Birgit Neumann

Birgit Neumann

Dipl. Ökotrophologin

Birgit Neumann studierte Ökotrophologie mit dem Schwerpunkt Ausbildung und Beratung und schloss ihr Studium mit dem Titel Diplom Ökotrophologin (Dipl.oec.troph.) ab. Seit dem Studium ist sie als Ernährungs­beraterin und Kursleiterin tätig. Mit regelmäßigen Fortbildungen hält sie ihr Wissen zur Baby- und Kinder­ernährung auf dem aktuellen Stand.

Birgit Neumann

Hilfe!

Antwort von Birgit Neumann

Frage:

Hallo,
meine Tochter Eileen wird in ein paar Tagen 9.Monate alt. Sie isst sehr brav und gern und würde am liebsten auch alles mögliche Neue probieren (am liebsten in fester Konsistenz) jetzt hatten wir vor paar Tagen nur leider einen Vorfall, an dem sie fast an einer Baby Biskotte erstickt wäre, musste ihr mit dem Finger die Biskotte herausholen, sie bekam keine Luft mehr .
Seit diesem Vorfall trau ich mich nichtmehr ihr Fingerfood zu geben.
Sie hat zwar noch keine Zähne, beisst aber trotzdem immer riesen Stückchen ab.
Ich bin wie gelähmt in dem Punkt... Weil ich auch oft das Gefühl habe das sie keine Kaubewegungen macht, sondern alles sofort runterschlucken will und dass ist eben bei so großen Stückchen dann oft garnicht so ungefährlich...
Haben Sie vielleicht einen Rat für mich?
Ich fühl mich bei dem Thema Essen lernen, echt nicht mehr sicher.
Danke!
LG Bea

von Bea0411 am 14.01.2020, 09:33 Uhr

 

Antwort auf:

Hilfe!

Hallo Bea0411
Das Verschlucken ist ein Schreckmoment für Mama und Baby. Das Verschlucken kommt aber durchaus vor. Bei BLW-geeigneten (*) Speisen gilt es allerdings als nicht wirklich gefährlich, doch zu Vorsicht wird immer - auch beim Breiessen und später im Kleinkinderalter - geraten. Sicherheit geht immer vor!
Das Verschlucken passiert, wenn die Nahrung versehentlich in den Rachen rutscht. Das kann passieren, bspw bei nicht angemessener Sitzhaltung, bei Müdigkeit oder Ablenkung, und weil das Kauen (Kaubewegungen machen) und Zerdrücken der Nahrung und das Schlucken kleiner Partikel bspw noch besser gelernt (koordiniert) werden muss. Wenn Nahrung versehentlich in den Rachen rutscht, wird ein Hust- oder Würgereiz ausgelöst, um die Nahrung wieder hochzuwürgen, um anschließend am besten von dir (Mama, Papa, andere) aus dem Mund geholt zu werden. Wenn das Hochwürgen nicht ganz reibungslos funktioniert, musst du natürlich sofort eingreifen. Da du das jetzt einmal tatsächlich tun musstest, fühlst du dich verunsichert und ängstlich ob dieser Methhodik.
Darf ich an dieser Stelle einmal kurz nachfragen, ob die Biskotte als tatsächlich babygeeignet galt? Und ob sich dein Baby die Biskotte selbstsändig vom Teller aufgenommen und selbständig in den Mund befördert hat?
Sitzt deine Tochter gut und sicher (Füße sollten Kontakt zu einer Auflage haben) und nach vorne gebeugt in ihrem Stuhl?
Beherrscht sie bereits den Pinzettengriff? Wenn ja, dann kannst du die weichen, babygeeigneten Speisen in kleine Stücke schneiden, damit sie die vorzerkleinerten Stücke selbständig in den Mund befördern und dort mit der Zunge befühlen kann.
Siehe auch einmal hier:
https://www.rund-ums-baby.de/kochen-fuer-kinder/Familienkost-Mittags-wird-verweigert_48089.htm
Hat deine Tochter zuvor (meist) Brei gegessen? Es kann sein, dass sie sich jetzt im Besonderen erst einmal an die festen Konsistenzen im wahrsten Sinne des Wortes herantasten muss. Mit den Händen und der Zunge.
Gib ihr für diese Übergangszeit am besten nur solche festeren Speisen, die sie wirklich gut schlucken kann. Es eignen sich vorerst sehr weiche Konsistenzen oder gröbere Breie, die etwas mehr Kauaufwand erfordern als feinere Breie. Zeige ihr verschiedene Breie, in dem du bspw verschiedene Gemüsesorten oder Obstsorten kochst und einfach grob mit der einer Gabel zerdrückst. So kann sie auch Farbenvielfalt kennenlernen und verschiedene Geschmäcker erleben. Zusätzlich erhält sie Informationen über die Beschaffenheit der Breie. Vielleicht wäre das vorübergehend eine dich versöhnende Methode mit der Beikost, die deiner Tochter trotzdem die Familienkost etwas näher bringt und sich dabei gleichzeitig vom Einheitsbrei wegkommend zu MEHR entfaltet.
Viele Grüße
Birgit Neumann

*
nicht babygeeignet sind:
mikrobiologisch als evtl heikel geltende Speisen wie bspw Ei, Fisch, Fleisch, Sushi, frische Sprossen, ROH-Milch/Rohmilchkäse, Rohwurst. Außerdem: Alkohol, aufputschende und/oder anregende Getränke (Kaffee, Tee, Cola etc). Auch Chili, Pfefferminze, Menthol und Co gelten als nicht geeignet. Im Darm stark stark quellende LM wie größere Mengen Chiasamen, Leinsamen, Haferkleie. Und absolut tabu sind ganze NÜSSE (oder Nussstückchen) aber auch harte rohe Obst/Gemüse(stücke) (Apfel, Möhre, Kohlrabi, etc). Fein gerieben kein Problem . Also keine ganzen oder Stückchen von Nüssen, Kernen, Saaten (häufig bspw in Bot oder Müsli enthalten) geben. Auch keine ganzen sog. prall elastischen LM wie Trauben, Heidelbeeren, Erbsen anbieten, bzw diese vorher unbedingt zerkleinern. Auch keine scharfen Gewürze/Speisen und kein Honig, keine harten LM, keine kleine und gleichzeitig harte LM, keine Schalen oder (Salat-) Blätter und am besten nicht zu häufig Fertigprodukte geben. Sie enthalten häufig zu viel Salz, zu viel Zucker oder sonstige und/oder ggf fragwürdige Inhaltsstoffe, Aromen, zugesetzte Vitamine und Co.
Fällt dir selbst noch etwas ein, was nicht gut geeignet ist?
Merke: erlaubt ist sozusagen das, was du als verantwortungsbewusste Speisenauswahl ansiehst.

babygeeignete Speisen sind weich und im Falle der Nutzung des Pinzettengriffs klein genug, um beim (versehentlichen) Schlucken ohne Kauen keine Probleme zu verursachen. Im Fall der Biskotte sollte sich diese am besten im Speichel auflösen.

von Birgit Neumann am 15.01.2020

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