Sylvia Ubbens

Tyrann

Antwort von Sylvia Ubbens

Frage:

Guten Tag!
Ich brauche unbedingt Hilfe!
Mein Sohn 10 Jahre ist ein Tyrann!
Er will immer sein Kopf durchsetzen.
Wenn wir etwas falsches sagen, verbessert er uns, aber immer wiederholend und in einem Schnippchen Ton. Er redet mit uns, wie mit seinen Kollegen, schreit uns an, immer ein Befehlston an sich. Wenn er was machen soll, nur mit meckern und knurren.
Ich glaube, ich habe in der Erziehung viel falsch gemacht, wollte alles harmonisch haben und habe ihm immer zu viel geholfen und abgenommen.
Bekommt man das wieder hin oder ist das jetzt vorbei und ich bekomme das tyrannische nicht mehr raus?
Können Sie mir bitte einen Tipp geben. So geht es nicht weiter, selbst bei den Hausaufgaben nur gemeckere, nörgelt so lange, bis ich ihm helfe oder sogar das Ergebnis sage. Ich kann nicht mehr, hier ist auch schon nur noch Theater mit meinem Mann, weil er das auf meine Erziehung schiebt, das unser Sohn so ist. Ist hätte komplett versagt und alles falsch gemacht.
Ich möchte keinen Tyrannen als Sohn, ich hi, es ist noch nicht zu spät.

Vielen Dank!
Mfg

von glücklichemama36 am 06.04.2020, 13:24 Uhr

 

Antwort auf:

Tyrann

Liebe glücklichemama36,

meine Vorrednerin hat schon sehr gut geantwortet. Ich hätte ähnlich geantwortet und werde die Worte hier nicht wiederholen, nur ergänzen:

Setzen Sie sich in einem ruhigen Moment mit Ihrem Sohn zusammen. Bestenfalls mit Ihrem Mann gemeinsam. Erzählen Sie, dass Sie die Situation derzeit nicht so toll finden und fragen nach, wie Ihr Sohn das Zusammenleben empfindet. Was würde sich Ihr Sohn in diesem Zusammenhang wünschen und was wünschen Sie sich. Kann gemeinsam ein Kompromiss gefunden werden? Halten Sie die Vorstellungen als gemeinsame Vereinbarung schriftlich fest. Nicht mahnend, sondern als Wunsch.

Wichtig ist nun Ihr konsequentes Handeln. Ihr Sohn möchte Hilfe bei den Hausaufgaben, dann erklären Sie ihm, was er wissen muss, ggf. wird die Aufgabe gemeinsam erarbeitet. Das Ergebnis wird nicht verraten. Klappt dies nicht in einem einigermaßen ruhigen Miteinander, sprechen Sie mit den Lehrern. Auch für den Fall, dass die Schulen auch nach dem 20.04. geschlossen bleiben, scheuen Sie sich nicht, die Lehrer zu kontaktieren. Die Lehrer kennen Ihren Sohn und wissen, ob er nur zu "faul" ist und sich aus dem Grund die Lösung gerne von Ihnen sagen lässt oder ob Erklärungsbedarf besteht. Oft hilft ein Gespräch von Lehrer zu Schüler, in dem der Lehrer die Sinnhaftigkeit von Hausaufgaben und den Umgang damit erklärt.

Meckert Ihr Sohn, wenn er eine Aufgabe von Ihnen bekommt, dann lassen Sie ihn gerne meckern und gehen nicht weiter darauf ein. Kommt er der Aufgabe nicht nach, sprechen Sie ihn noch einmal in einem ruhigen Ton darauf an und sprechen dann auch gerne eine Konsequenz aus. "Du kannst nur Fernsehgucken, nachdem du den Müll rausgetragen hast."

Wird im Befehlston um etwas "gebeten", dann erklären Sie freundlich, dass Sie freundlich darum gebeten werden möchten. Bleibt Ihr Sohn beim Befehlston, ignorieren Sie seine Bitte, ohne weiter darauf einzugehen.

Schreit Ihr Sohn, erklären Sie, dass Sie es nicht hören möchten und darum den Raum wechseln oder er den Raum wechseln soll.

Wichtig ist, nicht ins Schwanken zu geraten. Für alle Familienmitglieder wird es eine schwierige Zeit mit viel Protest. Weisen Sie gerne auf die gemeinsam getroffenen Vereinbarungen hin.

Neben dem ganzen "Strengen", darf natürlich der gemeinsame Spaß nicht fehlen. Fahren Sie gemeinsam Fahrrad, spielen Brettspiele oder was immer Ihrem Sohn Spaß macht und möglich ist. Er muss neben Ihrer Konsequenz auch Ihre Zuneigung spüren können.

Viele Grüße Sylvia

von Sylvia Ubbens am 07.04.2020

Antwort auf:

Tyrann

Hallo,

Du hast sicherlich nicht alles falsch gemacht, keine Sorge.
Wenn Du etwas ändern willst, fange eher klein an. Dein Sohn ist es nach Deiner Beschreibung ja nicht gewöhnt, dass er zu Hause "Gegenwind" bekommt.
Erklär ihm in einer ruhigen Minute, dass Du mit der Situation (nicht mit ihm) unzufrieden bist und dass sich jetzt etwas ändern wird.
Fang doch mit den Aufgaben an: Erkläre ihm, dass Du ihm ab sofort nichts mehr vorsagst, weil er ja selbst nachdenken soll, dass Du ihm aber gerne weiter hilfst, wenn er sich in einem vernünftigen Ton an Dich wendet.
Du musst da aber ganz konsequent bleiben und auch aushalten, wenn er meckert oder tobt. Wenn es zu arg wird, sag ihm ruhig, dass Du auf so etwas (wie bereits besprochen) keine Lust mehr hast und deswegen den Raum verlässt, aber gerne wiederkommst, wenn er sich beruhigt hat. (Ihn wegschicken bei Hausaufgaben ist ja eher kontraproduktiv.)
Wenn er merkt, dass er damit nichts mehr bewirkt, wird er sein Verhalten ändern.
Dann gehst Du die anderen Baustellen nach und nach auch an. Das wird aber sicherlich eine ganze Zeit dauern, da brauchst Du einen langen Atem. Und sprich Dich mit Deinem Mann ab, dass ihr an einem Strang zieht.

Viele Grüße

von Mamamaike am 06.04.2020

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