Prof. Dr. med. Gerhard Jorch

Stehen / Umfallen

Antwort von Prof. Dr. med. Gerhard Jorch

Kinder entwickeln sich eben sehr unterschiedlich - auch Drillingsfrühgeborene: Gratuliere!

Stürze: Sie werden vermutlich in den nächsten Jahren in Summe mindestens 30 Stürze auf den Kopf erleben. Natürlich können Sie nicht immer ins Krankenhaus gehen. In mindestens 99 % aller Fälle kommt es durch Stürze wie von Ihnen geschildert zu keinen Hirnverletzungen. Das Nervenwasser, in dem das Hirn gewissermaßen "schwimmt", polstert eine Menge ab. Außerdem ist das Hirngewebe sehr elastisch. Wenn es zu einer gefährlichen Blutung (meistens im Bereich der Hirnhäute) kommt, bemerkt man das innerhalb der ersten Stunden danach durch

- Schläfrigkeit, mangelnde Erweckbarkeit, Trägheit
- Blickabweichungen (Schielen), verzögerte Pupillenreaktion auf Licht
- Krampfanfall

Das beste, was Sie tun können, ist also, Ihr gestrütztes Kind in den ersten 6 Stunden nach dem Ereignis hinsichtlich dieser Symptome zu beobachten. Wenn es einschläft (z.B. weil ohnehin Schlafenszeit ist) müssen Sie stündlich Weckbarkeit und Pupillenreaktion prüfen. Das sind übrigens auch im Krankenhaus die entscheidenden Maßnahmen. Rö-Schädel ist nur dann angebracht, wenn Verdacht auf eine Impressionsfraktur besteht (Eindellung des Schädelknochens). Bis etwa 6 Monaten kann man Blutungen durch Ultraschall ganz gut erkennen. Ich glaube aber kaum, daß eine relevante Blutung ohne die oben genannten Symptome einhergeht.

Selten können auch chronisch, d.h. langsam sich entwickelnde Blutergüsse im Hirn vorkommen. Diese sind nicht akut bedrohlich, fallen aber ähnlich wie Hirntumoren am ehesten durch Wesenveränderung, Gangunsicherheit und Blickabweichungen /Schielen)auf.

von Prof. Dr. med. Gerhard Jorch am 12.08.2002

 
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