Christiane Schuster

Selbst- und Sozialkompetenz

Antwort von Christiane Schuster

Frage:

Liebe Frau Schuster,

seit Ende Februar besucht unser Sohn (5, bald 6, er hat noch ein 8 jährigen Bruder) einen neuen Kindergarten, der hier ganz in der Nähe von unserer Wohnung ist (2 min Fussweg, den er alleine macht). Er geht sehr gerne hin und kommt auch immer fröhlich heim, sie machen viele schöne Dinge dort, er hat auch schon mit einigen Kindergartenkollegen am nachmittag gespielt, mit einem Mädchen regelmässig, sie verstehen sich sehr gut. Wir Eltern wollten gerne ein Gespräch mit der Erzieherin (in ihrem ersten Praxisjahr), einfach mal zum Hören und Erfahren, welchen Eindruck sie hat und wie er sich eingelebt hat. Dies ist gestern erfolgt. Zunächst kamen einige postive Dinge (er ist offen, geht auf andere zu, hat seinen Platz gefunden, gute Fein- und körperliche Motorik, sehr sprachgewandt und kognitiv gut, kann selbständig basteln etc.) - dann aber der "Rundumschlag": geringe Selbst- und erst recht keine Sozialkompetenz, sprich: er schreit rum und flucht, wenn ihm etwas nicht passt und schlägt offenbar auch andere Kinder (nur Jungs). Kurzum: sehr niedrige Toleranzschwelle, auch liesse er sich oft nichts von der Erzieherin (resp. ihrer Kollegin, die 1x die Woche da ist) sagen. Wenn er sich verletzt, liesse er sich kaum beruhigen. Im Turnen habe er sich erst nach 2x getraut, von der hohen Sprossenwand zu springen, er traue sich nicht, mit dem Kopf beim Schwimmen unterzutauchen, er habe sich einmal bei einem verdrehten Latzhosenträger nicht helfen lassen, sondern unwirsch gesagt, das mache er selber. Also hm, irgendwie kam mir das ganze irgendwie kleinlich vor, diese Beispiele. Ich bin absolut einig, dass weder Schlagen noch Rumfluchen noch Nichtbefolgen von Anweisungen der Erzieherin geht, keine Frage. ABER: warum erfahre ich nach Wochen und erst nach eigenem Nachfragen, dass er anscheinend andere schlägt? Warum erfahre ich nicht, wenn er sich im Kiga den Kopf so angestossen hat, dass er sich nicht beruhigen liess? Ich weiss, dass mein Sohn einfach sehr klar und sehr konsequent (aber liebevoll) gezeigt bekommen muss, dass er seinen Willen nicht immer und/oder sofort durchsetzen kann, wenn er gerade Lust dazu hat. Aber ist dieses Verhalten so untypisch für das Alter? Nach Meinung der Erzieherin könne er sich überhaupt nicht in andere einfühlen - das kann ich von zu Hause (und auch von anderen Leuten betrachtet) nicht bestätigen. Dickköpfig und willensstark ja, aber ohne jegliche Sozial- und Selbstkompetenz? Jetzt sind wir ziemlich ratlos erstmal... Danke für Ihre Mühe

von Falknerin am 29.06.2011, 17:58 Uhr

 

Antwort auf:

Selbst- und Sozialkompetenz

Hallo Falknerin
Bitte bewerten Sie die Aussage der Erzieherin nicht über, die eigentlich die Negativ-Seiten aufgezeigt hat, die -wenn man unbedingt Negatives finden möchte- bei jedem 5-Jährigen finden kann.
In diesem Alter reagiert ein Kind nun noch nicht immer reflektiert und angemessen sondern oft sehr spontan, sodass es durchaus mal zum (reflexartigen) Schlagen seines Gegenübers kommt. Und: Konflikte wird Ihr Sohn vermutlich nicht nur schlagend zu lösen versuchen.
Kaum ein Kind gehorcht weder seiner Erzieherin und auch nicht seinen Eltern gegenüber blind; vielmehr testet er zunächst deren Reaktionen, sodass es meiner Meinung nach an der Erzieherin lag, Ihren Sohn entsprechend seines Fehlverhaltens aus logischen Konsequenzen LERNEN zu lassen.
Einfühlsam sind Kinder in der Regel nicht sondern eher kleine Egoisten.

Individuelles Verhalten bedeutet für die Erzieherin auch individuelles Eingehen auf jedes Kind und: jedes Kind hat seine Stärken und Schwächen ohne gleich gestört zu sein!!

Hatten Sie dieses Gespräch angemeldet, wird die Erzieherin versucht haben zu allen Beobachtungspunkten, die sie im Lehrbuch gefunden hat, einen Kommentar abzugeben. :-))

Die positiven Anmerkungen sind viel wichtiger für die weitere Entwicklung Ihres Sohnes, sodass ich Ihnen empfehle die kleinen "Schönheitsfehler" zur Kenntnis zu nehmen und: Schwamm drüber!:-)

Liebe Grüße und: bis bald?

von Christiane Schuster am 30.06.2011

Antwort:

Selbst- und Sozialkompetenz - Nachtrag -

Ich vergass noch zu schreiben, dass sie auch meinte, er solle draussen spielen und in einen sportlichen Verein. Als wir sagten, dass er begeisterter Fahrrad- und Inline- und Rollerfahrer ist und ausserdem 1x die Woche ins Kinderkarate geht, war das auf einmal alles kein Thema mehr... hm....

von Falknerin am 29.06.2011

Antwort auf:

Selbst- und Sozialkompetenz

Ich würde ehrlich gesagt nicht soviel darauf geben, was die Erzieherin mit diesen kleinlichen Beispielen anführt.

Klar ist eine Erzieherin, die 1 mal die Woche da ist, nicht automatisch eine Autoritätsperson. Hier sollte die andere Erzieherin vielleicht auch mal sehen, wie sie selbst diese Erzieherin behandelt - denn das gibt das Beispiel für die Kinder.

Und wenn Dein Sohn sich die Hosenträger selbst riichtig hindrehen möchte, dann ist das doch eher zu unterstützen, als abzuwerten.

Ich würde mit der Erzieherin einen neuen Termin machen und besprechen, wie das Hauen gemeinsam abgestellt werden kann - alles andere scheint mir im Rahmen.

von kirshinka am 30.06.2011

Antwort auf:

Selbst- und Sozialkompetenz

Liebe Frau Schuster,
vielen Dank für Ihre sachliche Antwort.

Zitat:

" Hatten Sie dieses Gespräch angemeldet, wird die Erzieherin versucht haben zu allen Beobachtungspunkten, die sie im Lehrbuch gefunden hat, einen Kommentar abzugeben. :-)) "

Das deckt sich mit meinem Eindruck (und dem mehrseitigen Formular, das sie vor sich liegen hatte)...

Interessant auch, dass ein Kind, das sich angeblich nicht in andere hineinversetzen kann, nach ihrer eigenen Aussage Rollenspiele so sehr liebt und gut macht...

Naja, Schwamm drüber ist vermutlich die beste Lösung! ;-)

Danke nochmal und LG

von Falknerin am 30.06.2011

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