Birgit Neumann

Birgit Neumann

Dipl. Ökotrophologin

Birgit Neumann studierte Ökotrophologie mit dem Schwerpunkt Ausbildung und Beratung und schloss ihr Studium mit dem Titel Diplom Ökotrophologin (Dipl.oec.troph.) ab. Seit dem Studium ist sie als Ernährungs­beraterin und Kursleiterin tätig. Mit regelmäßigen Fortbildungen hält sie ihr Wissen zur Baby- und Kinder­ernährung auf dem aktuellen Stand.

Birgit Neumann

Rezepte für Familientisch

Antwort von Birgit Neumann

Frage:

Ich möchte meine Kleine, 12 Mon., nun mehr und mehr mitessen lassen. Aber nicht alles, was ich esse, passt für Mauserl....wie mache ich das mit Fleisch? Das kann sie ja noch nicht kauen...

Hättest Du ein paar Fleischrezepte, gern mit und ohne Soße, die alle essen können?
Und gern auch noch paar andere Basic-Gerichte, die für den Anfang passen?

Mauserl schiebt feste Nahrung noch oft mit der Zunge raus, sogar gestern Stücke vom Maisflip. Ist das mit einem Jahr noch normal?

von Mondfee85 am 19.07.2021, 10:32 Uhr

 

Antwort auf:

Rezepte für Familientisch

Hallo Mondfee85
wenn deine Tochter Stücke mit der Zunge wieder herausschiebt, dann hat das verschiedene Gründe. Entweder ihr gefällt die Mundfüllung nicht aufgrund des massigen Volumens, was sie als ;Momentaufnahme überfordert. Oder ihr gefällt das Mundgefühl nicht, weil es neu und anders, noch unbekannt ist. Oder sie ist einfach satt und kann und mag nichts im Mund haben, was Geschmack hat, oder oder.
Und so ein Stückchen Maisflip klebt im Mund vielleicht, was sich evtl leicht bedrohlich anfühlen könnte.
Damit sich Kinder an solch neuartige Mundgefühle annähern können, um diese langfristig zu dulden, zu (er)kennen, zu mögen, genau dafür sind sich wiederholende Kontakte mit den verschieden(st)en Nahrungsmitteln notwendig. Es gibt Nahrungsmittel, welche Kinder meistens und sofort auf Anhieb mögen und essen. Aber es gibt auch Speisen, welche ganz oft und wiederholt gesehen, befühlt und gefühlt werden müssen, damit sie im Mundraum akzeptiert werden. Und auch die Akzeptanz im Mundraum heißt noch lange nicht, dass es gekaut und geschluckt würde. Verstehst du?
Betsimmt kennst du die Texte von mir hier im Forum, in welchen die Mechanismen mehr oder weniger deutlich beschrieben sind. Ich kopiere dir die Sätze noch einmal kurz hier hin:
"Der Mund ist quasi eine Eintrittspforte für Essen. Im Mund wird das Essen geprüft. Geprüft hinsichtlich der wahrnehmbaren Eingeschaften. Geschmack, Mundgefühl, Temperatur,. Und zwar mit den Geschmacksknospen und dem Tastsinn im Mundraum - was gefällt, das wird auch geschluckt. Alle Kinder mögen eine weiche, samtige Textur. Sie mögen lauwarm und süß. Diese Speisen wie bspw ein Grießbrei oder Haferbrei sind darum eine ideale Kost für Essanfänger. Damit dein Kind aber auch lernt andere Konsistenzen und Aromen, andere Temperaturen, anderen Geschmack zu mögen und zu akzeptieren, sollte sie andere Speisen mit vielen weiteren Eigenschaften (fester, knuspriger, kalt, rauh) in den Mund nehmen können und bewerten. Bei Nichtgefallen wird die Speise ausgespuckt. Aber: beim nächsten Mal gefällt die Speise häufig schon viel besser - es sind sogar bis zu 10 dieser Kontakte nötig, um Kinder an Neues zu gewöhnen. Bereits kleine Mengen von neuen Speisen sind für den Anfang aber schon ganz prima."
Besonders beliebt sind auch solche Geschmackseindrücke, welche deine Tochter bereits aus Schwangerschaft und Stillzeit kennt. Sie erkennt den Geschmack wieder und wird diese Speisen besonders mögen.
Was isst du besonders gerne? Was sind typische Gewürze?
Die Familienkost. welche du im Besonderen und häufig gegessen hast und isst, diese wird deine Tochter vermutlich besonders gut und schnell akzpetieren. Aber lass sie diese Speisen vorher möglichst ausgiebig befühlen. Lass sie die Speisen selbständig mikt den Fingern aufpicken.
Die meisten Speisen deiner bevorzugten Speisenpalette kann deine Tochter bestimmt mit essen. Du kannst manches zur Not pürieren, damit es gefahrenfrei gegessen werden kann.
Hier sind noch ein paar Rezeptinspirationen. Besonders sinnvoll ist es, wenn du diese Rezepte als Inspiration und Anregung nimmst, um diese wiederum so zu verändern, dass sie euch allen schmecken und ihr euch damit identifizieren könnt. Denn nur wenn euch die Speisen schmecken, wenn ihr davon überzeugt seid und diese Haltung beim Essen habt, kann euch eure Tochter durch eure vorgelebte Authentizität nachahmen.

