Birgit Neumann

Birgit Neumann

Dipl. Ökotrophologin

Birgit Neumann studierte Ökotrophologie mit dem Schwerpunkt Ausbildung und Beratung und schloss ihr Studium mit dem Titel Diplom Ökotrophologin (Dipl.oec.troph.) ab. Seit dem Studium ist sie als Ernährungs­beraterin und Kursleiterin tätig. Mit regelmäßigen Fortbildungen hält sie ihr Wissen zur Baby- und Kinder­ernährung auf dem aktuellen Stand.

Birgit Neumann

Fragen zu Ernährung Kleinkind

Antwort von Birgit Neumann

Frage:

Liebe Frau Neumann,

Mein Sohn (13 Monate, 6 Schneidezähne) verweigert seit kurzem seinen Brei und möchte ausschließlich am Familientisch mitessen. Dies ist super, allerdings habe ich kurzfristig ein paar Fragen:

Wie kann ich kleines Gemüse (Erbsen, (Dosen)Bohnen) anbieten? Ich habe Angst vor Verschlucken. Zerdrücken? Oder ist am Stück in diesem Alter schon ok?

Ab wann kann ich härteres Obst (Apfel etc.) anbieten ohne es zu kochen?
Kann ich weiches Obst (Pfirsich) mit Schale geben oder besser schälen?

Mein Mann und ich sind Vegetarier, mein Sohn bekommt aber Fleisch. Kann er dennoch ab und an auch Fleischersatzprodukte (Weizen-/ Sojabasis) probieren oder lassen wir das lieber?

Vielen herzlichen Dank für die Beantwortung meiner Fragen!

von Krümeli am 16.03.2020, 09:52 Uhr

 

Antwort auf:

Fragen zu Ernährung Kleinkind

Hallo Krümeli
es ist ganz prima, dass euer Sohn jetzt diesen Schritt macht. Zur Familienkost braucht dein Sohn noch ausreichend Milch: entweder stillst du nach Bedarf oder gibst Pre-Milch (aus der Tasse) oder 300 ml Kuhmilch.
Achte bei den Mahlzeiten darauf, dass dein Kind die angebotenen Speisen selbständig essen kann und biete ihm dafür die nötigen Anreize.So dass er mit Neugier freudig zugreifen kann und verschiedene Lernerfahrungen machen kann.
Beginne morgens mit kleingeschnittenen Butterbrothappen zum Aufpicken und in den Mund nehmen. Bringe eine Routine in euren Speisenplan.
Die Überleitung von Milch und Brei zum richtigen Essen klappt gut, wenn sich Kinder über eine längere Zeitraäume an neue Speisen in kleinen Mengen gewöhnen. Das Gewöhnen klappt besonders gut durch das Nachahmen der anderen Mitesser bei Tisch. Esst gemeinsam leckere, kleinkindergeeignte Speisen.
Bringe einen Mix aus weichen Speisen, die dein Kind gut und schnell kauen und schlucken kann und kombiniere diese einfache Kost mit festeren Elementen,welche etwas mehr Kaausfwand erfordern und trotzdem ungefährlich sind.
Finde Kompromisse im täglichen Speisenangebot, die deinem Kind ermöglichen unkompliziert und ausreichend zu essen und fordere dein Kind, so dass er stetig dazulernen und Neues entdecken kann.
Erbsen und andere kleine, runde Dinge kannst du vorher platt drücken. Obst ggf schälen wenn du unsicher bist.
Bspp für Obstsnacks:
fein geriebener, geschälter Apfel oder gekochter Apfel. Roh ist Apfel zu hart. Fein gerieben ist er okay, gekocht ebenso.
Banane in Scheiben oder am Stück, auch zerdrückt sit wunderbar geeignet. Birne, wenn weich ist ideales Fingerfood.
Pfirsich und Nektarinen ohne Haut sind super geeignet. Zum Schälen einfach kurz heiß überbrühen.
Trauben geviertelt und ohne Kerne sind möglich.
Melone ggf auch Papaya oder (Bio-)Mango, sowie zerdrückte Heidelbeeren, Avocado oder Kiwi ist möglich.
Erdbeeren oder andere Beerenfrüchte...die Kernchen von Him- bzw Brombeeren evtl vorher entfernen - einfach durch ein Sieb streichen, Sharonfrüchte...
Wie gut dein Sohn mit den verschiedenen Speisen zurecht kommt, das musst du einfach mal beobachten. Weich und ungefährlich schluckbar - daran kannst du dich orientieren.
Lass deinen Sohn eure vegetarischen Speisen mit essen. Esst am besten häufiger echte vegetarische Alternativen. Selbstgemacht aus Hülsenfrüchten, Vollkorngetreiden, viel Gemüse u.a.
Das was euer Sohn jetzt als Kleinkind lieben lernt, das wird ihn sein Leben lang begleiten. Das werden die Speisen sein, die er auch im späteren Leben favorisiert. Aus diesem Grund sollte euer Kind ganz besonders häufig selbst gekochte Speisen bekommen. Frei von künstlichen Aromen. Fleischersatzprodukte sind perfekt, wenn ihr diese selbst aus frischen Zutaten zubereitet.
Bspw:
Kartoffel-Hirse-Bratling
50g Hirse in 200 ml Gemüsebrühe in ca 15 min weich kochen.
400g Salzkartoffeln kochen.
Das Wasser von den gekochten Kartoffeln abgießen.
Die Kartoffeln stampfen. Die gekochte Hirse dazugeben. Würzen mit Salz, Paprika und einem Hauch Curry.
ca 6 EL Haferflocken darunter mischen und alles gut vermischen, bis ein fester Teig entsteht. Den Teig ca 1/2 h quellen lassen.
Danach die Bratlinge (flach) formen und in Semmelbröseln wälzen. Je nach Gefallen und Festigkeit des Teiges kann man auch Semmelbrösel in den Teig geben.
Die geformten Bratlinge in ausreichend Öl von beiden Seiten leicht angaren und hellbraun leicht anbraten.


