Birgit Neumann

Birgit Neumann

Dipl. Ökotrophologin

Birgit Neumann studierte Ökotrophologie mit dem Schwerpunkt Ausbildung und Beratung und schloss ihr Studium mit dem Titel Diplom Ökotrophologin (Dipl.oec.troph.) ab. Seit dem Studium ist sie als Ernährungs­beraterin und Kursleiterin tätig. Mit regelmäßigen Fortbildungen hält sie ihr Wissen zur Baby- und Kinder­ernährung auf dem aktuellen Stand.

Birgit Neumann

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Antwort von Birgit Neumann

Frage:

Guten Tag,
Meine Kleine ist 9 Monate alt und wir haben mit 7,5 Monaten nach ausschließlich stillen mit Brei gestartet. Mittlerweile isst sie 3 x Brei.
Sie stillt sehr viel oder sogar noch mehr als vor der Breikost, weil es so heiss ist und sie kaum Wasser trinkt, weder Trinklernbecher noch Flasche noch schnabeltasse. Sie nagt nur dran und freut sich über die Tropfen.

Ihr Essenplan: ich koche selbst und jedes Mal frisch, nur bio - Zutaten

Gkf Brei 5 x, 1 x mit Fisch einmal vegetarisch mit roten Linsen oder Nudeln, 1 x pro Woche statt Kartoffeln auch Reis oder couscous

Gob standardportion Obst stets roh püriert oder fein gerieben

Der abendbrei ist unser freestyle Brei.
Entweder Schmelz Flocken mit abgepumpter muttermilch, mal halbmilch griess Brei, vo. Löwenzahn organics gibt es so bouillon für Babys, daraus mache ich mit Getreide Flocken und püriert Gemüse Brei oder getreidefocken mit Kokosmilch und obstmus oder Tau buchweizen gekocht + Mandel muß 1 TL und Gemüse oder obstmus

Nun meine Fragen:
Ist das so ok?
Ist es ok, als Gemüse ein Stück geschälte gedämpfte paprika mit zu pürieren?
Leider ist Mitte Juni meine kuchenwaage kaputtgegangen und die neue Lieferung ist verzögert - ich habe quasi einen Monat lang nach Augenmaß gekocht (sie ist mein drittes Kind in Folge, deswegen habe ich da schon bissel Gefühl dafür) - schlimm, besonders beim Fleisch?
Selten greife ich abends mal auf einen milchbrei zum anrühren zurück - auch bio- Brei pulver enthalten jedoch Palmöl, was hältst Du davon?
Ideen für ein Fruhstuckchen? Früh stillt sie ab 7 Uhr noch im Schlaf viel, 9 Uhr ist sie wach, trinkt nochmal und ist dann gut satt. Sie will aber auch was haben, bis jetzt gebe ich 3 hirsekringel und obststucke in so einem fruchtsauger mit Netz...
Wie ist das, manchmal lutscht sie den Brei so bisschen lustlos vom Löffel, dreht aber nicht den Kopf weg oder so, würde aber jetzt nicht aktiv den nächsten Löffel einfordern... Auf diese Weise isst sie dann schon ihre standardportion. Würde sie Sättigung anders anzeigen oder soll ich dann lieber aufhören? So richtig begeistert isst sie eigentlich nur ihre absoluten lieblingsbreie, z. B. den abendbrei mit Bouillon und Gemüse?

