Birgit Neumann

Birgit Neumann

Dipl. Ökotrophologin

Birgit Neumann studierte Ökotrophologie mit dem Schwerpunkt Ausbildung und Beratung und schloss ihr Studium mit dem Titel Diplom Ökotrophologin (Dipl.oec.troph.) ab. Seit dem Studium ist sie als Ernährungs­beraterin und Kursleiterin tätig. Mit regelmäßigen Fortbildungen hält sie ihr Wissen zur Baby- und Kinder­ernährung auf dem aktuellen Stand.

Birgit Neumann

Baby ist kaum Gemüse

Antwort von Birgit Neumann

Frage:

Sehr geehrte Frau Neumann,
meine Tochter ist 15Monate alt und isst am Familientisch mittlerweile fast alles mit.
Was sich schwierig gestaltet ist generell Gemüse. In der Kita isst sie wohl alles mit und Mittags geht es zu Hause auch meistens, aber Abends isst sie kaum Gemüse. Fast alles spukt sie aus, ob gebratener Kohlrabi, Ofengemüse (Möhre, Pastinake) gekochte Möhre ... auch kaum mit Kräuterquark. Rohe Tomaten nicht, Spinat nur selten, wenn mit viel Kartoffel usw. was sie ganz gut isst sind Gurken, aber auch nur den weichen Teil innen.
Obst isst sie ganz gut ... Physalis, Mango, Banane, weiche Birne etc. was sie auch nicht so mag sind Äpfel.
Ich probiere es immer wieder, biete ihr jeden Tag/ Abend verschiedenes an. Sie kaut maximal ein bisschen darauf rum und spuckt es dann aus. Kann sie schlecht zwingen es zu essen, möchte aber natürlich auch nicht das sie ein „Mäkelkind“ wird und sich nur die „Rosinen“ rauspickt. An den Zähnen kann es nicht liegen, sie hat schon sehr viele und alles andere kaut sie sehr gut.
Habe einfach Bedenken, dass sie zu wenig Gemüse und zu viel Obst isst und sie an zu viel süßes gewöhnt ... haben Sie einen Tipp für mich? Vielen Dank!

von CarSt am 05.04.2021, 21:03 Uhr

 

Antwort auf:

Baby ist kaum Gemüse

Hallo CarSt
als Eltern macht man sich schnell Sorgen, wenn die Kinder nicht so essen wie man sich das wünscht. Was du jetzt tun kannst, um dein Kind bestmöglich beim Prozess des Essenlernens sinnvoll zu unterstützen ist folgendes:
du kannst Gemüse weiterhin einfach "nur" anbieten. Mehr brauchst du nicht zu tun. Dein Kind wird peu a peu mehr Freude daran finden. Dein Kind braucht dafür einfach nur Gelegenheiten um freiwillig und durch Neugier probieren zu können. Dass dein Kind bereits probiert und das Probierte wieder ausspuckt, das ist ein erster Annäherungsschritt seitens deines Kindes. In weiteren, wiederholbaren Schritten, wird dein Kind vielleicht irgendwann mehr Gefallen daran finden. Lass dein Kind nur einfach weiterhin ungezwungen verschiedene Esserfahrungen machen. Langfristig erreichst du mit dieser gelassenen Haltung den größtmöglichen Erfolg. Der größtmögliche Erfolg ist, wenn dein Kind mit Freuden isst und durch freies Spielen und Experimentieren neue Esserfahrungen sammeln kann. Je mehr, vor allem gute, Esserfahrungen dein Kind sammeln kann, desto besser und unkomplizierter kann sich dein Kind ein sog. Geschmacksgedächtnis aufbauen. Je besser gefüllt dieses Gedächtnis ist, desto besser und ausgewogener kann sich dein Kind ernähren.
Hilft dir das weiter?
Grüße
Birgit Neumann

P.S.
Der Mund ist die Eintrittspforte für das Essen. Im Mund wird das Essen auf seinen Gesamteindruck (Geschmack, Konsistenz, Mundgefühl, etc) geprüft. Es wird bewertet in diese drei Kategorien: mag ich, mag ich nicht, wird akzeptiert. Was gefällt, das wird schließlich auch gegessen.
Nicht alles gefällt aber auf Anhieb, also nicht gleich beim ersten Eindruck. Es gibt bestimmte Geschmackseindrücke, welche auf jeden Fall und/oder schnell und gut akzeptiert werden. Manche Speisen dagegen eher nicht. Verschiedene Speisen haben auf den ersten Bissen kaum eine Chance, bei allen Kindern. Manchmal sind sogar bis zu 10 Probierbissen notwendig, um Kinder an neue Eindrücke heranzuführen. Aber trotzdem liefert der erste (oder zweite, dritte,) Geschmackseindruck (d)einem Kind wichtige Informationen, auf welche es unmittelbar reagiert.
Es reagiert wie oben beschrieben: mag ich oder mag ich nicht.

Kinder mögen gerne bekannte Aromen bspw weil sie diese wiedererkennen aus Schwangerschaft und Stillzeit. Und auch je häufiger sie einen wiederholten Eindruck einer Speise in der Beikost oder am Familientisch erhalten haben, es somit bereits kennengelernt haben, desto beliebter. Sie präferieren auch süß, fettreich, süß und fettig, samtig, weich, cremig, kohlenhydratreiche Kost,...
Und (fast) alle Kinder dieser Welt lehnen bitter schmeckende Speisen ab. Denn viele bitter
schmeckende Speisen sind giftig. Kinder lehnen diese Speisen darum instinktiv ab.
Sie nehmen die bitter schmeckenden Nuancen übrigens auch sehr viel eher wahr als Erwachsene. Erwachsene schmecken häufig nicht in dieser Feinheit.
Auch sauer schmeckende Speisen werden häufig zunächst eher abgelehnt und auch stark salzig schmeckende Speisen finden ebenfalls meist eher nicht sofort Zuspruch.
Lebensmittel welche sich im Mund komisch anfühlen, bspw pelzig, rauh, schleimig,
gummiartig, zäh, etc diese werden ebenfalls häufig auch eher abgelehnt.
Man bezeichnet diese Präferenzen und Abneigungen als sog. Sicherheitsgeschmack.
Nach und nach lernt dein Kind, auf seine Weise, durch Wiederhlung und Beobachtung der Mitesser, viele neue Speisen zu akzeptieren. Und diese reihen sich ein, in die geduldeten Lebensmittel auf seinem Speisezettel. Auch sie reihen sich ein in die Kategorie Sicherheitsgeschmack. Denn je häufiger dein Kind positive, gute, Erfahrungen in Verbindung mit einer Speise sammeln kann, desto sicherer wird die Speise aus seiner Sicht.
Lass dein Kind darum einfach wie oben beschrieben freudig zugreifen und probieren.
Allein der Eindruck des Bissens im Mund ist schon ein großer Schritt in Richtung einer Akzeptanzentwicklung.
Den Rest darfst du deinem Kind überlassen.

von Birgit Neumann am 07.04.2021

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