Sylvia Ubbens

Wie 7 Jährigen motivieren / zur Ehrlichkeit erziehen?

Antwort von Sylvia Ubbens

Frage:

Liebe Frau Ubbens,
mein Sohn wird demnächst 7. Wir machen mit ihm gerade eine schwierige Phase durch: Er sucht immer (ja, leider keine Ausnahme bekannt) den aller leichtesten Weg. Mit der Schule gibt es Probleme, weil er null Motivation hat. Er stopft seine Hefte und Blätter wild in den Ranzen. Man kann täglich mit ihm den Ranzen durchgehen und packen - bis er in der Schule ist, fehlt wieder der Radierer / Schere / Stifte... Tadel der Lehrer juckt ihn nicht. Auch, dass er verlorene Dinge beim 2. Mal vom Taschengeld kaufen muss - null.
Er lernt an sich sehr schnell, gibt sich aber keine Mühe. Entsprechend lernt er keine Wörter in der Fremdsprache, was dort zunehmend zu Problemen führt. Lesen und Schreiben hat er innerhalb kürzester Zeit jetzt im Homescooling stark verbessert.
Er kann also, wenn er will. Aber er will nicht. Alles, was er möchte, ist: In Ruhe allein mit Autos spielen, vielleicht auch im Sandkasten und etwas Leckeres zum Essen bekommen. Wenn es irgendetwas gibt, was seinen Willen stört, räumt er es aus: Hausaufgaben werden entweder geleugnet (ich hab keine) oder hingeschmiert. Wenn man ihm das wieder rausradiert und ihn auffordert, es ordentlich zu machen, dauert es schon mal bis zu 3 Stunden für ein Blatt - er versucht alles, um uns zum Aufgeben zu bewegen. WIch kann da sehr hartnäckig und geduldig sein, aber Kraft kostet es mich sehr. Mein Mann ist inzwischen nur noch gereizt im Umgang mit ihm. Unser Sohn hat ihn in letzter Zeit so viel angelogen und auch einige Sachen im Spiel kaputt gemacht - aber steif und fest behauptet er war's nicht.
Wir wollten ihn nun die erste Klasse wiederholen lassen, weil wir den Eindruck haben, dass er nicht reif genug ist.
Davon rät die Klassenlehrerin ab, weil er ja dann noch weniger Anreiz hat, zu lernen, wenn er es eh schon kann.
Sie meint, er könnte hochbegabt sein, wir sollten das testen lassen. Aber selbst wenn er es wäre, würde das nicht sein Lügen und seine Bequemlichkeit beheben, die den Familienalltag inzwischen sehr belasten.
HabenSie einen Rat für uns?

von InmeinemkleinenApfel am 06.05.2020, 09:29 Uhr

 

Antwort auf:

Wie 7 Jährigen motivieren / zur Ehrlichkeit erziehen?

Liebe InmeinemkleinenApfel,

viele Kinder brauchen längere Zeit, um den "Ernst" der Schule zu begreifen. Für sie ist das alles noch ein Spiel und in dem kann man mehr oder weniger machen, was man gerne möchte. Nehmen Sie sich und Ihrem Sohn den Druck. Vielleicht führen Sie ein Hausaufgabenheft ein, in dem die Lehrerin einträgt, was die Hausaufgaben sind. Sie kontrollieren zu Hause dann nur, ob die Hausaufgaben erledigt wurden. Seine Lehrerin kann dann mit Ihrem Sohn besprechen, wie er die Aufgaben besser erledigen sollte.
Bzgl. der Fremdsprache lassen Sie ihm Zeit bzw. besprechen mit der Lehrerin, was sie vorschlägt, wie weiter vorgegangen wird.
Wichtig ist, das Loben nicht zu vergessen, z.B. dafür, dass er so toll Lesen und Schreiben gelernt hat.
Kinder in der ersten Klasse sollten i.d.R. nicht länger als 30 Minuten Hausaufgaben erledigen. Die Konzentrationsspanne ist meist nicht länger und wird dann für die Kinder (und Eltern) zur Qual. Entsprechend sinkt die Motivation.

Schenken Sie Ihrem Sohn viel Zeit als Ausgleich für das Lernen. Ihm sind Ruhe und Zeit zum Spielen wichtig. Die braucht er für eine gute Entwicklung.

Wird der Druck aus dem Lernen genommen, wird er sich sicherlich auch nicht mehr so häufig genötigt fühlen zu lügen.

Viele Grüße Sylvia

von Sylvia Ubbens am 07.05.2020

Antwort auf:

Wie 7 Jährigen motivieren / zur Ehrlichkeit erziehen?

