Birgit Neumann

Birgit Neumann

Dipl. Ökotrophologin

Birgit Neumann studierte Ökotrophologie mit dem Schwerpunkt Ausbildung und Beratung und schloss ihr Studium mit dem Titel Diplom Ökotrophologin (Dipl.oec.troph.) ab. Seit dem Studium ist sie als Ernährungs­beraterin und Kursleiterin tätig. Mit regelmäßigen Fortbildungen hält sie ihr Wissen zur Baby- und Kinder­ernährung auf dem aktuellen Stand.

Birgit Neumann

Fisch und Fleisch einfrieren

Antwort von Birgit Neumann

Frage:

Hallo, darf ich TK Lachs und TK Fisch garen, dann portionieren und wieder einfrieren für mein Baby? Darf ich das auch für Fleisch, das schon mal eingefroren war, tun? Warum soll man das Fleisch nicht schon zusammen mit dem Gemüse-Kartoffel-Brei fertig machen und komplett einfrieren?danke

von Petzi-Bär am 13.07.2012, 09:50 Uhr

 

Antwort auf:

Fisch und Fleisch einfrieren

Hallo Petzi-Bär
du bist sehr motiviert und möchtest gerne sofort mit dem Kochen loslegen. Andererseits hast du noch ein paar Unsicherheiten und bist nun doch etwas zögerlich.
Keine Sorge. Ich beschreibe dir mal ganz allgemein, wie unterschiedliche Ratschläge zustande kommen.
Es ist bei der Babykost vieles erlaubt, manches ist besonders empfehlenswert und einige Dinge sollte man besser sein lassen.
Die gängigen Empfehlungen für die Beikost formuliert das Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) mit Sitz in Dortmund. (www.fke-do.de). Hier läuft die sog. DONALD-Studie (DOrtmund Nutritional and Anthropometric Longitudinally Designed Study). Es werden Zusammenhänge zwischen Ernährung, Wachstum und Stoffwechsel von Kindern und Jugendlichen untersucht, mit dem Ziel Wachstum und Entwicklung durch Ernährung zu fördern und möglichst positiv zu beeinflussen. Die Ernährungsempfehlungen basieren auf den erhobenen Daten und Fakten der Ernährungswissenschaft.


Neu ist die Informationsplattform:
http://www.gesundinsleben.de/fuer-familien/
Hier hast du noch einmal eine Zusammenfassung der Empfehlungen in vereinfachter Darstellung. Hier findest du die gängigen Ratschläge für Beikost, wie sie in Deutschland momentan gelten.
Zitat:
"Das Netzwerk „Gesund ins Leben“ vereint die führenden Institutionen, Fachgesellschaften und Verbände zur praxisnahen Unterstützung junger Familien. Im Mittelpunkt stehen einheitliche, verständliche und leicht umsetzbare Empfehlungen zur Ernährung und Allergievorbeugung."


Ernährungsempfehlungen müssen trotzdem immer individuell überprüft und angepasst werden. Exakt angepasste und damit ideale Empfehlungen gibt es nur für Max Mustermann bzw für den "Durchschnittsbürger/Durchschnittskind" bzw für bestimmte Ernährungsgruppen.
Viele Babys essen so, wie die Empfehlungen lauten. Manche Babys essen überdurchschnittlich große Mengen, wohingegen manche Babys nur sehr kleine Portionen benötigen, um satt zu sein. Manche Babys essen alles und das völlig problemlos. Manche Babys essen nur sehr zögerlich und manche vertragen nicht alles, reagieren ggf mit Spucken, Unwohlsein, wundem Po, Bauchweh...
Und das ist alles so in Ordnung!! Maßgeblich für eine "gute" Ernährung ist neben den Empfehlungen auch das Wahrnehmen der Signale des Babys.
Werden etwa 190g Brei pro Portion empfohlen, bedeutet das nur dass das Gros der Babys dieses Pensum benötigt um satt zu sein. Wer weniger oder gar mehr schafft - egal - . Für dich als Mutter sind 190g ein ungefährer Richtwert, ab dem du dich orientieren kannst. Auch bildet er eine Bewertungsgrundlage bei evtl auftretenden Wachstums- oder Entwicklungsdefiziten - starke Abweichungen etwa könnten dann interessant sein, für den KiA.

