Birgit Neumann

Birgit Neumann

Dipl. Ökotrophologin

Birgit Neumann studierte Ökotrophologie mit dem Schwerpunkt Ausbildung und Beratung und schloss ihr Studium mit dem Titel Diplom Ökotrophologin (Dipl.oec.troph.) ab. Seit dem Studium ist sie als Ernährungs­beraterin und Kursleiterin tätig. Mit regelmäßigen Fortbildungen hält sie ihr Wissen zur Baby- und Kinder­ernährung auf dem aktuellen Stand.

Birgit Neumann

Spezielles Brot?

Antwort von Birgit Neumann

Frage:

Hallo,

vielen Dank für Ihre Arbeit hier im Forum :)

Ich hätte folgende Frage:
Mein Kleiner ist fast 8 Monate alt, isst Mittags 150-200 Gramm GKF Brei, Nachmittags 100 Gramm Getreide Obst Brei und Abends 100-200 Gramm Abendbrei (Schmelzflocken mit Pre angerührt und etwas Obstmus).
Sonst stille ich ihn noch.

Wenn ich morgens frühstücke und er sitzt mir in seinem Hochstuhl gegenüber, dann springt er fast daraus weil er unbedingt an mein Brot möchte.
Darum würde ich ihm gerne ein wenig Brot reichen, damit er es kennenlernen kann (er ist prinzipiell noch nicht der riesen Fan von festen Lebensmitteln, er genießt es Brei zu essen).
Ich backe oft unser Brot selbst und wollte fragen, ob Sie ein Rezept für ein Babybrot haben und auf was man genau achten muss.

Und was kann ich ihm auf das Brot streichen?

Herzliche Grüße und Danke im voraus,
Juji

von Juji am 03.10.2021, 21:23 Uhr

 

Antwort auf:

Spezielles Brot?

Hallo Juji
wenn du es bisher schon gewohnt bist, euer Brot selbst zu backen, dann ist es ja ein Leichtes Brot auch für dein Baby selbst zu backen.
Zum Ersten möchte ich dir aber sagen, dass dein Baby durchaus auch von deinem Brot essen kann. Sofern dein Brot keine Kerne, Kleie oder Saaten enthält und es sich also um ein gewöhnliches Brot ohne Zusatzzutaten handelt. Tut es das?
Für dein Baby ist zunächst schlicht das spannend, was du isst. Genau das, was du isst und auch unmittelbar von dir kommt. Den größten Gefallen tätest du deinem Sohn also dann, wenn du ihn einfach mal bei dir probieren lässt. Falls Körner, Kerne oder andere festere und somit für dein Baby ungünstige Zutaten enthalten sind, dann backe einfach zunächst ein Brot, welches ihr alle gemeinsam essen könnt.

Z.B. dieses Brot:
dies ist "ein" Grundrezept, das sich beliebig abwandeln lässt:
Experimentiere beipsielweise mit verschiedenen Mehlsorten:
Dinkelvollkornmehl, Weizenmehl (1050), etc.

Grundrezept für eine Kastenform:
500g Mehl
ca 1/3 Würfel frische Hefe**
250-300 ml Wasser (ggf mehr, je nach Mehlsorte - besonders bei Dinkelmehl, Vollkornmehl evtl mehr)
4 EL Öl
1 Pr Zucker
7g Salz

alle Zutaten mischen, kneten, kneten, kneten! Ganz viel kneten, weil sich der Teig auf diese Weise einfach gut zusammenfügt.
Knete deinen Brotteig einfach so lange, bis er nicht mehr klebt und gut zusammenhält. Das kann schon (sogar in guten Knetmaschinen) bis zu ca 10-20!! Min dauern.
Je länger der Teig geknetet wurde, desto besser ist die Krume, d.h. desto fester und brotartiger ist dein Ergebnis. Zu kurz geknetete Brot bröseln/fallen nämlich sonst leicht auseinander.
Der Teig sollte nicht kleben.
10 min ruhen lassen.

