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Sozialpädagogin Sylvia Ubbens

Kindererziehung

Sylvia Ubbens, Dipl.-Sozialpädagogin

   

 

Wie am Besten mit extremen Wutanfällen umgehen?

Hallo, meine Tochter ist 17 Monate alt und ein jähzorniges Energiebündel...
Ich weiss, jedes Kind macht Trotzphasen durch, das Eine mit mehr Getöse als Andere und umgekehrt. Meine Tochter explodiert bei jeder Kleinigkeit und mittlerweile weiss ich bei vielen Sachen einfach nicht mehr, wie ich am Besten drauf reagieren soll.

Beispiel: Irgendwas passt ihr nicht - sie holt ihren Trinkbecher vom Tisch und schmeisst ihn auf den Boden. Dann bekommt sie gesagt "Heb den Becher auf" oder "Stell den Becher wieder auf den Tisch" Sie weiss genau was man von ihr will, aber stellt sich daneben, zeigt drauf und fängt dann wie Irre an zu schreien. Ich bleib dann solange dabei und sag immer wieder "Aufheben" und lasse sie nicht weggehen, bis sie den Becher aufgehoben hat. Das kann schon mal ne halbe Stunde dauern. Ich denke mir nur, wenn ich es ihr einmal durchgehen lasse, hab ich verloren. Wobei andere sagen, ich wäre viel zu streng und würde das Kind überfordern. Obwohl sie ja genau weiss, was sie machen soll. Wenn sie friedlich und gut gelaunt ist, dann macht sie das ohne Probleme direkt nachdem man einmal was gesagt hat...

Beispiel 2: Badezimmer- und Küchentür halten wir zu wegen unseren Katzen. Bin ich mit der Kleinen in der Küche und will rausgehen (mit ihr) und Tür zumachen, versucht sie auf Biegen und Brechen drin zu bleiben (immer). Ich sage "Komm wir gehen ins Wohnzimmer" oder Ähnliches, stell mich ihr in den Weg oder sonst was, fängt sie auch an zu schreien. Dann schiebe ich sie vorsichtig Richtung Tür, erst wehrt sie sich, dann läuft sie plötzlich los und lässt sich im vollen Flug auf die Nase fallen und schreit das ganze Haus zusammen. Reagieren, nicht reagieren alles egal, sie hört dann nicht auf. Habe auch schon versucht, das Ganze zu umgehen, hab sie einfach auf den Arm geholt, irgendwie abgelenkt und währenddessen raus und Tür zu. Sie will auf den Boden, läuft zur Tür zurück, merkt dann dass sie zu is und schmeisst sich wieder auf den Boden...

So ist das mit sehr vielen Sachen. Letztens wollte sie mit einem Wachsmalstift auf der Couch malen, ich hab gesagt "Nicht die Couch anmalen, sonst hol ich den Stift weg", sie guckt mich böse an und während sie mich anguckt malt sie schnell einen langen Strich auf die Couch! Ich hab den Stift weggeholt. Sie fängt an zu maulen, kommt zu mir und boxt mich voll auf die Nase. Und dann lacht sie... Was soll man dazu noch sagen???
Zur Strafe hat sie 15 Minuten im Laufstall verbracht. Danach war sie wieder friedlich.

Was kann ich besser machen? :(

von mieze1289 am 06.02.2019, 23:14 Uhr

 

Antwort:

Wie am Besten mit extremen Wutanfällen umgehen?

