Birgit Neumann

Birgit Neumann

Dipl. Ökotrophologin

Birgit Neumann studierte Ökotrophologie mit dem Schwerpunkt Ausbildung und Beratung und schloss ihr Studium mit dem Titel Diplom Ökotrophologin (Dipl.oec.troph.) ab. Seit dem Studium ist sie als Ernährungs­beraterin und Kursleiterin tätig. Mit regelmäßigen Fortbildungen hält sie ihr Wissen zur Baby- und Kinder­ernährung auf dem aktuellen Stand.

Birgit Neumann

Würgen bei stückigem Brei

Antwort von Birgit Neumann

Frage:

Mein Sohn ist 9 Monate alt und am sich ein "guter Esser", er probiert alle neuen Speisen und verträgt bis jetzt auch alles. Nun ist es aber so, dass er bei auch nur geringfügig stückigen Brei anfängt zu würgen bis hin zum erbrechen. Brei muss sehr fein püriert sein, sonst geht es gar nicht. Sogar fertige Gläschen ab 8 Monaten muss ich noch mal pürieren. Dagegen isst er Fingerfood selbständig und ohne Probleme, würgt nur ganz selten. Banane, Butterbrot, Reibekuchen, Wassermelone, Omelette, Gurkensticks, Avocado, Kartoffeln, Mango, Nudeln, gedünstete Apfelstücke ... isst er selber mit den Fingern und die Konsistenz scheint ihn dabei gar nicht zu stören.
Aber wehe etwas wird mit dem Löffel gefüttert und ist nicht super fein püriert. Da reichen ein paar komplett weich gekochte Reiskörner im Brei schon aus ihn zum erbrechen zu bringen.
Kann das ein Problem sein? Eigentlich soll man ja immer gröber pürierten Brei füttern zwecks Gewöhnung. Oder kann ich ihm einfach weiter Fingerfood und feinen Brei geben, und irgendwann gibt sich das von selbst? Nur Fingerfood ist mir etwas zu wenig wegen Nährstoffversorgung, auch weil ich kein Fleisch geben möchte.
Danke!

von Frau Kolibri am 02.08.2020, 02:42 Uhr

 

Antwort auf:

Würgen bei stückigem Brei

Hallo Frau Kolibri
dass dein Baby bereits selbständig isst, das ist ganz wunderbar. Dein Kind isst sogar schon größere Mengen an stückiger Kost und hat dabei große Freude.
Lass den grobstückigen Brei einfach weg, füttere stattdessen ruhig weiternin auch fein pürierten Brei, wenn du und dein Baby das möchten. Gib deinem Baby den Breitypus, den es gut und sicher und gefahrenfrei essen kann.

Die Idee, dass man ab dem 8. Lm keine fein pürierten Breie mehr und stattdessen grobstückigere Breie geben solle, basiert auf theoretischen Überlegungen. Babys sollen durch das neue Mundgefühl, welche der gröbere Brei bietet, sensibilisiert werden und sich umgewöhnen. Es soll bewirken, dass sie durch das neue Mundgefühl zum Kauen animiert werden. Das solle die orale Toleranz fördern, was langfristig durch Gewöhnung an dieses Mundgefühl zu einer besseren Akzeptanz von stückiger Nahrung führen solle. Es soll das Baby zum Kauen anregen und die Kaumuskulatur stimulieren. Soweit die theoretische Überlegung dazu. Manche Babys finden das auch ganz prima. Doch ebensoviele Babys haben damit mehr oder weniger Schwierigkeiten und kommen damit überhaupt nicht zurecht.
Du siehst, es ist alles in bester Ordnung bei deinem Kind.
Die Erklärung:
Beim Breiessen ist dein Baby nur passiv agierend. Du platzierst den Brei im Mund deines Babys. Reflexartig wird der Brei geschluckt. Sind hier nun Stcückehn enthalten, so ist das für dein Kind sehr irritierend und löst ebenso reflexartig einen Würgereiz aus. Das sind Sicherheitsvorkehrungen. Und das ist auch gut so.
Beim (selbständigen) Stückchenessen spürt dein Baby zunächst die Konsistenz der Speise und beginnt die Speise im Mundraum zu kauen, zu zerquetschen, zu fühlen usw. Es kann sich darauf einstellen und die zu schluckende Stückgröße bewerten. Ist sie zu groß oder sonstwie nicht akzeptabel, so wird das Stückchen einfach ausgespuckt bevor es geschluckt würde.
Das ist der Unterschied.
Da dein Baby beim selbstbestimmten Essen bereits gut zurecht kommt, brauchst und solltest du auf gar keinen Fall, den groben Brei füttern.
Du könntest dein Baby von einem gröberen Brei probieren lassen, vielleicht - gib ihm dabei jedoch Zeit, damit es die Konsistenz im Mundraum selbst auf Eignung prüfen kann. Beobachte dein Baby immer und agiere entsprechend seinen Bedürfnissen.

Ganz allgemein noch diese Zeilen:
Würgen und Husten passiert, wenn der Würgereflex ausgelöst wird. Das kennst du sicher selbst von Arztbesuchen - die Sache mit dem Holzstäbchen... Bei Babys sitzt der Reflex noch sehr weit vorne, d.h. nicht so tief im Rachen wie bei uns Erwachsenen. Das ist sinnvoll, denn das verhindert ein echtes Verschlucken ( Beim echten Verschlucken gerät Essen in die Luftröhre statt in die Speiseröhre. ) . Bei manchen Babys ist die Region im Rachen/Mundraum noch obendrein ganz besonders sensibel agierend.

Also dann
Grüße
Birgit Neumann

von Birgit Neumann am 03.08.2020

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