Kartoffelwaffeln
450g Kartoffeln
1Zwiebel
3 Eier
1 TL Salz
2 EL saure Sahne
75g Mehl
Kartoffeln schälen, waschen, fein reiben. Zwiebel schälen, fein würfeln.
Alle Zutaten vermischen, Mehl zuletzt unterrühren.
Waffeln backen.


Süßkartoffelbratlinge
150g Süßkartoffel
1 mittelgroße Zwiebel
2 TL getrocknete Petersilie
1 EL Margarine/Öl
Salz
Öl
50g Haferflocken, zerkleinert
Zwiebl fein schneiden, in der Margarine weich dünsten. Die Süßkartoffel dämpfen, mit der Gabel zerdrücken. Zwiebel und Gewürze untermischen, Hafer dazu geben. Ca 20 min quellen lassen.
Aus der Masse kleine Patties formen. Mit feuchten Händen, anschließend in Semmelbröseln wälzen, in Öl knusprig braten


Hafer-Bananen-Cookies:
1 große, reife, gelbe Banane (oder Apfelmus)
ca 100-120g feine Haferflocken
viel weniger als 1 Msp Bourbonvanille
zerkleiner die Haferflocken in einem Blitzhacker zu "Mehl". Zermuse oder püriere die Banane, vermische sie mit der Vanille.
Gib das Hafermehl dazu und bereite aus allen Zutaten einen Brei
Heize den Ofen auf 175° hoch und bereite ein Backblech mit Backpapier vor. Mit Hilfe von 2 TL und deinen Händen kannst du jetzt aus dem Teig kleine Kekse formen, etwas flach drücken und ca 10-12, ggf länger, im Ofen backen. Anschliessend auf einem Kuchengitter auskühlen lassen.
Diese Kekse sind bei vielen Müttern beliebt. Ggf musst du etwas experimentieren, bis du nach dem Backen die richtige Konsistenz erhältst.

