Sylvia Ubbens

Stress bei fast allem

Antwort von Sylvia Ubbens

Frage:

Liebe Frau Ubbens,
mein Sohn ist 25 Monate alt.
Ich habe eine ausgeprägte Angststörung und sehe überall Gefahren, Keime.....
Unser Sohn ist ein absolutes Wunschkind und ich war bei seiner Geburt 43 Jahre alt.
Nun mag es die Trotzphase sein, aber folgende Situationen zerren schon an den Nerven.
- fast jede Mahlzeit ist problematisch.
Unser Sohn ist kein guter Esser. Dazu kommt seit einigen Wochen, dass unser Sohn nur eine Minute am Tisch sitzen bleibt. Er steht auf, geht ins Wohnzimmer, kommt wieder zum Tisch, klettert auf seinen Stuhl, geht ins Wohnzimmer und stellt sich auf die Couch. Dann tanzt er stehend auf der Couch und provoziert regelrecht, dass wir angelaufen kommen, aus Angst er könnte fallen. Er freut sich richtig, dass Mama sich erschreckt und kommt.
Aber ich kann ihn ja nicht runterfallen lassen!
Seit einigen Monaten weigert er sich außerdem, im Hochstuhl zu sitzen. Deshalb sitzt er auf einem "normalen" Stuhl, und das tut er sehr unruhig. Ständig sind wir in Sorge, dass er vom Stuhl fällt
- jedes Wickeln, Anziehen ist oft mit Lamentieren verbunden. Hier hilft auch der oft ausgesprochene Rat nicht, ihn zwischen mehreren Optionen auswählen zu lassen
- unser Sohn kratzt und schlägt auch schon Mal zu. Es bringt auch nichts, ihm zu sagen, dass es weh tut.
- er ist sehr gerne draußen, aber jeder Spaziergang wird ein Kraftakt. Er will entweder aus dem Kinderwagen aussteigen oder wenn er laufen darf, möchte er nicht an die Hand, was nicht geht, da wir in Stadtmitte wohnen und viel Verkehr ist. Wenn er an die Hand muss, ist das mit viel Protest verbunden, meistens begleitet mit auf den Boden werfen etc. ( gerade diese Situation ist wegen meiner Angst vor Keimen für mich furchtbar)
Nun meine Fragen:
Wie können wir diese Situationen für alle angenehmer machen und entschärfen? Mir macht es weniger aus, wenn unser Sohn protestiert und brüllt, mein Mann ist da empfindlicher und gibt dann nach.
Meinen Sie, diese "Probleme" liegen an meiner Angststörung?
Wir lieben unseren Sohn über alles, aber der Alltag ist sehr unentspannt und wir möchten ihm doch eine entspannte, liebevolle Kindheit bieten.
Vielen lieben Dank,
Annapas

von Annapas am 25.11.2019, 12:31 Uhr

 

Antwort auf:

Stress bei fast allem

Liebe Annapas,

sorgen Sie dafür, dass Ihr Sohn zu den Hauptmahlzeiten auch wirklich Hunger hat. Das bedeutet, dass Sie ggf. Zwischenmahlzeiten weglassen. Nur wer Hunger hat, mag in dem Alter auch am Tisch sitzen bleiben. Zudem können Kinder aber auch lernen, dass sie kurz warten müssen, wenn Mama und Papa noch nicht mit dem Essen fertig sind. Vielleicht darf Ihr Sohn, wenn er fertig ist, Sie aber noch nicht, am Tisch ein Buch lesen o.ä.. Wichtig dabei ist aber, dass er nicht buchlesend isst. Das Buch gibt es erst, wenn sein Teller abgeräumt ist. Die Tür zum Wohnzimmer verschließen Sie, so dass Ihr Sohn während der Mahlzeit gar nicht auf dem Sofa turnen kann.

Auch ich würde den Hochstuhl, ggf. TripTrap oder ein ähnliches Model, wieder einführen. Ihr Sohn kann sich selbst auf diesen setzen, hat aber die richtige Höhe, um am Tisch zu sitzen und kann dann vielleicht auch wieder entspannter sitzen bleiben.

Wickeln muss sein. Haben Sie das Gefühl, Ihr Sohn muss gewickelt werden, gehen Sie zu ihm hin. Wann macht er gerade eine Spielpause? Nutzen Sie diese, um ihn an die Hand zu nehmen und ihn zum Wickelplatz zu führen. Schließen Sie auch da die Tür und machen Ihrem Sohn auf die Weise deutlich, dass er nicht weglaufen und alles Gezeter nur dazu führt, dass er nicht spielen gehen kann.