Und hast Du noch einpaar Ideen für weiches fingerfood?
Herzlichen Dank für Dein tolles forum
Annk

von Ann-Kristin am 22.07.2022, 17:10 Uhr

 

Antwort auf:

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Hallo Ann-Kristin
wenn du deiner Tochter bei der Hitze etwas Wasser anbieten magst, damit du nicht so viel stillen brauchst, dann verwende ein kleines Gläschen/Becherchen. Nimm ein wirklich kleines Trinkgefäß und biete daraus Wasser an. Die Größe eines Schnapsglases kannst du in etwa als Maß nehmen. Das befüllst du randvoll, so dass die Lippen direkt mit dem Wasser in Kontakt kommen, sobald es an den Mund geführt wird, wobei du hier natürlich helfen müsstest. Um den Trinkanreiz zu steigern und das Trinken aus dem Gläschen/Minibecherchen zu üben, könntest du vorübergehend Saft und Wasser mischen. Wenn es dann klappt und deine Tochter trinken kann, dann den Saft wieder weglassen, ggf schleichend die Saftmenge verringern.
Du könntest auch versuchen, ob deine Tochter einen Trinkanreiz empfindet wenn sie aus deinem Trinkgefäß mittrinken kann. Voraussetzung ist natürlich trotzdem und immer: deine Tochter muss Durst haben.
Stillen ist ja viel mehr als nur Hunger und Durst zu stillen. Beim Stillen erfährt deine Tochter auch Ruhe und Geborgenheit und Sicherheit, kann Kraft und Ruhe tanken. Möglicherweise gibt es einen Wachstumsschub und das derzeit vermehrte Stillen könnte auch in diesem Zusammenhang stehen. Könnte!
Mit etwa 10 Lm steht ja die Familienkost an. Und die Familienkost baut sozusagen eben genau auf diesem Wachstumsschub, der schon fast ein Sprung ist, auf. Denn nach diesem Entwicklungsschub ändert sich Manches - auch die Essgewohnheiten.
Es wurden weitere Fähigkeiten (kognitiv, motorisch) entwickelt, die genutzt werde und ausprobiert werden wollen, gar müssen - kauen, zugreifen, aktiv werden, erkunden, beobachten und imitieren,....
Dein Kind möchte vielleicht auch vermehrt kauen und zugreifen und selbst aktiv essen, die Hände benutzen..
Wenn dein Kind mit dem gefüttert werden von Brei vom Löffel noch zufrieden ist und es duldet, kannst du das weiter so machen und einfach zusätzlich Stückchen und geeignete Familienkost zum selbständigen Entdecken zusätzlich anbieten - als Möglichkeit!
Es geht um das spielerische Kennenlernen von Geschmack und dem Entdecken der verschiedenen sensorischen Eigenschaften der Speisen -
kalt oder warm, weich oder matschig, trocken, um Geruch, Geschmack, Aussehen, Geräusche u.v.m.
Du kannst ab jetzt auch schon leicht gewürzte Speisen zum Kennenlernen im Rahmen der Familienkost anbieten. Das was du explizit für dein Baby zubereiten willst, das kannst du vorerst noch salzfrei zubereiten. Familienkost wiederum darf auch schon etwas mehr gesalzen (bspw Brot) und mit typischen Familienkostgewürzen gewürzt sein.

Ich gehe deine einzelnen Fragen mal der Reihe nach durch.
"Ist es ok, als Gemüse ein Stück geschälte gedämpfte paprika mit zu pürieren?"
ja, na klar, wenn es deiner Tochter schmeckt und es ihr gut bekommt - dann ist das doch prima.

"Leider ist ....kuchenwaage kaputtgegangen ....nach Augenmaß gekocht ....beim Fleisch?"
nein, dein geschultes Auge wird die Mengenverhältnisse bestimmt ganz richtig bemessen haben

"Selten greife ich abends mal auf einen milchbrei zum anrühren zurück - auch bio- Brei pulver enthalten jedoch Palmöl, was hältst Du davon?"
einfach die Breie selbst zubereiten, dann kannst du das umgehen, was dir nicht so gut gefällt.