Also vorweg: die Aussage "Hochbegabt" wird zur Zeit inflationär benutzt, sobald ein Kind theoretisch könnte, aber nicht mitmacht/will. Entweder von Eltern, zunehmend aber auch von Lehrern, die damit euch erst mal den Ball zuschieben mit testen lassen etc.

Mit der Meinung "unser Kind kann, ist aber zu faul (hart gesagt)" sind wir auch mal zu unserer KL.
Die hat uns nett und freundlich den Zahn sofort gezogen.
Ihre Aussage: Kind ist intelligent, freundlich, sozial und bemüht! Aber: er ist noch nicht wirklich an dem Punkt angekommen, wo lernen für ihn einen echten Sinn ergibt. Das wäre ein Reifungsprozess, für den er einfach noch etwas Zeit benötigt. Ebenso für eine längere Konzentrationsspanne.
Dazu käme eine gewisse Anspruchshaltung bzw. Unsicherheit: er meint, es nicht gut genug und sagt dann aber "mach ich nicht". Es ist mehr eine Ausflucht aus der möglichen Situation, sich blamieren zu können.

Und tatsächlich hat sich das mit zunehmendem Alter alles gebessert. Sowohl Konzentration, als auch das Bemühen oder einfach mal machen.

Ich sage inzwischen nicht mehr "strengt sich nicht an" - sondern "ein gutes Pferd springt nur so hoch wie es muss" ;-) Blockiert er Aufgaben, frage ich nach, ob er es evt. noch mal erklärt haben möchte. Weil er selbst eben nicht gerne sagt, er hätte es nicht verstanden/kann es noch nicht gut.
Die KL hat uns auch gesagt, es würde ihm helfen, länger in der Schuleingangsphase zu bleiben - unsere Bedenken "kein Anreiz, sich zu bemühen" hat sie gekontert mit "im Gegenteil! Die meisten Kinder haben dann zum ersten mal das Gefühl, zu den Guten zu gehören/etwas richtig gut zu können". Sie haben ja einen Vorsprung gegenüber den anderen Schülern und das würde sie extrem motivieren. Sie hätte noch nicht erlebt, dass ein Kind darunter gelitten hätte oder gar nichts mehr getan hätte.

Evt. ist das auch das Problem bei seinen "Lügen" - er lügt nicht, ums ich einen Vorteil zu verschaffen, sondern um seine vermeintliche Unfähigkeit es gut zu machen zu verdecken.

Ich würde also eher dazu raten, ihm mal keinen Druck bzgl. "mehr anstrengen" zu machen, sondern ihn für das, was er gut macht zu loben. Bei Verweigerung nett fragen, ob man nochmal helfen soll. Ich sag oft "wer fragt, ist schlau und nicht dumm - wer nicht fragt, erfährt ja nichts".
Ach ja: Ordentlichkeit ist vielen Jungs nicht gegeben ;-)

Wenn ihr meint, euer Kind könnte HB sein, lasst ihn natürlich gerne testen - aber idR fällt so etwas schon auch den Eltern auf. Ob das ungewöhnliche Interessen mit einem enormen Wissendurst und Wissen darüber ist, sehr schnell erlernte Dinge etc. Oder auch Aggressivität, Wutausbrüche etc wegen Unterforderung. Nur "sich nicht genug bemühen, obwohl nicht dumm" ist eigentlich kein Kriterium für HB.

von cube am 06.05.2020

Antwort auf:

Wie 7 Jährigen motivieren / zur Ehrlichkeit erziehen?

An Cube:
Danke für deine Antwort und als Ergänzung:
Nein, wir haben gar nicht den Eindruck, dass er hochbegabt ist. Er ist eigentlich "völlig normal", wenn ich ihn mir bzgl. Wissenserwerb im Vergleich mit anderen Kindern ansehe.

von InmeinemkleinenApfel am 06.05.2020

Antwort auf:

Wie 7 Jährigen motivieren / zur Ehrlichkeit erziehen?

Hallo,

eine Ergänzung zu Cube: Wenn er seine Aufgaben hinschmiert, lass es so. Das ist Aufgabe des Klassenlehrers, da und zu allen Hausaufgaben Rückmeldung zu geben. Wenn das wegfällt, habt ihr schonmal einen Konfliktpunkt weniger.

Viele Grüße

von Mamamaike am 06.05.2020

Antwort:

Ja - hinschmieren/unleserlich

schreiben mahne ich zwar an - sage aber auch "das sind deine Aufgaben, dann kläre das bitte mit der KL" wenn er es nicht nochmal sauberer schreiben möchte.

Das sage ich übrigens auch, wenn Kind meint, er könne das schon alles/müsste das nicht mehr machen "ok, dann sag das bitte der KL selbst - die Schule ist nämlich DEINE Arbeit und Verantwortung".

von cube am 06.05.2020

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