Sylvia Ubbens

Wie motiviere ich mein Kind sein Instrument zu üben

Antwort von Sylvia Ubbens

Frage:

Liebe Frau Ubbens,

mein Sohn ist sieben Jahre alt, zweite Klasse.
Im Kindergarten hat er einen Schnupperkurs Klavier gemacht und sich dann sehnlichst gewünscht, Klavierspielen zu dürfen.
In der ersten Klasse hat das wegen Corona leider nicht geklappt, was ihn sehr traurig gemacht hat, in der zweiten konnte er aber endlich einen Platz in der Musikschule bekommen und das heiß ersehnte Klavier zum Geburtstag.

Nun haben wir also ein recht kostenintensives Instrument da stehen und den Jahresbeitrag für den Klavierunterricht, und was passiert?
Er hat keine Lust zu üben. Er will es nach wie vor gern können, aber hat überhaupt keinen Fleiß, etwas dafür zu tun.
Er geht gern zum Unterricht und mag die Lehrerin, aber er erledigt seine Hausaufgaben nicht, d.h. er übt nicht. Es ist wirkich überschaubar, er soll das Lied der Woche 6 mal durchspielen, das ist nur ein einziges Mal pro Tag. Aber er will nicht, weil es ihm so schwer fällt. nd es fällt ihm schwer, weil er nicht übt.
Ich verstehe es nicht. Er sagt, er will weiter zum Klavierunterricht gehen, aber eben ohne üben. Was aber laut seiner Lehrerin leider natürlich keinen Nutzen hat, weil man ohne Üben keine Fortschritte macht. Wir zahlen also 100€ im Monat für nichts, was mich echt frustriert, weil wir das Geld an anderer Stelle einsparen müssen.

Haben Sie Tipps, wie man ihn besser motivieren kann? Ich erkläre ihm ständig, dass es erst Übung braucht, bis es Spaß macht, aber er ist trotzdem nicht bereit, mehr als drei oder vier Noten zu spielen und hört dann einfach auf.
Aufhören kann er mitten im Jahr nicht, d.h. wir müssen den Unterricht trotzdem weiter bezahlen. Und ich finde es auch problematisch, eine Sache sofort aufzugeben, nur weil es mal etwas Fleiß erfordert.

Danke für Ihren Rat.

von Rattenpack am 07.10.2021, 10:56 Uhr

 

Antwort auf:

Wie motiviere ich mein Kind sein Instrument zu üben

Liebe Rattenpack,

sprechen Sie mit dem Klavierlehrer. Wie schätzt er die Hausaufgabensituation ein und wie beurteilt er die Lernfreude während des Unterrichts. Macht es für ihn Sinn, dass der Unterricht fortgeführt wird oder plädiert er zu einer Pause?

Grundsätzlich ist es richtig, dass Kinder lernen sollten, auch durchzuhalten und auch mal Dinge zu machen, zu denen sie gerade nicht so viel Lust haben. Auf der anderen Seite hatte Ihr Sohn eine ganz andere Vorstellung. Er wollte mit anderen Kindern zusammen Spaß haben.

Mit zu viel Druck werden Sie nichts erreichen. Vielleicht hilft sanfte Überredung z.B. in der Form, dass zu einer relativ festgelegten Zeit einmal das Lied gespielt wird und dann eine "Belohnung" folgt, wie z.B. dass aus seinem Lieblingsbuch ein Kapitel vorgelesen wird.

Viele Grüße Sylvia

von Sylvia Ubbens am 07.10.2021

Antwort auf:

