Dr. med. Ludger Nohr

Trauma durch Magebsonde

Antwort von Dr. med. Ludger Nohr

   

 

Trauma durch Magebsonde

Sehr geehrter Herr Dr. Nohr,
Im Mai mussten wir mit unserer Tochter (16 Mon) wegen Brechdurchfall ins Krankenhaus. Um eine Exsikose zu verhindern riet man uns zu einer Magensonde und einer stationären Aufnahme. Die Magensonde wurde von der Kleinen sehr schnell gezogen. Trotzdem durften wir am nächsten Morgen heim, da sie stillte.

Das legen der Magensonde war sehr gewaltsam. Mein Mann hielt mein Kind fest und zwei Schwestern haben die Sonde gelegt. Mein Kind musste würgen, hat erbrochen und sich unter Tränen mit all Ihrer verfügbaren Kraft gewehrt. Mich hat sie flehentlich angesehen. Ich musste weinen, bin aber dabei geblieben um ihr zu signalisieren, dass ich hinter der Sache stehe. (was ich nicht tat, aber mein Mann hat am Ende entschieden. Ich hätte gewartet und auf sie vertraut und gestillt usw.) Jedenfalls habe ich sie nicht alleine gelassen und hoffe, dass ein so kleines Wesen versteht, dass wir sie nicht leichtfertig einer solchen Situation aussetzen. Gerettet haben wir sie jedoch nicht....was kann das kaputt machen? In den Tagen danach war sie sehr anhänglich und mama fixiert, obwohl sie zu ihrem Papa eine fantastische Bindung hat. Ich habe das nicht dramatisiert und war der Meinung, dass sie nach dieser Geschichte besondere Aufmerksamkeit und Verständnis braucht. Allerdings schläft sie seit einiger Zeit (s. vorheriger Beitrag) katastrophal und ich suche die Ursachen. Sehen Sie einen Zusammenhang? Mfg Marina S.

von mariniballerini am 26.06.2018, 14:49 Uhr

 

Antwort:

Trauma durch Magebsonde

Liebe Marina,
ich beantworte beide Fragen zusammen, da eine Verbindung zumindest gut möglich ist. Das Legen einer Magensonde ist ein unangenehmer Akt, für die Kinder oft verbunden mit großen Ängsten. Daneben zu stehen und nicht eingreifen zu können, ist für Eltern sehr schwer. Sie haben das aber richtig gemacht und sind dabei geblieben. Sie konnten das Leid nicht verhindern, haben sie aber auch nicht verlassen. Trotzdem ist das eine erhebliche stress-Situation, die in der Folge Verunsicherung bewirken kann. Gerade in den Nächten ist dann der Wunsch, nicht aus dem beruhigenden Kontakt zu gehen (auch nicht durch Schlaf), sehr viel größer als üblich.
Geben Sie Ihrer Tochter ein bißchen Zeit diese Grundsicherheit wieder zu finden, erlauben ihr ihre Nähewünsche und lassen so die bedrohliche Erfahrung zunehmend verblassen. Achten Sie dabei auch darauf, dass auch die Eltern "Erholung" brauchen und wechseln sich wenn möglich ab.
Dr.Ludger Nohr

von Dr. Ludger Nohr am 27.06.2018

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