Prof. Dr. med. Gerhard Jorch

Gehirnentwicklung

Antwort von Prof. Dr. med. Gerhard Jorch

Ich antworte derzeit aus dem Urlaub in Kanada mit Hilfe eines Laptops und habe meine Perzentilenkurven nicht dabei. Deshalb kann ich Ihnen nicht genau sagen, wo Ihr Kind steht. Ich schätze aber, daß mit einem (korrigierten) Alter von 7 1/2 Monaten Ihr Sohn mit 65 cm sich noch im Normbereich (untere Norm) befindet und daß das Gewicht bezogen auf die Länge ebnefalls noch in der Norm (untere Norm) liegt. Die Frage, wann schlechte Wachstumsdaten die Intelligenz beeinflussen, ist wissenschaftlich nicht endgültig geklärt. Ich persönlich bin aufgrund meiner Untersuchungen und meiner Literaturkenntnis der Auffassung, daß Unterernährung bzw. Minderwachstum allein erst im Extremfall die Intelligenz langfristig beeinflußt. Wahrscheinlich spielen hier nicht nur quantitative (Menge der Nahrungsaufnahme) sondern auch qualitative Gesichtspunkte (Zusammensetzung der Nahrung) eine Rolle. Beispiel: Langzeituntersuchungen in nEngland haben gezeigt, daß Muttermilch ernährte Kinder später eher eine höhere Intelligenz aufweisen, obwohl sie gewichtsmäßig weniger wachsen als Flaschen ernährte Kinder. Eher schon mit der Intelligenz dürfte das Kopfumfangswachstum als ziemlich genaues Maß für das Hirnwachstum korelieren. Die Beobachtung, daß schlecht wachsende Säuglinge ein höheres Risiko für spätere Intelligenzminderung haben, dürfte eher darauf beruhen, daß diese Kinder bereits bei der Geburt untergewichtig (auch in Bezug auf Ihre Reife) gestartet sind und somit durch Unterversorgung im Mutterleib oder durch ihre genetische Anlage Hirnschäden davongetragen haben. Das betrifft aber nur einen Teil der so gestarteten Kinder. Ich hoffe, Sie mit diesen Daten nicht zu sehr verwirrt zu haben. Aber das Thema ist nicht einfach. Zu Ihrem Kind: Wenn Kopfumfang und Geburtsgewicht (in Bezug auf die Reife) normal sind, können Sie wahrscheinlich unbesorgt sein, ansonsten besteht ein Risiko, welches Sie aber vermutlich durch Steigerung der Nahrung nicht beeinflussen können.

von Prof. Dr. med. Gerhard Jorch am 22.03.2002

 
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