Birgit Neumann

Birgit Neumann

Dipl. Ökotrophologin

Birgit Neumann studierte Ökotrophologie mit dem Schwerpunkt Ausbildung und Beratung und schloss ihr Studium mit dem Titel Diplom Ökotrophologin (Dipl.oec.troph.) ab. Seit dem Studium ist sie als Ernährungs­beraterin und Kursleiterin tätig. Mit regelmäßigen Fortbildungen hält sie ihr Wissen zur Baby- und Kinder­ernährung auf dem aktuellen Stand.

Birgit Neumann

Einseitige Ernährung

Antwort von Birgit Neumann

Frage:

Hallo Frau Neumann , mein Sohn 19 Monate ist prinzipiell ein guter Esser , jedoch isst er nur recht einseitig . Immer wenn ich ihm etwas ,, Neues ,, anbiete oder auch mehrere Versuche spuckt er es wieder aus . Ich mache mir Sorgen ob er so alle wichtigen Nährstoffe erhalten kann . Haben sie hierfür Tipps bitte . Liebe Grüße

von Andreamarbi am 21.07.2022, 23:18 Uhr

 

Antwort auf:

Einseitige Ernährung

Hallo Andreamarbi
Kinder haben immer wieder Phasen, in denen sie besondere oder ganz spezielle Essvorlieben und Abneigungen haben. Das ist alles völlig normal. Die von dir als einseitig bzw monoton empfundene Kost ist darum völlig okay.
Sofern dein gesundes Kind ansonsten lebhaft und (meistens) fröhlich ist und prinzipiell isst, aus einem vielgestaltigen, vollwertigen und passenden und ausreichenden Angebot (regelmäßig) wählen und essen/Milch trinken kann, erhält dein Kind normalerweise alle Nährstoffe. Oder hast du irgendwo Bedenken?
Als Eltern könnt ihr einfach immer wieder ein passendes Angebot machen und abwarten.
Das zu essen, was Kinder kennen und was ihnen schmeckt, das gibt ihnen Sicherheit, und vermittelt ihnen Geborgenheit. Das ist einfach so. Kennst du den Begriff dafür? Die sog. Neophobie? Es ist die angeborene (und evolutionär begründete) Furcht oder anders gesagt, ein Schutzmechanismus vor dem neuen und ihnen bis dato noch unbekannten Essen.
Die Neophobie wird am besten überwunden, wenn Kinder viele Gelegenheiten haben andere essende Personen zu beobachten. Durch den vorhandenen Nachahmungsinstinkt werden sie neugierig und wollen und können das gleiche essen und sie probieren kleine Mengen von den Speisen, die andere Esser "voressen".
Je aktiver ein Kind in eine Tischgemeinschaft integriert ist, je selbstverständlicher das gemeinsame Essen ist, desto besser. Habt Spaß bei Tisch, esst leckeres Essen, esst gemeinsam, esst regelmäßig, haltet die Atmosphäre bei Tisch gut, deckt den Tisch hübsch ein und nehmt euch Zeit.
Biete eine immer wiederkehrende und verlässliche Basis an vertrauten und gemochten Speisen und lass ihn Neues in kleinen Mengen und langsam, in seinem Tempo, selbständig mit allen Sinnen erleben und kennen lernen.
Dein Sohn sollte dazu möglichst viele verschiedene und vielfältige Esseindrücke sammeln können - ungezwungen und auf spielerische Art. Und probieren ist überall erlaubt, wo sich die Gelegenheit bietet. Häufig ist es gar nicht der Esstisch, sondern andernorts und in ganz unerwarteten Momenten.
Je häufiger dein Sohn dabei positive Esserfahrungen machen kann, desto lieber probiert er wiederum Neues bei folgenden Malen.
All das mündet in sog. gustatorische Erfahrungen. Diese gustatorischen Erfahrungen bilden die Grundlage für den Appetit.
Essen darf spielerisch erlebt werden - am besten mit allen Sinnen und mit ganz viel Spaß. Ohne Erwartung. Eine Speise in der Bäckerei (im Café) findet häufig schneller Zuspruch, weil die ganze Atmosphäre mitwirkt. Eine entspannte Mama, freundliche Menschen ringsum, der Kuchenduft in der Luft, Zeit...
Kinder verknüpfen all diese Erfahrungen mit dem Lebensmittel und dem Geschmack, einschließlich seiner Wirkung.
Das prägt und macht Spaß. Es geht um einen Eindruck. Wenn etwas gefällt, wird mehr gefordert .Es geht darum, Geschmack und Freude zu erleben. Je mehr solcher ungezwungener Eindrücke dein Sohn erhält, desto besser kann sich sein persönlicher Geschmack herausbilden. Dein Kind braucht keine großen Mengen vom Neuen zu essen. Sinnvoller ist es, wenn die Speisen immer und immer wieder auf den Tisch kommen (Wiedererkennungsfeffekt) und immer und immer wieder in kleinen Mengen probiert werden können.
Für die Gewöhnung und das Kennenlernen von neuen Speisen ist die Kontinuität wichtiger als die Menge.
Das Zauberwort hierzu heisst: zwanglos. Aus eigenem Antrieb. Mit Spaß. Selbständig.
Begleite dein Kind in Essensangelegenheiten so, dass du ihn forderst, förderst aber nicht überforderst.
Biete deinem Kind beim Essen deine liebevolle Unterstützung an, dränge dich nicht auf.
Dein Kind braucht vielleicht auch ganz besonders viel von deinem/euren elterlichen Zuspruch (nonverbal !!!) und Halt, vielleicht besonders viel positive und emotionale Begleitung wenn es darum geht neue Lebensmittel kennen- und lieben zu lernen.
Was meinst du, hilft dir das weiter?
Eine abschließende Frage habe ich evtl noch mal an dich. Du brauchst darauf nicht zu antworten:
Nimmt dein Kind das neue Essen selbständig in den Mund, kaut darauf herum und spuckt es wieder aus? Oder gibst du ihm das Essen in den Mund und er spuckt es wieder aus?
Also dann
Grüße
Birgit N.


P.S.
schau auch mal noch hier rein. Hier findest du noch ein bisschen mehr zu deinem gefragten Thema:
https://www.rund-ums-baby.de/experten/kochen-fuer-kinder/Schlechter-Esser_50367.htm

von Birgit Neumann am 23.07.2022

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