Fachärztin Louise-Caroline Büttner

Bradykardien ohne ersichtlichen grund!

Antwort von Fachärztin Louise-Caroline Büttner

Frage:

Sehr geehrte Damen und Herren! Mein Sohn Leopold ist bei 36+6 geboren! Er musste aufgrund meiner Erkrankung ( myastenia Gravis) am Monitor überwacht werden und da ist aufgefallen das er in tiefschlafphase mit der Herzfrequenz bis auf 70 sinkt! Sauerstoffsättingung ist immer normal! Uns wurde jetzt eine Koffein Therapie mit heimmonitor empfohlen... nur leider glaub ich nicht dran das das die Ursache behebt und jetzt ist meine frage: gibt es noch andere Gründe was eine Bradykardie bei Neugeborenen ausklösen kann? EKG, Schilddrüse, kopfultrschall war immer ohne Befund! Ich wäre sehr froh über eine Meinung ihrerseits!

von Chris_bert am 17.07.2020, 19:26 Uhr

 

Antwort auf:

Bradykardien ohne ersichtlichen grund!

Hallo,

Sie schreiben, dass EKG, Schilddrüse und Ultraschall unauffällig waren. Sicher wurde auch ein Labor (Blut) abgenommen, und Infektionsparameter, Elektrolyte, Blutzucker...bestimmt, oder? Hier war sicherlich auch alles unauffällig. Ein MRT wäre noch zu erwähnen, welches bei Unklarheit von Apnoen mit Bradykardie durchgeführt werden sollte.
Sicher wurden bei Ihrem Kind alle organischen Ursachen ausgeschlossen.

Wir beobachten es immer wieder, dass Neugeborene im Tiefschlaf ! eine Herzfrequenz von 70/min kurzzeitig ! zeigen. Sie bleiben dabei mit der Sättigung stabil und müssen auch nicht stimuliert werden, die Herzfrequenz steigt von ganz alleine wieder an. Dies hat dann keinen Krankheitswert.
Ihr Kind ist ein Frühgeborenes, wenn auch nur um einen Tag. Damit ist es auf der einen Seite sehr nah am Reifgeborenen und kann dies zeigen, wie ein Neugeborenes auch.
Auf der anderen Seite ist es ein Frühgeborenes, das sog. Apnoen haben kann, auch wenn dies in der 36/6 SSW eher selten ist.
Die Apnoe der Frühgeborenen ist definiert durch:
- Atempausen > 20 s
oder Pausen < 20 s
- die mit Bradykardie (< 80 Schläge/min)
- zentraler Zyanose (Lippen werden z.B. blau)
- und/oder O2-Sättigung < 85%
bei Neugeborenen < 37. Schwangerschaftswoche, bei denen alle anderen Ursachen (s.o.) ausgeschlossen wurden.
Bei diesen sog. zentralen Apnoen würden Koffein tatsächlich helfen.
Die Frage ist, ob es wirklich Apnoen sind.
Diese Frage kann ein Schlaflabor endgültig klären. Hier schläft Ihr Kind und wird dabei komplett überwacht: Atmung, Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung, EEG,...
Dann kann man dann anhand der Werte genau sagen, ob die Bradykardie durch eine Atempause verursacht ist und ob in diesem Zeitraum auch die Sauerstoffsättigung sinkt.

Ein Heimmonitor ist in der Tat etwas sehr belastendes für die Familie. Sicher ist er dennoch manchmal notwendig.
Sie können auch einen Coffein-Therapie-Versuch in der Klinik machen. Wenn die Bradykardien dann nicht mehr auftreten, ist es ja quasi beweisend.

Alles Gute wünscht Ihnen
Louise-Caroline Büttner

von FÄ Louise-Caroline Büttner am 19.07.2020

Mobile Ansicht

Impressum Team Jobs Mediadaten Nutzungsbedingungen Datenschutz Forenarchiv

© Copyright 1998-2020 by USMedia.   Alle Rechte vorbehalten.