"Ideen für ein Fruhstuckchen?"
den Fruchtsauger kannst du weglassen und deiner Tochter stattdessen weiche Obststückchen anbieten. Und Butterbrotstückchen.
Oder einfach das, was ihr Eltern und die Geschwister essen, wenn es babygeeignet ist.
Jetzt, ab dem 10. Lm, beginnt ganz offiziell die Familienkostzeit. Da deine Tochter auch zeigt, dass sie mitessen möchte, kannst du das unbedingt nutzen und ihr Angebote machen mitzuessen. Zunächst geht es ja nur darum, dass ihr gemeinsam am Tisch eure Mahlzeiten erlebt und eure Jüngste dabei ist. Sie kann verschiedene Geschmackserfahrungen und Mehr sammeln, indem sie einfach die Gelegenheit hat um unkompliziert und freudig alles Mögliche (was geeignet ist) selbständig in die Hand zu nehmen, zu befühlen und zu essen.

"Wie ist das, manchmal lutscht sie den Brei so bisschen lustlos vom Löffel, dreht aber nicht den Kopf weg oder so, würde aber jetzt nicht aktiv den nächsten Löffel einfordern...
Auf diese Weise isst sie dann schon ihre standardportion
Würde sie Sättigung anders anzeigen oder soll ich dann lieber aufhören? So richtig begeistert isst sie eigentlich nur ihre absoluten lieblingsbreie,
z. B. den abendbrei mit Bouillon und Gemüse?"
das müsstest du selbst entscheiden. Du kannst auf jeden Fall deine Tochter ermuntern selbständig zu essen und bräuchtest vielleicht insgesamt weniger Brei (zu füttern) und stattdessen mehr Familienkost und breifreie Beikost zu richten.

Biete deiner Tochter alles an, was im Sinne einer verantwortungsbewussten Speisenauswahl geeignet ist.
Alle Speisen sollten gefahrenfrei kau-und schluckbar sein.
Biete deinem Baby weiterhin die bereits vertraute Kost an und lass deine Tochter querbeet alle geeigneten Speisen vom Familientisch probieren.
Sinn und Zweck, das Ziel der Einführung von Familienkost ist es, dass sich dein Kind langsam, in ihrem Tempo, mit Spaß und Freude, soweit möglich, an diese Kost gewöhnen kann.
Also dann
Grüße
Birgit N.



P.S.
Und hier noch ein bissschen Inspiration fürs Familienessen:
Möglichkeiten für Obstsnacks:
fein geriebener (roher) oder selbst gemachtes Apfelmus.
Banane am Stück, in Stückchen geschnitten oder zerdrückt zum Löffeln.
Weiche Birne in Stückchen ist ideales Fingerfood.
Presse einen Saft aus frischen (unbehandelten Mandarinen (Clementinen oder was auch immer). . Den milden Saft wird deine Kleine lieben. Orangenfilets, Mandarinenfilets sind auch geeignet.
Melone ggf auch Papaya oder (Bio-)Mango, sowie zerdrückte Heidelbeeren, Avocado oder Kiwi, geviertelte, kernlose Trauben - all das ist möglich. Kaki?
Hauptsache alles ist weich genug und in der Größe angepasst, so dass alles gefahrenfrei gekaut und geschluckt werden kann.

Die Ausbaustufe für breifreie Gerichte sind zubereitete, einfache, weiche, salzfreie Gerichte wie bspw:
Couscousbällchen:
koche Kartoffeln und stampfe sie. Füge etwas Butter zu.
Gare Couscous. Vermische die gestampften Kartoffeln mit etwas Coucous und forme daraus für dein Baby gut handhabbare ovale "Kugeln" bzw fingerlange Stücke. Fertig ist das breifreie Fingerfood.

