf die Eisenresorption auswirken.
Falls du weiterhin beunruhigt bist:
Medizinische Fragen dieser Art müsstest du in die entsprechenden Nachbarforen nochmals einstellen.

von Birgit Neumann am 10.02.2020

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