Gulasch für Sosse
Ca 500g Rindergulasch (oder gemischt) oder Rinderbraten
2 Zwiebeln (geschält und halbiert)
2 Knoblauchzehen (geschält und halbiert)
2 Lorbeerblätter
3 Wacholderbeeren
Fleischbrühe (ca 3/4l so viel dass alles gut bedeckt wird)
2 Tomaten frisch (geviertelt)
1/2 Möhre (in 3 Teile zerteilt)
1 rote Paprika (mittelgroße Stücke)
Zuerst das Fleisch (salzen, pfeffern) von allen Seiten scharf (in geeignetem Öl) anbraten. Aus dem Topf nehmen.
Salz, Pfeffer, Zucker, Paprikapuolver edelsüß
Im Sud die Zwiebeln anbraten, zusammen mit Möhren, Tomaten, Lorbeerblatt, Wacholderbeeren und Knoblauch. Mit Wasser/Fleischbrühe ablöschen. Fleisch wieder zugeben. Würzen (evtl Brühwürfel oder Rinderfond zugeben). Das Ganze über 2 h (je nach Stückchengröße ca auch 1,5 h) auf dem Herd köcheln lassen, mit Tomatenmark abschmecken.

Für die Sosse, Fleisch raus nehmen und den Rest durch ein feinmaschiges Küchensieb streichen. Die Sosse bekommt so eine gute Konsistenz und schmeckt sehr lecker. Wenn nötig nochmals abschmecken. Zum Schluß, wenn gewünscht, zusammen mit dem Fleisch, kleingewürfelte Paprika zur Sosse hineingeben, die nur kurz mitgaren müssen, kurz aufkochen.
Die Sosse kannst du portionsweise einfrieren und zu Nudeln jederzeit servieren. Das Fleisch ist so weich, dass auch Essanfänger problemlos mitessen können.

Rouladen:
3 Stück (groß) bzw 6 Stück (klein) Rinderrouladen
1/4 Stange Lauch, in Ringen
1/3 Stück Zucchini
1 dicke Möhre
1 große Zwiebel
2 große Zehen Knoblauch
3 Lorbeerblätter
3 Wacholderbeeren
1 EL Petersilie frisch
1 große Tomate
1,5 Brühwürfel Rinderbrühe (bio)
800 ml Wasser
50 ml Sahne
Sossenbinder dunkel bzw Mehl

zum Füllen:
3 bzw 6 (kleine) saure Gurken
1 Zwiebel (in Achteln)
Senf
Tomatenmark
Salz, Pfeffer
Lebensmittelechter Faden oder Stäbchen

die einzelnen Scheiben mit Salz, Pfeffer, Paprikapulver, Zucker bestreuen und mit Senf und Tomatenmark bestreichen. 1-2/8 Stück Zwiebel und eine Cornichon oder halbierte/geviertelte saure Gurke am breiteren äusseren Scheibenende einegen. Die Roulade wickeln: die Zwiebel/Gurken- Füllung wird mit den Rändern eingeschlagen und das Fleisch mit den zusammen geklappten Rändern einfach aufgerollt. Die gerollte Roulade nun mit Spießen oder einem Faden gut verschliessen – so dass sie beim Braten und Wenden gut zusammen hält.
In reichlich Fett von allen Seiten rundum gut anbraten. Gemüse zugeben und mit anbraten, bis das Gemüse (bei kleiner Flamme dünsten) einiger,aßen weich ist. Dann mit Fleischbrühe (Wasser und Brühwürfel) auffüllen und aufkochen lassen. Bei kleiner Flamme mind. 1 h köcheln lassen.