Liebe mieze1289,

versuchen Sie, manchen Wutanfällen aus dem Weg zu gehen. Wenn der Becher regelmäßig aus Wut auf den Boden geworfen wird, stellen Sie den Becher immer außer Reichweite und reichen ihn Ihrer Tochter nur, wenn sie trinken möchte.
Kündigen Sie an, wenn Sie den Raum wechseln wollen und gehen schon mal vor. Bestimmt wird Ihre Tochter nachkommen, da sie nicht alleine in der Küche oder einem anderen Raum sein möchte. Schließen Sie die Tür, wenn Sie bei Ihnen ist. Ggf. bieten sie ein Spiel an, stellen es schon mal bereit, damit Ihre Tochter auf das Spiel fixiert ist und schließen dann die Tür.
Beispiel Sofa anmalen schließe ich mich meiner Vorrednerin an: Statt eines Verbots auszusprechen, bieten Sie ein Blatt Papier an.
Gerade bei immer wiederkehrenden Situationen können Sie schon im Vorfeld überlegen, wie diese vielleicht zukünftig umgangen werden können. Auf diese Weise werden die Anzahl der Wutanfälle schon einmal minimiert. Auch, wenn Ihre Tochter schon recht weit ist, ist sie dennoch ein noch nicht einmal 1 1/2-jähriges Kind, das mit ihrem Verhalten zeigt, dass sie noch so jung ist und genauso behandelt werden sollte. Bis etwa 18 Monate ist es z.B. nomal, dass Kinder austesten, ob ein Nein auch wirklich immer Nein bedeutet und bestimmte Dinge somit immer wieder ausprobieren.

Sprechen Sie ein deutliches Nein aus und setzen Ihre Tochter auf Abstand, wenn sie haut. Sie darf erfahren, dass ihr Verhalten nicht in Ordnung ist.

Möchte Ihre Tochter etwas, dem Sie nicht zustimmen können, versuchen Sie eine Alternative anzubieten. "Einen Keks kannst du nicht bekommen, ich kann dir aber einen Apfel klein schneiden." So muss Ihre Tochter nicht wütend über ein Nein werden, sondern kann über die Alternative nachdenken.

In Situationen, in denen keine Alternative oder vorherige Ablenkung helfen und Ihre Tochter wütend wird, bleiben Sie in Ihrer Nähe und warten ab. Vielleicht setzen Sie sich auf den Boden, damit Sie auf Augenhöhe sind und warten ab. Ihre Tochter wird nach einiger Zeit bereit sein, Trost anzunehmen und zu Ihnen kommen.

Viele Grüße Sylvia

von Sylvia Ubbens am 08.02.2019

Antwort:

Wie am Besten mit extremen Wutanfällen umgehen?

Ich finde, du verlangst teilweise zu viel von ihr/traust ihr zu viel Verständnis zu. Sie mag die Worte zwar verstehen, aber den Sinn, warum sie den Becher aufheben soll, versteht sie deswegen noch lange nicht. Außerdem testet sie auch gerade aus. Natürlich ist eine konsequente Linie gut - so weiß sie, was du erwartest. Aber ja, ich finde, die Art und Weise, wie du die Dinge durchsetzen willst, streng für dieses Alter.
Bzgl. des Bechers zB: du könntest ihr auch einfach erklären, dass du das nicht willst, den Becher wieder auf den Tisch stellen und ihr sagen, dass du ihn ganz wegstellst, wenn sie ihn weiterhin runterwirft. Und das dann eben auch machen. 30 Min. immer wieder sagen "aufheben" und sie daneben stehen lassen hat schon etwas von "Kampf ausfechten" oder Drill.
Natürlich probiert sie in dem Alter aus, ob den "Nein" auch 2 Minuten später noch gilt. Das ist normal. Wie zB trotz deiner Erklärung wieder zur Küche rennen. Sie versteht nicht wirklich, warum sie das nicht soll - schließlich wart ihr doch eben noch zusammen in der Küche und andererseits will sie eben auch testen, ob das "Nein" gilt. Kündige doch vorher an, dass ihr jetzt gleich raus geht und die Türe bitte zu bleibt und frage sie, was sie dann gerne machen würde/biete ihr direkt eine Beschäftigung an. Läuft sie dennoch hin und wirft sich auf den Boden - gut, kann sie ja machen. Du darfst aber nicht erwarten, dass sie dann auch sofort aufhört, wenn sie keinen Erfolg mit ihrem Schreien hat. Du kannst sie im Gegenteil sogar trösten, ihr sagen, dass du ihre Verärgerung verstehst, aber die Türe nun mal zubleibt.
Bspl. Stifte: versuch doch mal, die Dinge positiver zu formulieren anstatt eine Drohung auszusprechen. "mit Stiften mal man auf Papier - hier hast welches". Will sie auf dem Sofa malen, erklärst du ihr, dass du das nicht willst und bleibst halt mal bei ihr und hältst sie davon ab. Oder aber kündigst an, dass du die Stifte leider wegpacken musst, wenn sie aufs Sofa malt. Aber mit 17 Monaten ist sie zu jung, um eine Anweisung einfach so umzusetzen - egal wie gut sie die Worte an sich versteht.
Daher finde ich auch die Laufstall-Strafe viel zu hart. Und dazu ist es keine Konsequenz - sondern eben eine Strafe im Sinne von Macht demonstrieren. Eine logische Konsequenz wäre eben die Stifte einzusammeln.