Auf ein Brett/glatte Oberfläche etwas Mehl streuen und den Teig darauf "rund- bzw länglichwirken".
Das bedeutet: du arbeitest dich quasi, einmal die Aussenränder nach innen klappend, einmal im Kreis um den Teig herum. Das gibt dem Teig Spannung, was sich auf das Backergebnis einfach besonders positiv auswirkt.
Du kannst das Brot in einer Kastenform backen und erhältst dadurch auf jeden Fall ein formstabiles Brot, das du hinterher in Scheiben schneiden kannst.
Das Brot kommt nun in deine Kastenform (Backpapier/Backfolie wenn nötig) und darf hier noch einmal solange gehen, bis der Teig leicht über den Rand schaut. Den Teig dafür abdecken.
Je nach Wetter, Standort des Teiges, der Wärmeentwicklung während dem Kneten, deiner Hefe, deiner Mehlqualität, u.a. anderem geht der Teig mehr oder weniger schnell auf.
Den Ofen vorheizen (Zeitcheck!) und das Brot bei ca 220° ca 50 min (200° ca 50-60 min) backen.
Nach dem Backen das Brot aus dem Ofen holen und auf ein Backgitter legen. Die Oberfläche mit Wasser bepinseln. Das Wasser verdampft sofort und sorgt aber dafür dass das Brot feuchter bleibt, die Kruste nicht zu hart ist und einfach besser mundet.

So. Das ist das Grundrezept. Dieses Rezept kannst du beliebig abwandeln und mit Getreidesorten "spielen", experimentieren.Du kannst am Salzgehalt****schrauben, du kannst Butter statt Öl verwenden. Du kannst weniger Hefe verwenden und die Gehzeiten dadurch verlängern.

**Merke:
viel Hefe - kurze Gehzeit
wenig Hefe - lange Gehzeit


warum lange Gehzeit? Während der Gehzeit werden die sog. Antinutritiva im Mehl abgebaut, was sich bspw auf die Bioverfügbarkeit der Nährstoffe (Mineralstoffe, auch Eiweiße (Stichwort Gluten) etc) sehr positiv auswirkt. Das ist besonders gut, wenn du Vollkornmehle verwendest.
Es verbessert insgesamt die Verdaulichkeit und Bekömmlichkeit und darum sind diese Brote besonders "gut" und lecker.
und warum weniger Hefe? Wenn der Teig geht, dann vermehrt sich die Hefe. Viel Hefe vermehrt sich entsprechend schnell und der Teig nimmt schnell an Volumen zu. Irgendwann ist ein Maximum erreicht und der Teig fällt wieder in sich zusammen.
Wenig Hefe braucht logischerweise entsprechend mehr Zeit, um entsprechend zur ca doppelten Teiggröße zu wachsen.
Der Hefeteig kann bspw über Nacht gehen, muss dafür dann in den Kühlschrank.


Dinkelbrot:
500g Dinkelmehl (halb Type 630 und halb Dinkelvollkornmehl)
oder: 100g Vollkornmehl/400g hellem Mehl - ganz wie ihr das mögt.
1/2 Würfel frische Hefe (**)
ca 1 TL Salz
1 Prise Zucker (oder Zuckerrübensirup) oder weglassen.
Wasser nach Bedarf (ca 300-350ml)
Bei der Verwendung von Dinkelmehl brauchst du mehr Wasser, weil Dinkel mehr Wasser bindet. Vollkornmehle erst recht.
Rest wie oben schon beschrieben.

Wenn das Brot gut ausgekühlt ist, kann es geschnitten werden. Je nach dem, kannst du die Scheiben einfrieren. Bei Bedarf ist es ratz fatz aufgetaut - oder die einzelnen Scheiben direkt in den Toaster geben.