Hier sind allgemeine Infos zur vegetarischen Ernährung (bei Kindern) :
https://www.rund-ums-baby.de/experten/kochen-fuer-kinder/Vegetarische-Ernaehrung_45589.htm
Also dann
frag gerne noch einmal einzeln nach, wenn du bei einigen Punkten gerne noch etwas detialliertere Infos möchtest.
Grüße
Birgit Neumann

P.S.
Idealerweise gestaltet sich die Ernährung mit Beginn der Familienkostphase ab dem 10. Lm etwa so:
morgens:
Butterbrotstückchen und Milch, Beilagen
neu ist jetzt, dass der Start in den Tag mit einer Beilage zur Milch (Mumi oder Säuglingsmilch) begonnen werden kann/sollte. Ideal ist dazu ein kohlenhydrathaltiger Zusatz in Form von Getreide im Brot oder Getreide als Müsli.
Es geht auch darum, dass du dein Kind langsam an eine 1. Mahlzeit am Tag, an ein Frühstück, am Tisch sitzend, gewöhnst. Morgens ist die Bereitschaft zum Kauen noch hoch. Kauen ist wichtig für die Ausbildung einer kräftigen Kaumuskulatur.
ZMZ: Brot oder Obst (dazu oder nur stillen - das geht immer)
je nach dem wie lange die Zeitspanne bis zum Mittagessen ist, kann eine Zwischenmahlzeit sinnvoll sein. Hier gibt es entweder etwas Obst oder je nach dem evtl auch noch einmal etwas Brot.
Mittagessen:
gewohnter Brei, dazu Mittagessen - entweder sehr basic in Anlehnung an die üblichen Breie (alle Zutaten separat, breiig oder stückig, oder bereits bekannte einfache Gerichte wie Nudeln mit Sosse, Pizza etc und/oder Familienkost
neu ist jetzt, dass neben dem üblichen Brei und bekanntem Fingerfood auch schon Familienkost, vermehrt stückige Nahrung und das selbständige Essen, das Erlebnis ganz besonders im Vordergrund der Mahlzeit stehen.
Nachmittag/ZMZ:
Obst oder Getreidestängelchen o.ä., ggf Kuchen, Babykekse, Muffins, Waffeln etc
nachmittags ist ein Energienachschub durch Kohlenhydrate (Obst und/oder Getreide) erwünscht
Abends:
Brot und Milch oder Nudeln, ggf gewohnter Brei
die Kombination aus Getreide mit Milch fördert den guten Nachtschlaf.
dazu Obst/Gemüse ggf erste geeignete (feine) Rohkost

P.P.S.
Säuglingsmilch kannst du durch Kuhmilch tauschen und davon etwa 300 ml anbieten. Alternativ kannst du Kuhmilchprodukte geben. 100 ml Kuhmilch entsprechen ca 100g Naturjogurt (hinsichtlich Eiweiß-und Calciumgehalt), ca 15 g Schnittkäse wie Gouda, Edamer (= ca 1/2 Scheibe) oder 30 g Weichkäse (pasteurisierter Brie etc) und ca 30-40g Frischkäse oder 100 ml Buttermilch. Diese Produkte ersetzen je 100 ml Kuhtrinkmilch
Stillen kannst du ansonsten nach Bedarf.

P.P.P.S.
Je besser ein Kind in die Essgemeinschaft integriert ist, desto besser.
Eines möchte ich noch kurz anfügen; bei Tisch braucht dein Sohn einen guten und festen Sitz (Halt) in seinem Hochstuhl und die Füße müssen einen Kontakt zu einer Unterlage haben. Der Abstand zwischen Stuhl und Tisch sollte ebenfalls gut passen. Nur so kann er sich auch wirklich gut und ausdauernd mit dem Essen beschäftigen und lernen einfach mitzuessen.

von Birgit Neumann am 16.03.2020





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