von cube am 07.02.2019

Antwort:

Wie am Besten mit extremen Wutanfällen umgehen?

Hallo, danke für deine Meinung.
Grundsätzlich schließe ich mich dir an, aber es ist ja nicht so, dass ich es nicht auf die sanfte Methode schon versucht habe.
Das was ich geschrieben habe, waren ja auch nur Beispiele. Wir fechten praktisch mit allem einen Kampf aus, so doof wie sich das anhört...
Und ihr irgendwas lang und breit erklären - ich hab gelesen und mir sagen lassen, man soll das nicht, da es sowieso nicht verstanden wird. Ein klares "Nein" wird verstanden, aber keine langen Erklärungen wieso weshalb warum.
Aber trotz allem habe ich das natürlich auch versucht, zB beim Becher-Problem: der fällt runter und alles wird vollgespritzt und versaut. Ist natürlich nicht toll, wenn man 20x am Tag putzen muss.
Habe auch schon erklärt und auch mit ihr auf dem Boden gesessen und sie hat mir wischen geholfen - aber das ist für sie natürlich nur ein Spiel.
Deswegen habe ich dann die andere Methode versucht: "Becher gehört auf den Tisch und fertig" Und sie versteht das und weiss genau was Sache ist. Wenn er aus Versehen runter fällt, sagt sie "Oh", hebt ihn auf, stellt ihn auf den Tisch, guckt mich an und klatscht. Dann wird sie natürlich auch direkt gelobt.
Es ging mir eher darum, dass sie, wenn sie bockig ist, den Becher extra runterwirft aus Provokation. Wir haben mehrfach mit dem Kinderarzt drüber gesprochen, und waren wegen Schreien in der Schreiambulanz usw, da wurde das Kind natürlich auch komplett begutachtet. Fakt ist, vom Kopf her benimmt sie sich eher wie eine 3Jährige, daher kann man von ihr auch etwas mehr verlangen. Und laut Kinderarzt muss ich aufpassen, dass sie mir nicht auf der Nase rumtanzt und ich soll sie ruhig strenger erziehen, da sie sowieso schon so impulsiv ist.
Auch an so Kleinigkeiten wie Schuhe anziehen merkt man es. Ich sag Schuhe anziehen, sie setzt sich hin und hebt einen Fuß in meine Richtung. Dann sag ich, geb mir bitte den anderen Fuß - dann hebt sie den anderen Fuß! Sie versteht wirklich sehr viel für ihr Alter.

Und das mit dem Laufstall ist keine Machtdemonstration, sondern eine ruhige Ecke für das Kind, wo es sich selbst abregen und runterfahren kann. Wenn sie Wütend ist und schreien will, darf sie das tun. Ich bin kein Diktator. Trotz allem gibt es kein Schlagen und Boxen. Da gibts kein Wenn und Aber. Sie hat das auch schon zweimal im Kindergarten gemacht und sowas kann man ihr nicht durchgehen lassen. Ich sage dann nichts zu ihr, reagier nicht drauf und setze sie einfach ein paar Minuten in den Laufstall. Das funktioniert am Besten bei Ihr.

von mieze1289 am 07.02.2019

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