Wenn deinem Kind das Brot zusagt und künftig wirklich richtige große Mengen davon essen möchte, den Brei dafür dann vielleicht weniger gerne, dann lohnt es sich vielleicht für euch, dem Brot weniger Salz hinzuzufügen.
Wenn du magst, kannst du es komplett salzfrei backen, ist aber im Alter deines Kindes (plus stillen) nicht unbedingt nötig.
Salz erfüllt im Brotteig nämlich mehrere Funktionen. Eine Reduktion wäre demnach evtl ein guter Kompromiss.



einfaches Kartoffelbrot:
150g gekochte Salzkartoffeln stampfen oder durch die Kartoffelpresse drücken
in einer Schüssel
300g Weizenmehl (Type 550) mit 1/2 Würfel Hefe, 1 TL Zucker, 1/4 TL Salz, 2 EL Olivenöl zusammen mit den Kartoffeln und ca 100 ml lauwarmem Wasser vermischen. Je nach Konsistenz, wenn zu fest oder bröselig - noch Wasser zugeben. Den Teig kneten, sodass eine weiche Masse entsteht. Ggf Mehl zugeben, wenn zu weich.
Den Teig gut 10 min kneten, dann abdecken und ca 1h gehen lassen.
Danach den Teig mit einem Teigschaber aus der Schüssel in eine vorbereitete Kastenform (Backpapier) gleiten lassen. Den Teig wieder zudecken und ca 2-3h gehen lassen, bis das Brot deutlich an Volumen zugenommen hat. Abdeckung abnehmen.
Das Brot im vorgeheizten Ofen (200°) ca 45-50 min backen.
wasserfeste Wasserschüssel in den Ofen stellen




Brot für Babys muss gefahrenfrei kaubar und schluckbar sein. Es sollte nicht zu pappig und nicht zu krümelig sein und auf jeden Fall keinerlei Zutaten enthalten, welche direkt gefährlich werden könnten, weil sie beim Kauen und Schlucken Probleme verursachen könnten.
Die Rinde ggf vorerst wegschneiden und ggf separat, zum Benagen (wegen der Zahngesundheit aber nur im Rahmen einer Mahlzeit und zeitlich begrenzt) anbieten.

Aufs Brot kannst du vorerst schlicht Butter streichen. Auch Nussmuse oder zerdrückte Avocado sind beliebt.
Zum Kennenlernen ist es gut, schlicht Brot anzubieten.
Zuerst in fingerlange Stücke/Streifen geschnitten und später (ab Beherrschung von Pinzettengriff) in Stückchen.

Anstatt Brot sind für die ersten "Brot"versuche auch Brötchen sehr schön. Sie liegen gut in der Hand, können von allen Seiten benagt werden und beschäftigen das Baby.

Minibrötchen:
250g Mehl (Type 405 , ggf anteilig Vollkornmehl) oder Dinkelmehl, auch möglich etwa 1/5 vom Mehl durch Haferflocken ersetzen)
125 ml Milch (oder: 120 ml Wasser + 20g Butter)
2 TL Zucker/Honig
3 g Salz
1/4 Würfel frische Hefe oder 1/2 P Trockenhefe
aus den Zutaten einen Hefeteig kneten. Teig abdecken und ca 1h gehen lassen. Teig nochmals kneten und ca 8-10 Teigkugeln formen. Die Teigkugeln auf einer bemehlten Fläche platt drücken und von drei Seiten nach innen falten, um den Brötchen Spannung zu geben. Vorgang 2-3mal wiederholen. Auf ein Backblech (Backpapier) setzen und abdecken. Den Ofen auf 50° stellen. Backblech einschieben. Teig ca 20 -30 min gehen lassen, bis er deutlich größer ist. Die Oberflächen mit Wasser bepinseln, Den Ofen auf 200° hochheizen und die Brötchen ca 15 -20 min backen, bis fertig.
Du kannst die fertigen (und abgekühlten, aufgeschnittenen) Brötchen einfrieren und bei Bedarf aus dem TK holen. Wenn es schnell gehen muss, einfach kurz in den Toaster geben.

Also dann
viel Spaß
Grüße
Birgit Neumann

von Birgit Neumann am 05.10.2021

Antwort auf:

Spezielles Brot?

Klasse, vielen herzlichen Dank für die vielen Rezepte!

Da werde ich mich mal austoben und ausprobieren :))

Ich mache in das normale Brot sonst immer noch eine Menge Kerne und Saaten rein. Aber ich wollte schon immer mal selber ein Kartoffelbrot machen, das probiere ich gleich morgen aus!

Dankeschön und liebe Grüße

von Juji am 06.10.2021

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