Fachärztin, Neonatologin Louise-Caroline Büttner

Cmv

Antwort von Fachärztin, Neonatologin Louise-Caroline Büttner

Frage:

Sehr geehrte Damen und Herren,

Mein 4 Wochen alter Sohn wurde positiv auf CMV getestet. Er kam 4 Wochen zu früh auf die Welt, hat danach 7 Tage auf der Intensivstation gelegen, aufgrund von abfallender sauerstoffsättigung und Gelbsucht. Die Ärzte haben ihn dort eigentlich auf dem Kopf gestellt, weil seine Billi Werte weiter angestiegen sind. Es hat ein Ultraschall stattgefunden, von Leber und Milz , es war alles in Ordnung. Es wurde 2 x ein Sono gemacht vom Gehirn es war auch in Ordnung. Jegliche Infektionen wurden im Blut untersucht, aber nicht der CMV Wert, dieser wurde im Nachgang von der Kinderärztin abgenommen. Es stellte sich jetzt vorgestern heraus, das er Positiv getestet wurde auf cmv.
( Es wurde eine Stillpause veranlasst und die Bili Werte sind gesunken ).
Es war eine Komplikationslose Schwangerschaft und hat auch keine Entwicklungstörungen gezeigt, bis auf das er 4 Wochen zu früh geboren ist, gab es an der SS nichts zu bemängeln.

Es ist jetzt natürlich ziemlich schwierig lt. Aussage Kinderärztin herauszufinden , ob die Ansteckung im Mutterleib oder außerhalb stattgefunden hat. Es wurde heute Urin von dem kleinen genommen , aber viel versprechen tut Sie sich nicht viel , auf Grund von seiner jetzigen Lebenswoche. Es gibt wohl noch getrocknetes Blut, vom 2.Lebenstag in Hannover, da ich einem screenig auf stoffwechselerkrankungen zugestimmt habe, Sie meinte es wäre nicht 100 prozentig, aber versuchen könnte man es.


Paar Daten zum Kind:

Geburt wie beschrieben 4 Wochen zu früh, Geburtsgewicht . 2720 g , 51,5 CM und KU 33.

Heutige U3 Untersuchung:
3640 Gramm , 53,5 cm und KU 33.


Ich würde gerne selbstverständlich unverbindlich gerne mal Ihre Einschätzung dazu hören und ob Sie mir ggf. paar Fragen beantworten könnten zu CMV, ich brauche ein Strohhalm an den ich mich klammern kann ;).

Wenn er sich über die Muttermilch infiziert hat, können wir mit Schädigungen/ Behinderungen rechnen oder wäre das in diesem Fall ausgeschlossen?. Ob es tatsächlich zu etwas kommt, selbst wenn es so wäre steht in den Sternen geschrieben, das ist mir persönlich klar.

Dasselbe eigentlich nur wenn er sich erst während der Geburt angesteckt hat?.

Kann man die Gelbsucht als Symptom der CMV annehmen, oder aufgrund abfallender Bili Werte nach stillpause darauf zurückführen. ( Muttermilch). Lediglich Einschätzung ihrerseits.


Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit von Schädigungen/ geistliche Behinderung, wenn die Infektion im Mutterleib stattgefunden hat?

von Amoura277 am 01.10.2021, 14:01 Uhr

 

Antwort auf:

Cmv

Guten Tag,

es gibt zwei Möglicheiten des Infektionsgeschehens:
1. Im Mutterleib, d.h. konnatal= transplazentare Übertragung
2. Unter Geburt=perinatal durch Zervikalsekret und postnatal=nach der Geburt durch Speichel und Muttermilch. Bei reifen Neugeborenen kommt es durch Übertragung von CMV durch Muttermilch nur sehr selten zu symptomatischen, nicht lebensbedrohlichen Infektionen. Frühgeborene unter 32 SSW können lebensbedrohlich erkranken.
Ihr Kind wurde mit 36SSW geboren, hier ist die Wahrscheinlichkeit für eine CMV-Infektion durch die Muttermilch sehr unwahrscheinlich und wenn, dann nicht mit einer schweren Infektion verbunden.
Der Gelbsuchtwert ist nach Stillpause gesunken, dies spricht am ehesten für einen sog. Muttermilchikterus. Er ist bedingt durch die Zusammensetzung der Muttermilch und bedarf in der Regel keiner Therapie, solange der Gelbwert nicht eine bestimmte Grenze überschreitet.

Bei einer konnatalen Infektion ist der Schweregrad der kindlichen Schädigung am größten bei Auftreten der Infektion im ersten Trimenon und nimmt mit zunehmendem Gestationsalter ab. Ist Ihr CMV-Status in der Schwangerschaft bestimmt worden? Dies können Sie im Mutterpass sehen.

Nur 10-15% der Kinder mit konnataler CMV-Infektion sind bei Geburt symptomatisch.
Zu den Symptomen zählen: Wachstumsretardierung, Frühgeburt, Hepatosplenomegalie, Petechien durch Thrombozytopenie, Leukopenie, Anämie, direkte Hyperbilirubinämie, sensorineuronale Schwerhörigkeit bis zur Taubheit (bei Geburt oder im Verlauf). ZNS Störungen (z.B. Mikrozephalie, intrazerebrale Verkalkungen etc.), Chorioretinitis, muskuläre Hypotonie.
Diese Symptome wären in der Klinik nach der Geburt mit Sicherheit aufgefallen.
Es gibt die Enteilung in schwere, moderate und milde symptomatische Neugeborene.

85-90% der Neugeborenen mit konnataler CMV-Infektion sind bei Geburt klinisch asymptomatisch. Bei 10% der sonst asymptomatischen NG besteht eine Hörstörung oder kann sich im Verlauf entwickeln. Spätere neurologische Auffälligkeiten werden in 14%
beschrieben.

Die Diagnostik erfolgt über einen positiven Nachweis der CMV- PCR im Urin in der ersten Lebenswoche (bis max. 14. Lebenstag). Dies ist beweisend für eine konnatale Infektion Bei positivem Befund erfolgt weitere Diagnostik:
PCR im Blut, CMV-Serologie (IgM, IgG), Leberwerte, Nierenwerte, Blutbild, Bilirubinwerte und eine klinische Untersuchung mit neurologischem Status, dazu Schädelsonographie, Augenarzt-Untersuchung und Hörtest mit Hirnstammaudiometrie (ABR/BERA, TEOAE sind nicht ausreichend) ggf. MRT.

Nun haben Sie diesen Verdacht auf eine CMV-Infektion und wollen Klarheit. Es ist sehr gut, dass die Schädelsonographie zwei Mal unauffällig war. Der Kopfumfang ist bei der U2 stehengeblieben. Dies erfordert eine Kontrolle.
Eine Einweisung in die Kinderklinik zur Abklärung und ggf. zum Ausschluss einer CMV-Infektion brächte hier schnell Klarheit. Stationär könnten die Blut-, Ultraschall-, Augen-, Höruntersuchungen schnell durchgeführt werden.
Bei mild sympomatischen und asympomatischen Neugeborenen erfolgt in der Regel keine Therapie. Diese Kinder werden aber engmaschig im SPZ betreut, sie erhalten regelmäßig Augenarzt-und HNO-Arzt-Kontrollen und eine Wiederholung der Schädelsonographie.

Ich wünsche Ihnen alles Gute,
L.Büttner

von FÄ Louise-Caroline Büttner am 02.10.2021

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