Birgit Neumann

Birgit Neumann

Dipl. Ökotrophologin

Birgit Neumann studierte Ökotrophologie mit dem Schwerpunkt Ausbildung und Beratung und schloss ihr Studium mit dem Titel Diplom Ökotrophologin (Dipl.oec.troph.) ab. Seit dem Studium ist sie als Ernährungs­beraterin und Kursleiterin tätig. Mit regelmäßigen Fortbildungen hält sie ihr Wissen zur Baby- und Kinder­ernährung auf dem aktuellen Stand.

Birgit Neumann

Ernährung im 2. Lebensjahr

Antwort von Birgit Neumann

Frage:

Guten Tag

Man findet so viele Infos zur Ernährung im 1. LJ, aber nun, im 2. LJ, fühle ich mich etwas verloren ;-)

1) Gibt es irgendwo eine seriöse Übersicht mit Limiten und nach wie vor ungeeigneten Lebensmitteln?

2) Wie sollte das Verhältnis der verschiedenen Nahrungsmittelgruppen so UNGEFÄHR sein?

3) Gilt das immer noch, dass Öle wie Rapsöl Ölen wue Olivenöl vorzuziehen sind?

Vielen lieben Dank schon mal!!

von Rahel@12 am 06.04.2021, 13:19 Uhr

 

Antwort auf:

Ernährung im 2. Lebensjahr

Hallo Rahel@12
ja, das gibt es natürlich auch. Die Empfehlungen unterscheiden sich jedoch kaum von den üblichen Empfehlungen für größere Kinder, Jugendliche oder Erwachsene. Konkret benannte Unterschiede liegen hauptsächlich bei der Milch. Hier wird ganz klar geraten: 300 ml Kuhmilch sind eine gute Orientierungsbasis im 2. Lebensjahr und ca 330-350 ml im 3. Lebensjahr. Diese Menge sollten Eltern im Blick behalten. Es sollte hier über längere Zeiträume weder zu viel noch zu wenig sein.
Mengenempfehlungen für die Kleinkinderernährung werden ansonsten gerne in Portionseinheiten angegeben und weniger konkret formuliert.
Denn das hilft Kindern und Eltern dabei, bedürfnisorientierter zu handeln.
Dein Kind darf jetzt ganz viel neue Speisen und Familienspeisen entdecken und du darfst dein Kind hierbei bedürfnisorientiert begleiten und in diesem Prozess individuell unterstützen. Als Eltern darfst du vorgeben was auf den Tisch kommt und dein Kind darf so viel oder so wenig essen wie es davon möchte. Zusätzlich gibt es die Milch.
Gerade in dieser ersten Zeit der Umstellung auf die Familienkost darfst du den Fokus auf Vielfalt und Entdeckerfreuden legen und solltest nicht zu stark auf Zahlen fixiert sein.
Mengenangaben dienen natürlich trotzdem als Orientierung und helfen Eltern bei der Erstellung von Wochenplänen. Sie erleichtern auch die Auswahl für ein angemessenes und vollwertiges Angebot. Und sie helfen Eltern dabei, um eine realistische Vorstellung über Portionsgrößen und Essmengen zu bekommen.
Ich vesuche dir einmal, einen Überblick zu skizzieren.
Konkret genannte Zahlen können als eine grobe Orientierungshilfe dienen.
Die Basis ist die sog. Mischkost. Es ist das, was ihr als Familie gewöhnlich esst. Denn bestimmt esst ihr selbst vollwertig und ausgewogen.
Die Mischkost enthält alle Nährstoffgruppen. Oder esst ihr vegetarisch, vegan? Sehr schön werden diese Gruppen einschließlich ihrer Mengenverteilungen in der sog. Ernährungspyramide, aber auch im sog. Ernährungskreis dargestellt,
Kennst du diese Darstelllungen?
Kreis:
Hier werden die unterschiedlichen Lebensmittelgruppen (Getreide, Milchprodukte, Fleisch, Obst und Gemüse etc) in unterschiedlich großen Segmenten gezeigt und verdeutlichen dadurch den ungefähren Anteil in der täglichen Ernährung.

Pyramide.
hier stehen die Lebensmittelgruppen zu einer Pyramide aufgetürmt.
Die mengenmäßig größte zu verzehrende Gruppe bildet die Basis. Zur Spitze hin wird der Anteil der täglich zu verzehrenden Menge kleiner. Ganz oben sind hier Fette bzw Süßigkeiten und Knabbereien.
ganz ausführliche Infos zur Pyramide findest du hier:
https://www.ble-medienservice.de/files/downloads/3712_2014_ernaehrungspyramide_interaktive_tafelbilder-7214281.pdf
https://www.rund-ums-baby.de/experten/kochen-fuer-kinder/Essen-2-5-jaehriges-Kind_49365.htm

Ganz allgemein geschildert sollte das tägliche Essensangebot bestehen aus:
Reichlich Getreideprodukten wie Brot, Nudeln, Reis etc
reichlich Obst und Gemüse,
gefolgt von Milch- und Milchprodukten
Fleisch, Fisch
sichtbare und zusätzlich verwendete hochwertige Fette und Öle
am kleinsten sollte der Anteil Süßigkeiten sein

Ich gebe dir einmal eine Übersicht über tägliche Essmengen, die für Kleinkinder (1-2 Jahre) in etwa gut passen.

täglich etwa
80g Getreide/Brot bzw Nudeln, Reis u. a. Getreidebeilagen/120g Kartoffeln
120g Gemüse
120g Obst
300ml Milch, Milchprodukte
30g Fleisch/Wurst
1-2 Eier pro Woche
25g Fisch pro Woche
15g Streichfett/Öl
geduldet sind ca 10% Süßigkeiten am Gesamtanteil der zugeführten Energiemenge*
(*tägl Energiemenge ca 950 kcal)
Quelle: FKE, DO, 2010

Es ist gut und okay, wenn du dich an den üblichen Empfehlungen orientierst, aber es ist nicht notwendig, dass du die Essmengen deines gesunden Kindes täglich kontrollierst. Die Mengenangaben können auf eine Woche hochgerechnet werden. Manchmal essen Kinder an einem Tag viel und am anderen Tag wieder weniger. Im Mittelmaß bleiben die Mengen in etwa gleich. Auch Wachstumsschübe sind charakterisiert durch: "Hunger"!!

100 ml Kuhmilch kannst du wie folgt ersetzen:
- ca 100g Naturjogurt,
- ca 15 g Schnittkäse wie Gouda, Edamer (= ca 1/2 Scheibe)
- oder 30 g Weichkäse (pasteurisierter Brie etc)
- oder ca 30-40g Frischkäse

Lass dein Kind jetzt einfach querbeet alle geeigneten und leckeren Speisen mitessen. Lass dein Kind das Essen mit allen Sinnen erleben. Wecke die Entdeckerlust. Lass dein Kind Freude am Essen haben und kontrolliere nicht.
Richte ein passendes Angebot für alle am Familientisch und lass dein KInd neue Speisen entdecken. Fordere und fördere dein Kind und begleite es angemessen in seiner Entwicklung. Es ist alles erlaubt, was nicht schadet.
Also dann
hilft dir das weiter?
Grüße
Birgit Neumann

von Birgit Neumann am 07.04.2021

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