Sylvia Ubbens

Tipp?

Antwort von Sylvia Ubbens

Frage:

Hallo Frau Ubbens,
ich brauche Ihren Rat. Mein Sohn (zweieinhalb) bringt mich gerade an den Rand eines Nervenzusammenbruchs. Hier mal einige Situationen:
1. Er geht seit diesem Jahr ganztags in den Kindergarten. Leider hat er sich dort von einem älteren Jungen einige "Unarten" abgeschaut. Bevor er im Kindergarten war, hat er zuhause weder gehauen noch getreten noch gespuckt. Und ich konnte ihn trotz seines vorhandenen Temperaments immer noch gut bei mir haben.
Nun ist es seit ein paar Wochen aber so, dass er meinen Mann (der nur am Wochenende daheim ist) und mich bei jeder Gelegenheit tritt oder haut.
Er schaut uns dabei oft gespannt und grinsend an, das zeigt doch, dass er nur provozieren will und auf eine Reaktion gespannt ist, oder? Wir sagen dann laut und deutlich "NEIN!" und drehen uns für einen Moment weg. Leider hilft das aber überhaupt nicht. Er macht es bei der nächsten Gelegenheit gleich wieder. Oder aber er tritt nach uns, wenn ihm irgendetwas nicht passt.
2. Außerdem kann er, seitdem er im Kindergarten ist, nur noch "laut". Egal, was er macht, der Geräuschpegel dabei ist unerträglich. Alles wird vertont, ob er nun mit seinen Autos spielt oder mit Bauklötzen, er kann auch nicht in normaler Lautstärke sprechen, nein, er schreit regelrecht. Das ist wohl auch im Kindergarten so. Ständig muss ich ihn zur Ruhe ermahnen, dabei tut mir das im gleichen Moment leid, weil ich ihn nicht rund um die Uhr zurechtweisen möchte. Das steigert seine Unzufriedenheit ja nur noch mehr..
3. Ich bin unter der Woche alleine mit ihm und unserem Neugeborenen.
Ich versuche, ihm zu viel ungeteilte Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, wie es nur geht. Aber das Baby ist nunmal auch zu versorgen (und vereinnahmt mich auch sehr, da es sehr oft unter Bauchschmerzen leidet und es nur durch Herumtragen/Massieren zu beruhigen ist) und auch der Haushalt muss ab und an erledigt werden! Das schaffe ich leider nicht immer vormittags. Und wenn wir dann etwas gemeinsam beginnen, bricht er nach wenigen Minuten ab. Beispiel: er möchte malen. Ich hole die Sachen hervor, er macht zwei Minuten mit, widmet sich dann aber wieder etwas anderem. Ich frage ihn, ob er noch malen möchte. Er sagt Nein, so dass ich erwidere, dass ich dann ja auch alles wieder aufräumen kann. Daraufhin ernte ich ein riesen Theater, denn wegräumen darf ich es nicht, mitmachen möchte er aber wie gesagt auch nicht!
4. Außerdem bringen ihn kleinste Kleinigkeiten zu einem Wutanfall. Zum Beispiel, wenn ich den Tisch schon alleine gedeckt habe, obwohl er trotz Aufforderung nicht rechtzeitig dazugekommen ist.
Oder wenn wir am Wochenende alle gemeinsam frühstücken und mein Mann ihm das Brot nicht klein genug geschnitten hat - dann wirft er sich auf den Boden, heult und tritt. Mein Mann fragt ihn, ob er noch essen möchte, dann solle er sich bitte setzen. Er verneint, heult und bockt weiter. Dann teilen wir ihm mit, dass das Essen dann beendet ist und wir es wegräumen. Das verstärkt seinen Wutanfall noch mehr!

Ich weiß nicht, irgendetwas scheine ichbzw. wir doch grundsätzlich falsch zu machen, oder?

von Sternenmond am 08.10.2014, 13:28 Uhr

 

Antwort auf:

Tipp?

Liebe Sternenmond,

Ihr Sohn findet es spannend, dabei zuzusehen, wie Sie reagieren, wenn er tritt und haut. Bleiben Sie bei Ihrem Nein. Verlassen Sie evtl. nach vorheriger Ankündigung kurz den Raum und drehen sich nicht "nur" weg.

2. Ihr Sohn hört nicht, dass es zu Hause viel ruhiger ist als im Kindergarten und er leiser spielen könnte. Um sich selbst und sein eigenes Spiel zu "hören", muss er im KiGa laut sein. Das hat sich so eingeprägt. Er wird vermutlich noch einige Wochen benötigen und kann dann auch zu Hause wieder leiser spielen.

Spricht er laut, sprechen Sie betont leise mit ihm und machen ihm so deutlich, dass er Sie versteht und Sie ihn auch verstehen, wenn er leise spricht.

3. Dass er nicht lange bei einer Sache bleiben kann, ist in seinem Alter ganz normal. Fragen Sie ihn nicht, ob Sie wegräumen dürfen, machen Sie es einfach. Evtl. fällt es ihm gar nicht auf und er muss sich nicht aufregen.

4. Dinge, wie nicht klein genug geschnittenes Brot, die zum Wutanfall führen. sollten erst einmal unkommentiert stehen gelassen werden. Ihr Sohn steigert sich nur noch mehr rein. Wenn er seinem Frust freien Lauf gelassen hat, wird er sich beruhigen und sich auch wieder an den Tisch setzen. Alles Fragen oder Feststellen, wie, dass das Frühstück dann beendet ist, verstärken den Wutanfall, wie Sie selbst schon festgestellt haben. Lassen Sie Ihren Sohn entscheiden, wann er sich wieder an den Tisch setzen kann. Die ersten Wutanfälle werden noch entsprechend lang sein, wenn aber keine erneute "Provokation" (aus Sicht Ihres Sohnes) dazukommt, kann er sich schneller beruhigen, zudem fehlt das Publikum.

Viele Grüße Sylvia

von Sylvia Ubbens am 08.10.2014

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