Wie motiviere ich mein Kind sein Instrument zu üben

Ich glaube - sorry! - ihr wart zu voreilig bzw. habt nicht so recht bedacht, dass Kinder in dem Alter sich sehr viel sehnlichst wünschen ohne abschätzen zu können, was es zB an Üben bedarf. Es wäre besser gewesen, ein Klavier zunächst zu mieten und erst mal zu schauen, wie lange die Begeisterung anhält. Gerade, wenn es etwas so kostspieliges ist oder eben übungsintensives wie Klavier.
Nun ist es , wie es ist - aber ich denke, euerem Kind könnt ihr in dem Alter noch keinen Vorwurf machen oder ihm mit Argumenten wie "kostet 100 Euro im Monat" kommen.
So leid es mir tut, aber aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, dass solche Begeisterung für ein Instrument oder Sportart noch öfter kommen werden und genau so schnell wieder gehen. Auch, wenn man vorher x mal erklärt, dass man dann aber zB üben muss etc. Wird alles abgenickt - aber nicht wirklich verstanden und kann ernsthaft überdacht werden.
Deswegen denke ich, ihn zu zwingen oder täglich überreden zu wollen, mit ihm zu diskutieren, dass er aber üben muss, wird nicht viel bringen außer noch mehr Gegenwehr.
Ich würde es der Lehrerin überlassen, mit ihm darüber zu reden. Es hat meistens einen größeren Effekt, wenn die Lehrerin mosert oder dazu etwas sagt. Vielleicht redet ihr auch mal mit ihr - sie wird sicher Erfahrung mit solchen Dingen haben und hat vielleicht ein paar Tipps, wie man motivieren kann oder das ganze spielerisch zu machen.
Habt auch im Kopf: Schule ist für Kinder anstrengend. Sie müssen da schon die Pflicht lernen, üben etc erfüllen - und dann kommt in ihrer Freizeit noch mal üben als Pflicht hinzu. Ein Instrument zu erlernen ist da schon eine andere Hausnummer als eine Sportart, die man entweder nur 1 wöchentlich macht oder bei größerem Interesse auch 2 oder 3 mal zum Traininggeht.
Wir hatten das Thema "dabei bleiben/aber du wolltest das doch unbedingt" dennoch mit Sportarten und waren beim 1. Anlauf auch voll übermotiviert und haben dafür Lehrgeld gezahlt. Erst im 3. Anlauf hat er eine Sportart gefunden, die ihm wirklich Spaß macht und die betreibt er jetzt schon 2 Jahre. Klar, auch mal mit Unwillen - aber wirklich ganz aufhören will er dann doch nicht.
Und es kommt noch etwas hinzu: nicht wenige Kinder sind einfach noch nicht so weit mit 7 Jahren zu verstehen, das Lernen manchmal dazu gehört, der Erfolg des Lernens aber erst x Wochen später spürbar ist.
So, langer Rede kurzer Sinn - seht es im Zweifel als Lehrgeld. Sprecht mit der Lehrerin, vielleicht hat sie Tipps, aber rationale Erklärungen oder Druck werden wohl eher nicht fruchten.

von cube am 07.10.2021

Antwort:

Nachtrag zu "im Kindergarten"

Versteh ich das richtig, dass sein Wunsch und euer Klavierkauf auf einer 2 Jahre alten Erfahrung eines KiGa-Schnupperkurses beruht?
Wenn in der Zwischenzeit keine Schnupperstunden in einer Musikschule oder bei der Lehrerin stattgefunden haben, wundert mich das nicht so wirklich, dass er keine Lust hat.
Die Schnupperkurse im KiGa sind doch etwas ganz anderes als richtiger Einzelunterricht.
Da hat unser Kind auch fröhlich "alle meine Entchen" und "Hänschen klein geklimpert" und gemeint, er könnte jetzt Klavier spielen ;-) Das sind ja die beiden Stücke, die Kinder auch auf dem Xylophon ganz einfach speilen können - und ganz ohne Fingerübungen, Noten lernen etc.

Vielleicht hat er ja doch ein paar Stunden richtigen Unterricht gemacht, bevor ihr ein Klavier gekauft habt und ihn für 1 Jahr angemeldet habt - dann bleibe ich dennoch bei meinem ersten Text. Wenn aber nicht - dann würde ich sagen, er ist mit der lustigen, spielerischen Erinnerung aus dem KiGa in einen Unterricht gekommen, der davon sehr weit entfernt ist und den er so gar nicht auf dem Schirm haben konnte.
Dann wäre ich erst recht dafür, ihn eher in Ruhe zu lassen mit Üben und zu gucken, was dann passiert. Dann denke ich, müsstet ihr euch eher "den Schuh anziehen", voreilig gehandelt zu haben. Er kann dann echt nichts dafür, dass der Unterricht jetzt so anders ist als das, was er aus dem Kiga kennt.