Frische Tomatensosse:
4 Tomaten waschen, Butzen entfernen, kleinschneiden. In einem Topf mit mitteldickem Boden, mit frischem Basilikum und Olivenöl, etwas Wasser die Tomaten so lange dünsten, bis sie gut weich sind. Salz, Zucker dazu, Tomaten gut verrühren und zerdrücken.
Die Sosse nach dem Abschmecken entweder so servieren - oder die Sosse durch ein feines Küchensieb streichen, um Kerne und Tomatenhaut zu entfernen. Die Sosse wird sämig, enthält einen Hauch an Basilikumaroma und passt zu Nudeln, Gnocchi.
Wenn du noch geraspelte Möhre mit kochst, wird die Sosse milder.

dazu kleingerupfte (geschnittene) Frikadelle:
500g Hack mit 1 verquirltem Ei vermischen
würzen mit: 1/4 TL Zucker, 1/4 TL Salz, Prise Pfeffer, 1/2 EL getrocknete italienische Kräuter untermischen, Mit heißem Wasser übergossenen Semmelbrösel zugeben und vermischen - soviel Semmelbrösel zugeben, bis die Konsistenz der Hackmasse gut formbar wird.
Aus der Masse Frikadellen formen.
In wenig, aber ausreichend Öl, in einer beschichteten Pfanne braten.
Du kannst die geformten Bratlinge auch einfrieren.


Spaghetti Bolognese
Bolognesesosse
1 kleine Zwiebel fein würfeln, 1 Knoblauchzehe gepresst. Noch dazu 1 geraspelte Möhre richten. Nach Belieben auch fein geriebenen Sellerie (Menge wie die Möhre)
Gemüse in 1 EL Olivenöl ca 10-15 min dünsten.
300g gemischtes Hack und 1 weiteren Olivenöl zugeben, anbraten.
Salz, Pfeffer, Zucker, Oregano (frisch oder getrocknet, Basilikum (frisch oder getrocknet) zugeben und durchbraten, bis das Gemüse weich und das Fleisch gar ist.
Dann mit ca 400g Tomaten aus der Dose/Tetrapack (stückig oder zerkleinert) auffüllen, aufkochen. Abschmecken, nachwürzen und ggf Tomatenmark zugeben, bis es gut schmeckt.
Die Sosse ca 30 min köcheln lassen.
dazu klein geschnittene Spagetti
oder:
Wenn du mehr Sosse zubereitet hast, kannst du daraus Lasagne backen.

Fleisch darfst du zerkleinert anbieten. Hackfleisch kannst du noch einmal im Multizerkleinerer zerkleinern, um eine noch feinere Konsistenz zu erhalten. Wähle mageres Rinderhack, ggf Tatar.
Hackfleisch ist, was die Konsistenz betrifft, tatsächlich ideal. Man kann es sehr vielseitig verwenden.
Auch gut geeignet ist Gulasch oder Bratenfleisch, das nach der Zubereitung zerfällt. Hühnchenfleisch kannst du nach dem Zubereiten ebenfalls sehr klein schneiden oder rupfen.
Probiere es ruhig weiterhin mit magerem (Bio-)Hack, das du in verschiedene Gerichte einarbeiten kannst. So wird deiner Tochter den Geschmack und die Konsistenz mögen lernen.


Du kannst diese Gerichte (eure typischen Familiengerichte) in regelmäßigen Abständen, immer und immer wieder auf den Tisch bringen. Je mehr Gelegenheiten sie erhält, um sich daran über längere Zeiträume zu gewöhnen, desto besser wird sie diese akzeptieren.
Grüße
Birgit Neumann

von Birgit Neumann am 20.07.2021

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