Sylvia Ubbens

Schlechte Freunde im KiGa - wie kann unsere Tochter (4) unabhängiger werden…?

Antwort von Sylvia Ubbens

Frage:

Liebe Frau Ubbens,
Sie haben uns bereits einmal sehr geholfen und heute möchte ich mich noch einmal mit einer sicher etwas merkwürdigen Frage an Sie wenden, die uns aber regelrecht umtreibt. Unsere Tochter, knapp 4, ist im ersten Jahr im Kindergarten, und hat sich zwei Freundinnen gesucht, die - so merkwürdig das klingt - leider einen in unseren Augen schlechten Einfluss auf sie haben. Die beiden Mädchen kommen beide aus sehr kaputten Familienverhältnissen, Einzelkinder Alleinerziehender und arbeitsloser Mütter, die ziemlich überfordert sind. Die Mädchen sind dementsprechend ihrem Alter etwas unterentwickelt, was man vor allem an der Sprache merkt. Eine der beiden ist auch ihrer Mutter gegenüber sehr gewaltbereit und tritt auch im KiGa oft als kleine Furie auf. Die andere hat ein merkwürdiges Sozialverhalten, will sofort bei fremden KiGa-Mütten auf den Arm oder an die Hand und Küsse geben… die Freundschaft unsrer Tochter mit diesen beiden Mädchen ist inzwischen so, dass es für unsere Tochter keine anderen Kinder von Interesse gibt - nur noch diese beiden, ausschließlich und immer. Sie fängt nun seit geraumer Zeit an, die Stimme der einen zu imitieren, sie hat eine furchtbare quietschende hohe Stimme und spricht sehr babyhaft, holt oft neu Luft während den Sätzen, muss neu ansetzen. Unsere Tochter war gerade in dem sprachlichen Bereich immer sehr weit entwickelt, hat einen immensen Wortschatz und erzählt flüssig und lange Geschichten. Plötzlich beginnt sie nun, immer wieder in diese Sprechweise zu fallen und ihre Freundin zu imitieren - inzwischen ist das wie ein Automatismus, den sie nicht mehr wahrnimmt. Mein Mann kann das kaum ertragen, auch ich bin davon hochgradig genervt. Dazu kommt, dass sie jetzt auch anfängt, aus Wut auf den Boden zu spucken, weil eines der Mädchen das oft macht, sich also auch andere schlechte Dinge abschaut. Ich will gar nicht den Aspekt ins Feld führen, dass sie nur recht simple Spiele spielen, weil das nicht so klingen soll, als wollte ich "gute" Freunde die meine Tochter im Spiel irgendwie fördern, aber im Grunde haben wir das Gefühl, dass sie sich ausgerechnet die beiden "ungünstigsten" Kinder aus dem KiGa ausgesucht hat. - Durch Zufall, weil ich mit einer der Mütter in der Garderobe ins Gespräch kam und die Kinder so zum ersten Mal zu zweit gespielt haben. Anfangs hatten sie gar kein gesteigertes Interesse aneinander. Wir sind eine total normale Akademikerfamilie und ich lege weder Wert auf guten Umgang meiner Kinder mit vermeintlich guten Familien, noch darauf, meinen Kindern die Freunde zu diktieren. Aber gerade weil es für unsere Tochter ausschließlich und nur noch diese beiden gibt und sie kein Interesse hat, auch mal mit anderen Kindern zu spielen und zu schauen, was die so machen und wie die so spielen, gefällt uns das im Moment gar nicht. Ich habe schon versucht, unserer Tochter zu sagen, dass sie so nicht sprechen soll, aber sie fühlt sich davon derart angegriffen und weint sofort, dass wir das nun nicht mehr gemacht haben. Wir dachten, wenn sie das selbst merkt durch unser Aufmerksammachen darauf, hört sie vielleicht wieder auf. Ich habe auch versucht ihr behutsam zu sagen, sie soll doch mal wieder mit den anderen Kindern, mit denen sie zu Anfang des KiGa Jahres oft gespielt hat, spielen, aber sie hat kein Interesse daran. Ich habe ihr dann gesagt, dass ich die beiden Mädchen ja gerne mag, aber dass die beiden auch schlechte Angewohnheiten haben, zB Mutter hauen - und hoffte, dass sie selbst erkennt, dass die beiden keine Engel sind, die man permanent imitieren muss. Aber das zog auch nicht.
Haben Sie eine Idee, was ich machen kann, oder meinen Sie, dass das alles nicht weiter schlimm ist? DANKE!!!

von alva-b. am 16.06.2015, 11:39 Uhr

 

Antwort:

"Schlechte Freunde" im KiGa - wie kann unsere Tochter (4) unabhängiger werden…?

Liebe alva-b.,

Ihre Tochter versteht noch nicht so recht, was Sie ihr mit Ihren Erklärungen sagen wollen. Ihre Tochter weiß sehrwohl, wie sie sich gewünschtermaßen verhalten soll und wie nicht. Sie probiert manchmal aus, wie Sie auf das Verhalten der anderen reagieren würden, also spuckt sie auf den Boden und wartet auf Ihre Reaktion. Sagen Sie Ihrer Tochter in solchen Situationen klar und deutlich, dass Sie nicht möchten, dass auf den Boden gespuckt wird. Bringen Sie es aber vor Ihrer Tochter nicht in Zusammenhang mit den anderen Mädchen. Das würde es für Ihre Tochter nur interessanter machen, noch andere Dinge auszuprobieren, die sie bei anderen Kindern sieht, um Ihre Reaktion darauf zu erfahren.

Kinder, im Alter Ihrer Tochter, sind oft auf wenige andere Kinder "fixiert". Es fällt ihnen noch schwer, sich auf viele unterschiedliche Kinder einzulassen. Warten Sie in Ruhe ab. Ihre Tochter wird älter werden und das neue Kindergartenjahr bringt neue Kinder. Viele ältere Kindergartenkinder finden es dann toll, die Neuen zu "bemuttern". Vielleicht entstehen dadurch neue Freundschaften, auch mit Gleichaltrigen, da sich mehrere Kinder um die Neuen bemühen.

Auch, wenn es manchmal schwerfällt: versuchen Sie, die verstellte Stimme Ihrer Tochter zu ignorieren. Bald wird es nicht mehr so interessant sein, wie das andere Kind zu sprechen. Derzeit ist es interessant, da die Stimme auffälliger ist, als andere. Zufällig gehört sie einem der "Freunde", es hätte auch die Stimme von einer ganz anderen Person sein können, die anders klingt, wie andere.

Viele Grüße Sylvia

von Sylvia Ubbens am 16.06.2015

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