Prof. Dr. med. Gerhard Jorch

Gehirnschäden und Befund

Antwort von Prof. Dr. med. Gerhard Jorch

Frage:

Hallo Herr Jorch,
ich bin durch eine Internetbekannte auf sie aufmeksam gemacht worden und habe einige Fragen.
Hier erstmal ein Befund.

Mittellinien nicht verlagert. Äußere Liquorräume erweiter, Weite der äußeren Liquorräume 5,3 mm. Ebenfalls darstellbar eines Hygroms(was immer das auch ist) mit einer weite von 5,2 mm.

Das Hirnmantelparenchym ist deutlich reduziert, eine Gyrierung kaum mehr zu erkennen. Die Binnenstrukturen sind reduziert, die Echogenität der Marklager erhöht. Somit insgesamt Befund eines Status marmoratus.(was auch immer das ist) Seitenventrikel asymmetrisch, links weiter als rechts, wie im Vorbefund bereits beschrieben im vorderen Bereich des rechten Seitenventrikels gering verplumpt, deutliche Verplumpung jedoch des linken Seitenventrikels. Nun kaum mehr Darstellbarkeit von Blutungsresiduen wie im Vorbefund beschrieben. Der Cella-media-Index beträgt links 2,8 und rechts 3,6 (Norm größer 4,1)

Hirnparenchymdefekt links nach haemorrhagischem Infarkt der linken Hemisphere. Hygrom.

Noch ein weiterer Befund unseres Chirurgen:
Im Verlauf der letzten 2 Monate hat sich das Kind nur unwesentlich weiter entwickelt. Sicherlich besteht eine erhebliche Entwicklungsverzögerung, darüber hinaus ist anzunehmen, das nach einem Zustand nach Hirnblutung 3. und 4. Grades auch eine geistige Retadierung vorliegen kann.

Unser Sohn Ben wurde am 12.08.01 in der 25 SSW geboren. Er wog 680 g und war 29 cm gross.
Was die Frühgeburt eingeleitet hat kann man nicht sagen.

Jetzt zu den Fragen:

1.) Was sagt uns dieser Befund? "Unser Arzt, der Ben auf die Welt holte, sagte das durch Sauerstoffmangel seine "Hirnrinde(???)" schrumpfen würde. Man kann sich das wie eine bei einer Schrumpfniere vorstellen.

2.)Zu den Zukunftsaussichten können Sie uns wahrscheinlich auch nichts sagen, aber die Frau vom SPZ sagte uns sie geht nicht davon aus das er laufen lernen wird. Desweiteren sagte Sie uns er hat jetzt schon eine schwere geistige sowie motorische Behinderung.
BEn ist laut unserem Arzt soweit wie ein 2-3 monatiges Kind. Die SPZ Frau sagte er würde sich auch nicht wie ein normales 2-3 monatigem Kind verhalten, sondern sein Verhaltensmuster deutet auf eine schwere geistige und körperliche Behinderung.
Kann diese Frau nachdem sie Ben einmal gesehen hat, solch eine Diagnose erstellen?

3.) Was gibt es für Therapiemöglichkleiten? Voijta und Bobat werden zur Zeit zur Anwendung gebracht.
4.) Unser Arzt sagt sein Gehirn würde nicht wachsen. Sein Kopf wächst und das Hirn nicht mit. Der Abstand zwischen Hirn und Schädeldecike wird größer.
Kann man dagegen etwas machen?
5.) Gibt es heute irgendwelche Möglichkeiten(und sei es Gentherapie o.ä.) die man machen kann?
6.) Wir pendeln eigentlich immer zwischen Geldern(normale Kinderklinik, auf nichts spezialisiert) und Klinikum Krefeld hin und her.
Könnten Sie uns einen Spezialisten oder eine andere Klinik, die Ben nochmal auf den Kopf stellt und Therapiamaßnahmen erstellt, empfehlen?

Ich danke Ihnen schon mal für die Antworten und hoffe das es nicht zuviele Fragen auf einmal sind.

Meine E-Mail Adresse lautet:
bernd.hericks@nexgo.de
Tel.01726800046

von Bernd am 06.08.2002, 16:59 Uhr

 

Antwort auf:

Gehirnschäden und Befund

Der beschriebene Befund klingt nicht gut. Im Rahmen der extremen Frühgeburtlichkeit ist es offensichtlich zu einem linksbetonten aber beidseitigen und ausgedehnten Untergang von Hirngewebe durch Minderdurchblutung des Hirns und stauungsbedingte Blutung gekommen. Mit 1 Jahr ist eine Beurteilung schwerer Schäden relativ sicher möglich. Die Versorgung Ihres Kindes (SBZ) erscheint mir angemessen. Trotz der schlechten Befunde sollten Sie die Hoffnung nicht verlieren. Ich habe immer wieder Kinder erlebt, die sich dennoch unter guter Förderung im SBZ besser entwickelt haben als man vorher annahm. Es ist vielleicht wie bei einem jungen Baum, der schwer beschädigt wird. Manchmal wächst er dennoch zu einer gewaltigen Eiche heran!

von Prof. Dr. med. Gerhard Jorch am 07.08.2002

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