Baby extrem schreckhaft/unruhig beim (Ein-)Schlafen - liegt es am Kranksein?

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Guten Tag Frau Holtschlag,   meine Tochter (14w) hat gerade Corona, genau wie der Rest der Familie. Sie hatte am Freitagabend etwas Fieber (38,2), woraufhin wir in Rücksprache mit der Kinderklinik Paracetamol gegeben haben. Seitdem ist es besser, sie hat nur noch etwas Husten und Schnupfen.   Allerdings ist sie seit dem Fieber-Abend extrem schreckhaft beim Einschlafen und unruhig im Schlaf.  Wir haben seit einigen Wochen Probleme mit den Tagschläfchen, nachts war es aber immer unkompliziert: Wir stillen im Liegen in meinem Bett, danach lasse ich sie ca. 10 Minuten liegen, bis sie tief schläft, und hebe sie dann in ihr Beistellbett. Dort wird sie im Pucksack (cosyme) eingeschnürt und schläft dann ruhig 5,5 - 7,5 Stunden. Dann wird kurz gestillt und 1 - 2- h weiter geschlafen. In den letzten Tagen hatte ich sogar das Gefühl, dass ein gewisser "Lerneffekt" bei ihr stattfindet: Sie wurde beim Umbetten nämlich manchmal leicht wach, hat dann aber gemerkt "aha, das ist mein Bett und mein Schlafsack, ich kann einfach weiterschlafen" und hat die Augen einfach wieder zugemacht.   An Umbetten ist aktuell nicht zu denken. Sobald ich sie anfasse (habe auch schon versucht, deutlich länger als 10 Minuten zu warten) schreckt sie hoch, zuckt zusammen, strampelt, wedelt und schreit. Teilweise passiert das auch schon völlig ohne mein "Einwirken", sie erschrickt sich manchmal sogar, wenn sie (von selbst) die Brust loslässt - reißt die Augen auf und schreit. Ich habe den Pucksack jetzt in mein Bett gelegt und sie liegt beim Stillen schon darauf, aber teilweise schaffe ich es noch nicht einmal, sie von der Seite auf den Rücken zu drehen oder den Schlafsack zuzuschnüren, ohne dass sie aufwacht und schreit.  Außerdem ist vor allem die zweite Nachthälfte extrem unruhig: Heute konnte sie nur mit meiner Hand auf dem Bauch schlafen. Sobald ich diese entfernt habe, wurde sie zappelig und drohte, aufzuwachen. Was außerdem neu ist, ist dass sie sofort weint beim Aufwachen, auch zur Stillpause. Normalerweise wurde sie ganz entspannt wach, hat nur den Kopf hin und her gedreht. Nach dem Stillen schläft sie auch immer gleich weiter, heute Nacht hatten wir aber wieder eine richtige Wachphase von knapp 2 h. Anders als durch Einschlafstillen bringe ich sie aktuell nicht (zurück) in den Schlaf, beim Kuscheln/Herumtragen regt sie sich nur auf, haben wir schon versucht.   Meinen Sie, das liegt am Kranksein? Oder ist das etwa der berüchtigte vierte Sprung mit der Schlafregression? Wobei die Schlafdauer weiterhin in Ordnung ist, 5,5 h in der ersten Nachthälfte, nur eben die Einschlafprobleme und das unruhige Schlafen. Ich würde mich sehr über Ihre Einschätzung freuen. Ich bin selbst an Corona erkrankt und es geht mir ziemlich schlecht, noch dazu maximal 5 h Schlaf pro Nacht zu bekommen (in der zweiten Hälfte ist sie immer so unruhig, dass ich ständig "aktiv" sein muss, damit zumindest sie schlafen kann), ist da natürlich eine enorme Zusatzbelastung. Vielen Dank im Voraus!

von rock-n-romi am 23.05.2022, 10:50



Antwort auf:

Baby extrem schreckhaft/unruhig beim (Ein-)Schlafen - liegt es am Kranksein?

Liebe Rock-n-romi, zuächst einmal wünsche ich Ihnen und der Kleine gute Besserung. Ausserdem möchte ich noch kurz etwas zum Thema Paracetamol sagen, denn dieses Thema liegt mir sehr am Herzen. Durch Medikamente sind die Kinder oft wie aufgeputscht und man hat den Eindruck, den Kindern gehe es besser, die Erkrankung und der Erreger bleiben allerdings. Das bedeutet, auch die Kleine braucht momentan mehr Ruhe, als es unter Paracetamol erscheint. Ich möchte hier einen sehr wichtigen Satz aus meinen erste Hilfe und "Mein Kind ist krank" - Kursen zitieren. "Ein Kind, was fiebert und nicht schwer krank ist, kann mit Fieber noch spielen. Ein schwer krankes Kind, was ein Fiebermittel erhalten hat, kann w i e d e r spielen. Das bedeutet, Fiebermittel verschleiern häufig die Symptome. Eine Coronainfektion hat bei Babys ja ehr einen milden Verlauf, trotzdem würde ich sehr sorgfältig abwägen, was ich an Medikamenten gebe. Zum Schlafen möchte ich sagen, dass ich von dem Begriff "Schlafregression" und auch die Theorie von dem berühmten 4. Schub befremdlich finde. Wenn man etwas Neues erlebt oder erlernt, ist man immer etwas angeregt und aufgeregt , aber das ist absolut keine Regression. (lat. rückläufige Entwicklung). In meinem Blog auf www.babymassage-duesseldorf.de habe ich dazu einen Artikel eingestellt. Entwicklung verläuft zwar in Phasen, aber diese sind ein normales Auf und Ab, so wie jeder es aus seinem Leben kennt. Dass die Kleine direkt beim Aufwachen weint, kann daran liegen, dass sie nur einen Schlafphasenwechsel hatte und dabei die Orientierung verloren hat. Hier langsam auf sie eingehen, sanft wiegen und möglichst wenig Interaktion anbieten. Wenn sie richtig schreit, Ruhe ausstrahlen und das Schreien begleiten, das muss sie dann einfach mal kurz los werden. Manchmal hilft auch ein kurzer Strategiewechsel, damit die Kleine wieder aus dem "Tunnel" heraus kommt. Beim Herumtragen regt sie sich wahrscheinlich deshalb auf, weil es zu viel Input für ein müdes Kind ist. Das Wichtigste ist, es, der Kleinen durch wiegen, tiefe eigene Atmung und pucken so viel Sicherheit zu geben, dass sie die Orientierung wieder findet. Ein Baby benötigt ca. 5 Minuten, bis es eine Situation versteht, also viel Zeit geben. Meine Empfehlung ist es, die Unruhe in der 2.Nachhälfte mit ihr aus zu halten, und eben nicht aktiv zu sein. Also pucken, schaukeln, wiegen, ruhig atmen, evtl. Kontakt halten. Wenn das Problem über die Coronainfektion hinaus geht, können Sie sich noch mal melden, dann würde ich allerdings empfehlen, ein Schlafprotokoll zu führen. Ich wünsche Ihnen alles Gute und verbleibe mit herzlichen Grüßen, Margit Holtschlag        

von M. Holtschlag am 23.05.2022