Prof. Dr. med. Gerhard Jorch

Hat mein Kind ein erhöhtes Risiko bzgl. Plötzlichen Kindstodes?

Antwort von Prof. Dr. med. Gerhard Jorch

Frage:

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Jorch,

ich habe wahnsinnige Angst vor dem Plötzlichen Kindstod. Meine Tochter ist 17 Wochen alt, in der 41 SSW geboren, hatte ein Gewicht von über 3000 g; ich war jedoch zweimal wegen vorzeitiger Wehen im Krankenhaus (habe u.a. zwei Lungenreifespritzen erhalten). Vor der Geburt meiner Tochter hatte ich mehrere Fehlgeburten (verschiedene Trisomien). Auch muss ich erwähnen, dass ich zu Beginn der Schwangerschaft eine Harnwegsinfektion hatte, die mit drei verschiedenen Antibiotika behandelt wurde. Außerdem habe ich die ganze Schwangerschaft ein Antidepressivum genommen und aufgrund einer Blutgerinnungsstörung Clexane gespritzt und ASS 100 eingenommen, zusätzlich noc h L-Tyroxin. Die Schwangerschaft begann mit einer Zwillingsschwangerschaft.

Vor der Geburt haben wir uns eine Angel Care gekauft. In den ersten Wochen nach der Geburt hatten wir ca. dreimal einen Alarm nach einer scheinbar 15 sekündlichen Atempause und einen Alarm nach einer scheinbar 20 sekündlichen Atempause (bei letzterem hatte meine Tochter ein ziemlich rotes Gesicht, weil ihr evtl. zu warm war?). Das Ganze hatte mich sehr verunsichert und überhaupt nicht mehr ruhig werden lassen. In der ca. sechsten Lebenswoche habe ich beim Füttern beobachtet, dass meine Tochter bläuliche Beinchen und Füßchen mit roten Flecken bekommen hat. Der Kinderarzt hat uns in die Kinderklinik verwiesen. Dort wurde meine Tochter stationär untersucht (EKG, Ultraschall vom Gehirn, Anschluss an einen Monitor mit Überwachung den Sauerstoffgehaltes im Blut und Herzschlag). Sämtliche Ergebnisse ergaben, dass meine Tochter gesundheitlich völlig in Ordnung war. Nur aufgrund meiner Ängste habe ich ein Überwachungsgerät mit nach Hause bekommen (Überwachung der Atmung und des Herzschlages). In den letzten Wochen waren kaum Bradykardiealarme, jedoch in der letzten Zeit häufig. Als ich mir meine Tochter immer dann sofort ansah, sah sie so wie immer aus. Nur einmal fand ich, dass sie blauer um den Mund war als normalerweise, was mich wieder sehr geängstigt hat (meine Tochter hat sehr helle Haut und dadurch scheint es um den Mund immer bei ihr von Natur aus etwas bläulich).

Als der Professor der Kinderklinik das Gerät letzte Woche hat auslesen lassen, meinte dieser, dass die Alarme kein Problem darstellen (einer der Bradykardiealarme war 60 oder sogar drunter), und ich das Gerät besser zurückgeben sollte.

Jetzt komme ich endlich zu meiner Frage: Hat mein Kind ein erhöhtes Risiko bzgl. Kindstod, wenn man folgende Punkte bedenkt?
1. Ich konnte meine Tochter nur ca. ein bis zwei Wochen stillen.
2. Meine Tochter hat schon im ersten oder zweiten Monat durchgeschlafen (d.h. sogar mal neun, zehn Stunden; ich muss sie nachts wecken, damit sie etwas isst).
3. Meine Tochter schläft sehr tief (es stört sie beispielsweise nicht, wenn ich sie im Schlaf noch mal umziehe oder anspreche, meist reagiert sie gar nicht; durch die Alarme wurde sie auch nie wach)
4. Meine Tochter würgt manchmal lautlos, so als ob sie keine Luft mehr bekommt (sogar einmal nachts, als ich zufällig am Bettchen stand und heute Nachmittag beim Schlafen mit Schnuller). Wenn ich das sehe, klopfe ich ihr auf den Rücken. Was ist aber, wenn ich das mal nicht mitbekomme?
5. Ich habe Angst, dass dieses lautlose Würgen, die damaligen Atempausenalarme bei der Angel Care , die blauen Beine und Füße, das Bläuliche um den Mund (vor allem die Situation, in der mir das Bläuliche um den Mund stärker aufgefallen war) und die Bradykardiealarme Vorboten für den Kindstod sind.
6. Meine Tochter legt sich neuerdings beim Schlafen auf die Seite und den einen Arm auf die Nase (sie dreht sich im Schlaf auch mal um 180 Grad)
7. Wir haben vor kurzem Urlaub bei meinen Eltern gemacht. Wegen der Hitze haben wir eine Nacht neben dem Partyraum geschlafen, in dem bei Festen geraucht wird, und mein Vater jeden Abend eine Zigarre raucht. Der Raum wurde zwar vorher durchgelüftet, als ich aber einen Body von meiner Tochter nachts auf eine Sofalehne gelegt habe, hat dieser danach total nach Rauch gestunken. Auch hat mein Vater einmal in seinem Arbeitszimmer und auf der Terasse geraucht und vergessen die Tür zuzumachen, wodurch der Qualm zu meiner Tochter gezogen ist. Später wurde abgesprochen, dass er nur noch im hintersten Garten raucht, aber an seiner Kleidung hing der Mist dann ja auch noch (mache mir Gedanken, dass er kurz nach dem Rauchen meine Tochter mal hochgehoben hat). Generell fand ich dass abgestandener Rauchgeruch im Haus hing. Auch hatte meine Mutter meine Tochter versehentlich einige Stunden auf ein Sitzelement gelegt, das im Partykeller stand und natürlich dementsprechend nach Zigarre gerochen hat.
8. Meine Tochter ist im Nacken immer sehr warm, die Füße kalt oder kalt-feucht.
9. Habe gelesen, dass in Neuseeland keine Kinder am Plötzlichen Kindstod sterben, da es dort bestimmte Matratzen gibt, die keine lösbaren und unlöslichen Antimon- und Arsenverbindungen und Phosphorverbindungen enthalten. Solche Verbindungen lassen bei Feuchtigkeit einen Pilz wachsen, an dem die Kinder ersticken. Die Matratze von meiner Tochter ist von Träumeland (wollte da noch mal beim Hersteller nachfragen).
10. Heute Nacht habe ich meine Hand auf das Zwerchfell oder den Brustkorb meiner Tochter gelegt. Ich hatte das Gefühl, dass sie eine längere Atempause gemacht hatte (den Monitor habe ich seit einer Woche aus, weil die Panik vor Alarmen sehr groß ist). Da ich im Halbschlaf war, fehlt mir jetzt die genaue Erinnerung, wie lang die Pause war.

Mit freundlichen Grüßen
B.

von CNS am 28.08.2013, 09:37 Uhr

 

Antwort auf:

Hat mein Kind ein erhöhtes Risiko bzgl. Plötzlichen Kindstodes?

Ihre umfassende Schilderung erlaubt es mir, kurz zu antworten: Ihre Sorgen sind allesamt völlig unberechtigt! Ihr Kind hat keine erhöhten Risiken, die beobachteten Episoden sind harmlos und Sie machen alles richtig.

Ich gratuliere Ihnen.

von Prof. Dr. med. Gerhard Jorch am 01.09.2013

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