Es gibt verschiedene Bücher zum Thema Beikost, die unterschiedliche Angaben machen, was Verwirrung stiften kann. Bpsw kommt die Autorin Annabel Karmel aus den USA (hier gibt es wieder andere Empfehlungen), weshalb in ihren Büchern andere Rezepte und Zutaten genannt werden, die zu anderen Zeitpunkten (Lebensmonate des Babys) empfohlen werden. Auch haben sich in den letzten 2 Jahren ein paar Empfehlungen in D geändert, so dass Bücher oder Broschüren, die älter als 2-3 Jahre sind, andere Vorschläge beinhalten. Besonders was die Allergieprophylaxe (qauch Gluten), hat sich jüngst vieles geändert. Und auch das Selberkochen erfreut sich immer größerer Beliebtheit, weshalb Babykochbücher boomen. Und neu ist auch, eine Innovation aus GB, das sog. baby-led-weaning-Konzept - die babygesteuerte Beikosteinführung bei Stillbabys (Brei ist out, Fingerfood der Trend).
Empfehlungen sind grobe Richtlinien.
Dass möglichst marktfrische Bioware frisch verarbeitet werden soll, ist eine Empfehlung, kein Muss. Nicht nur die von aussen anhaftenden Schadstoffe, die durch Spritzmittel oder Autoabgase auf die Lebensmittel gelangen, sondern auch Düngemittel etc zählen zu den problematischen Substanzen.
Nnatürlich ist es auch eine Frage des Geldbeutels und der Einstellung, ob man vermehrt Bio kauft oder nicht. Sicher muss nicht alles aus kbA stammen, aber bei manchen LM ist es ratsamer*, auf die ökologisch angebaute Variante zurückzugreifen (Z.B. Trauben und Paprika). Diese beiden Sorten geraten immer wieder in die negativen Schlagzeilen, zumal wenn sie aus Spanien bzw der Türkei importiert werden.
Da Kleinkinder/Kinder wachsen, profitieren sie besonders von schadstoffärmeren Produkten. Fleisch kann bspw Medikamentenrückstände haben. Der kindliche, wachsende Organismus baut Unweltgifte vermehrt ins Körpergewebe ein. Blei wird bei Kindern 5 mal mehr resorbiert als bei Erwachsenen. Der kindliche Organismus reagiert sensibler auf Umweltgifte im Allgemeinen.

Babynahrung (Produkte zur Ernährung von Säuglingen) unterliegt der Diätverordnung und hat damit verbindliche Grenzwerte, betreffs Schadstoffe (Höchstmengen an Pflanzenschutz-, Schädlingsbekämpfungs- und Vorratsschutzmitteln). Sie sind schadstoffarm (weniger Nitrat z.B., evtl weniger Pestizidrückstände). Sie werden ständig kontrolliert um diese Grenzwerte nicht zu überschreiten. In der Diätverordnung ist auch die Kontrolle der mikrobiologischen Beschaffenheit von Säuglingsnahrungen und die Kennzeichnung von Zusatzstoffen vorgeschrieben.
Seit 1. April 1999 müssen laut den EU-Richtlinien in allen Säuglingsnahrungen eine bestimmte Menge an Vitaminen und Mineralstoffen enthalten sein.
Bei den einzelnen Marken gibt es Unterschiede. Zwar unterliegen alle Babyprodukte strengen Richtlinien, nämlich der Diätverordnung (EU-weit, siehe oben), die bestimmte Grenzwerte für bestimmte Stoffe vorgibt etc, dennoch haben die einzelnen Hersteller einen Spielraum innerhalb der Vorgaben, den sie unterschiedlich nutzen.
Manche Firmen mischen z.b. Zucker in die Obstbreimischungen oder haben einen geringeren Fleischanteil, wobei dafür Eisen als Zusatz beigemengt wird. Andere Produkte haben einen Extrazusatz Vitamin C usw.
Auch ist ein bestimmter Vitamin B1-Gehalt für Getreideerzeugnissen (für Babys) vorgeschrieben, wobei auch Baby-Bioprodukte bzw Vollkornprodukte entsprechend angereichert werden müssen. Nur so dürfen sie als Babykost ausgewiesen werden.
Überlege dir, worauf du dein besonderes Augenmerk legst und kaufe entsprechend ein.

Um nun zu deiner eigentlichen Frage zu kommen:
ja, du kannst eingefrorenes Fleisch zubereiten und wieder einfrieren. Fisch besser nicht. Und ja, du kannst auch den GKF-Brei komplett zusammenstellen und vor dem Servieren, d.h. wiedererwärmen lediglich noch Öl und Saft zugeben. Wobei die Saftzugabe eben erst dann empfohlen wird, weil durchs Einfrieren und Wiederwarmmachen das wertvolle Vit C allmählich "zerstört" würde und der Nutzen somit verringert würde.

Ohje, das war jetzt sehr viel Text, der dir aber hoffentlich ein bisschen Klarheit für Handeln verschafft hat :-)
Fazit: Empfehlungen sind als solche zu verstehen. Daran kannst du dich orientieren. Du hast trotzdem Handlungsspielraum.
Grüße
B.Neumann



*http://www.rund-ums-baby.de/ernaehrung/greenpeace_studie.htm

von Birgit Neumann am 14.07.2012

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