Ihr Sohn möchte sich draußen frei bewegen. Wie weit ist der nächste Stadtpark, Spielplatz o.ä. entfernt? Setzen Sie Ihren Sohn in den Kinderwagen und steuern in nächster Zeit ungefährliche Plätze an, damit Ihr Sohn nicht so lange im Kinderwagen sitzen muss und er alleine laufen kann.

Geben Sie nicht nach und der Papa sollte dies auch nicht tun. Ihr Sohn merkt sich dies und wird weiter seinen Willen durchsetzen. Grenzen setzen heißt Sicherheit geben, auch wenn der Protest am Anfang womöglich länger ausfallen wird, weil dem bisher oft nachgegeben wurde. Auf lange Sicht wird sich dadurch die Gesamtsituation entspannen.

Viele Grüße Sylvia

von Sylvia Ubbens am 27.11.2019

Antwort auf:

Stress bei fast allem

Ich glaube, es ist ein Mischung aus beidem - "Trotz"-Phase und deine Ängste.

Essen: Sage ihm, dass er am Tisch sitzen bleiben soll da du sonst davon ausgehst, er habe keinen Hunger mehr. Dann wird das Essen auch beendet. Heißt: er steht auf, du erinnerst ihn nochmal daran und dann kommt das Essen weg. Er wird nicht verhungern, weil er dann erst am Abend bzw. zum Nachmittag noch mal einen Snack bekommt. Kinder, die so viel Quatsch beim essen machen, haben oft einfach keinen Hunger mehr - oder müssen eben erst mal verstehen, das entweder gegessen oder Quatsch gemacht wird - nicht aber beides im Wechsel.
Bzgl. deiner Angst, er fällt vom Sofa herunter: ja, das kann und wird passieren - ganz egal, wie oft/schnell du hinterher läufst und ihn davor bewahren willst. Und auch wenn das jetzt hart klingt - Kinder müssen auch mal die Erfahrung machen, dass etwas schief geht. Euer Sofa wird sicher keine 2 Meter hoch sein und auch wenn er s ch dann mal weh tut - schwer verletzen sicher eher nicht.
Hochstuhl: ich würde diesen wieder einführen. Aber ohne irgendwelche Gurte oder Rausfallschutz. Normale Stühle sind für Kinder kaum zu bewerkstelligen in dem Alter. Auch er wird da Sorge haben, runterzufallen - der Stuhl ist viel zu groß für ihn und muss vermutlich mit Kissen aufgepolstert werden, damit er überhaupt an den Tisch kommt. da würde kein Kind ruhig sitzen bleiben ;-)
Wickeln etc: ja, da müsst ihr durch. Da können Kinder sehr renitent sein. Aber ohne frische Windel kann er eben nicht weiter spielen. Lass ihn dann auch nicht. Kündige das an und er kann dann entscheiden, ob es schnell wieder zum Spielen geht oder eben lange dauert.
Kratzen/Schlagen: nur mit ihm reden wird nichts nutzen. Ihr müsst euren Worten auch taten folgen lassen. Also zB sagen, das es euch weh tut und ihr deswegen jetzt ein Stück weg geht. Oder ihn wegsetzt. Er muss etwas haben, was er mit der Aussage "tut weh" auch verknüpfen kann um zu verstehen, was ihr wollt bzw. nicht wollt.
Protest draußen: Auch hier müsst ihr einfach konsequent bleiben - und du eben evt. auch doch noch mal mit einem Arzt an deinen Ängsten arbeiten. Dann bleibt er eben mal 5 Min. auf dem Boden liegen - aber er geht eben nicht ohne Hand an der vielbefahrenen Straße.

Diese ganzen Dinge sind eigentlich total normal - ich kann mir aber schon vorstellen, dass du mehr Stress empfindet als jemand ohne Angststörung und auch, das euer Sohn durchaus merkt, wie sehr dich das ängstigt bzw. dass du eben unsicher bist dadurch in den Situationen.
Natürlich findet er es toll, wenn du dann sofort zum Sofa rennst - du tanzt damit nach seiner Pfeife :-) Das andere, was dazu kommen könnte: er wird merken, wie gestresst du bist aus Angst vor Keimen oder möglichen Stürzen vom Sofa - und möglicherweise selber dann irgendwann ängstlich werden, sich auszuprobieren.

Schau doch mal, ob du nicht zB eine Selbsthilfegruppe findest von betroffenen Müttern. Ich gehe davon aus, dass du eh in psychologischer Betreuung bzgl. deiner Angststörung bist.

Ich wünsche euch bzw. dir auf jeden Fall alles Gute!

von cube am 25.11.2019

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