von cube am 07.10.2021

Antwort:

Nachtrag zu "im Kindergarten"

Danke cube, aber so ganz passt das für uns nicht.
Erstmal war der Unterricht im Kindergarten durchaus strenger und es gab viel mehr Hausaufgaben (Noten ausmalen, Lieder auswendiglernen usw). Das hat er damals aber noch alles gemacht.
Jetzt hat er einen sehr netten, lockeren Lehrer und das Üben ist auf ein kurzes Lied am Tag begrenzt oder eben alle zwei Tage das Lied zweimal. Das ist pro Tag keine Minute, also wirklich nicht viel Übungsaufwand.
Dann wusste er auch, wie der Unterricht sein würde. Er hatte einen Monat Probestunden, danach mussten wir uns entscheiden. Und er wollte das eben! Nur hatten wir in den ersten drei Wochen Probestunden eben das Klavier noch nicht.
Man kann hier dann nur gleich ein Jahr buchen, anders geht es bei uns im Ort leider nicht.
Auch Klavier mieten ist hier leider keine Möglichkeit, wir konnten nur eins kaufen. Es ist aber gebraucht und wir könnten es ohne Verlust weiterverkaufen, das wäre nicht das Problem.

Was er sich anders vorgestellt hatte: Er wollte gern mit anderen Kindern zusammen lernen. Das würde ihn sicher ach motivieren, man will ja dann nicht der schelchteste sein. Das gibt es aber leider nicht; es war zwar als Gruppenunterricht geplant, aber es gab leider keine anderen Anmeldungen. (Wir wohnen sehr ländlich.)
Und er hatte eher an Popmusik gedacht, als an Kinderlieder. Aber damit kann man nun mal nicht anfangen.

Ich finde es keine gute Eigenschaft, alles sofort aufzuhören, weil man etwas Arbeit investieren muss. Da neigt er leider sehr zu. Zum Fußball wollte er nicht mehr, nachdem sie das erste Spiel verloren hatten, das Reiten hat er nach dem ersten Runterfallen abgebrochen ... In der Schule macht er auch schnell dicht, wenn ihm nicht alles von allein zufliegt.
Ich kann ja schlecht zusehen, wie er alles anfängt und wieder hinwirft, wenn es mal ein bisschen Fleiß erfordert, das ist doch meine Aufgabe als Mutter, ihn zu etwas Disziplin zu erziehen.
Aber ich kann ihn auch schlecht zwingen. Dann sagt er "Nö" und schmollt.

von Rattenpack am 07.10.2021

Antwort auf:

Wie motiviere ich mein Kind sein Instrument zu üben

Ich sehe es ähnlich wie cube.

Mir fällt noch auf, dass du sehr in “müsste er/ sollte er” verfällst. Das ist wenig motivierend sondern erzeugt Druck. Motivation ist für mein Gefühl einen Anreiz schaffen, der ein Stück weg mit Leichtigkeit und Spaß verbunden ist. Also vielleicht indem ihr echtes Interesse an seinem Können und Erlerntem zeigt. Dann würde er sicher gern was vorspielen und noch besser werden. Aber das Interesse muss natürlich von Herzen kommen, also echt sein.

Was hat sich denn im Wesentlichen verändert? Im KiGa war alles noch ohne Zwang, ebenso in der Probestunde. Nun ist alles fixiert, der Jahresbeitrag bezahlt und nun MUSS er. Und hier liegt meines Erachtens der kasus knacktus. Dein Druck überträgt sich durch “er müsste doch/ sollte doch”/ “Disziplin muss sein und bin ich verpflichtet beizubringen” / überspitzt formuliert: “So kann ich meinen Jungen nicht akzeptieren. Er ist erst gut genug, wenn er durchhält und unangenehme Dinge wie Lernen durchzieht.” und erzeugt Gegendruck.

von SuJam am 07.10.2021

Antwort auf:

Wie motiviere ich mein Kind sein Instrument zu üben

Setzt Du Dich denn mit Deinem Sohn zusammen ans Klavier? Ich kenne diese Unlust von früher von meinen jüngeren Geschwistern, die war dann aber komplett verflogen, sobald ich dabei saß und wir "zusammen" übten.

von Mörchen17 am 08.10.2021

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