Du könntest die üblichen Breizutaten separat dünsten und anschließend nicht fein pürieren sondern nur zerdrücken = grobe Konsistenz = neues Mundgefühl.
Du könntest die üblichen Breizutaten einzeln dünsten und pürieren oder zerdrücken, dann aber nicht zu einem braunen Einheitsbrei vermischen, sondern einzeln und separat nebeneinander auf einem Teller anbieten.
Du könntest zusätzlich zum Brei alle Zutaten weich gedünstet als Fingerfood anbieten - die Zutaten in kleinen Stückchen oder fingergroßen Sticks dünsten und als Fingerfood zum Knabbern auf den Teller legen.
Du kannst zusätzlich zu den üblichen Breizutaten auch Familienkost und babygeeignetes Fingerfood anbieten. Die angebotene Nahrung sollte noch weich genug sein, um im Mund gefahrenfrei zerkleinert werden zu können, um anschließend gut geschluckt werden zu können.
Biete deinem Kind einen bunten Mix an Möglichkeiten zum eigenständigen, spielerischen Entdecken an. Lass dein Kind möglichst viele neue, interessante und leckere Esserfahrungen machen. .... kauen, beißen, knabbern, ....
Biete deinem Kind Geschmack und verschiedene Konsistenzen.
Biete deinem Kind eine altersentsprechende, ungefährliche, vollwertige Kost.
Esst gemeinsam und biete deinem Kind beim Essen eine liebevolle Begleitung und Unterstützung, wenn Hilfe benötigt wird.

Erbsengrüne Pancakefladen:
100g gekochte Erbsen mit ca 100g roher Zucchini (evtl fein geschnitten) und ca 50-75g Banane (Gemüse/Obstmischung schmeckt sehr gut ausgewogen und harmonisch) fein pürieren (in einem entsprechenden Gerät, so dass du einen feinen Brei erhältst) , ggf etwas Wasser zufügen, so dass sich die Masse gut pürieren lässt. Gewürze dazu, Salz und Co.
Dazu gibst du ca 100-120g Mehl und etwas Backpulver.
In einer beschichteten Pfanne kann du daraus Fingerfood zaubern. Zurecht schneiden empfohlen - fingerlange Stücke.
Dafür kleine Kleckse, wie Pancakes, in wenig Öl sanft braten/garen.

Kartoffelwolken:
160g gekochte (Salz-)Kartoffeln
30 ml Öl
2 Eier
100g Schmand (oder saure Sahne/Creme Fraiche)
80g Mehl
1 Msp Backpulver
aus den Zutaten einen Teig (mit dem Handrührgerät) mixen.
Den Teig in kleinen Klecksen auf ein Backblech (Backpapier/Backmatte) geben uund bei 180° ca 20 min bis sie gar sind, backen.

Minifrikadellchen
Rindersteak (mageres Stück Fleisch von Rind, Schwein oder Lamm) kann auch Schwein sein) beim Metzger durch den Fleischwolf drehen lassen oder schlichtes, mageres Hack kaufen. Die Masse vorsichtig würzen, wenn nötig. Evtl Öl und/oder Semmelbrösel dazu und kleine Bällchen formen, im Ofen garen oder in der Pfanne herausbraten. Nicht zu dunkel (kross) werden lassen.

Kartoffelpüree
500g Kartoffeln
150 ml Milch
1 -2 EL Butter
Kartoffeln schälen, kleinschneiden, mit ca 1/4 TL Salz in reichlich Wasser zum Kochen bringen. Ca 20 min (ggf länger) weich kochen.
Kochwasser weg schütten. Milch mit Butter aufkochen, Kartoffeln zugeben, mit dem Stampfer zu Mus verarbeiten, würzen. Ggf Milch zugeben bis gewünschte Konsistenz erreicht ist.
Schmeckt auch mit Reisdrink

Ofen-Porridge:
Haferflocken mit Milch (oder Pflanzendrink oder Wasser/Milch oder whatever) vermischen, Ggf Gewürze zugeben: Zimt, Kardamom oder Vanille nach Belieben,
mit heißem Wasser übergossene Dattelstückchen daruntermischen.
Kleingeschnittene Apfelstückchen (ganz kleine Stückchen) darauf verteilen.
Im Ofen bei 180° (vorgeheizt) ca 20 bis 25 min backen.
Fertig

......

von Birgit Neumann am 25.07.2022

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