Christiane Schuster

Knatsch, Knatsch, Knatsch...

Antwort von Christiane Schuster

Frage:

Hallo Frau Schuster!

Mein Sohn, 22 Monate alt, macht mich fertig. Seit er ca. 7 Monate alt ist, höre ich von ihm eigentlich nur noch Geknatsche. Er ist ständig fordernd, will alles sofort, macht keine Kompromisse - und äußert sich ausschließlich durch Heulen. Wenn wir im Auto sitzen, und er hat statt der dicken Jacke die Decke auf den Knien liegen, er will sie nun aber nicht mehr, so legt er sich nicht einfach weg, sondern heult sofort los. Da er noch nicht sprechen kann, müssen wir dann erst mal mühsam erraten, was er denn nun will. Wenn wir gemeinsam kochen und er darf auf der ARbeitsplatte sitzen und mithelfen, ich den Löffel aber rechts statt linksrum drehe, Geheule. Wenn ich einen Blick in die Zeitung werfen möchte, Gebrüll. Wenn mein Mann morgens seine Schuhe anzieht und er bekommt die Schuhspanner nicht, Gekreische. Wenn er nach 30 Minuten "fangen spielen" noch weiterspielen will, ich aber nicht, schreit er das halbe Haus zusammen. Wenn es an der Tür klingelt, es kommt aber niemand, schmeißt er sich heulend auf den Boden. Das nur einige Beispiele von "Millionen" anderen. Da ich seit 5 Monaten noch ein zweites Kind habe (das übrigens die ersten 4 Monate ausschließlich gebrüllt hat), reagiere ich nun zunehmend genervt, aggressiv und ungehalten. Es ist leider auch schon vorgekommen, daß ich meinem Sohn eine Ohrfeige verpaßt habe. Ich habe das Gefühl, von morgens bis abends nur noch zu schimpfen, ihn anzubrüllen, zu ignorieren oder aus dem Zimmer zu schicken. Also eigentlich kein Wunder, daß mein Sohn mir quasi "den Spiegel vorhält", könnte man einwenden. Aber das war ja nicht immer so. Ich habe eigentlich stets versucht, ruhig und freundlich zu sein, ihm zwar seine Grenzen zu zeigen, ihn aber in meinen Tagesablauf einzubinden. Er darf zum Beispiel bei (fast) allem, was ich so tue, dabeisein und mithelfen... A propos Mithelfen: So heißt es ja immer: Binden Sie Ihr Kind mit ein, lassen sie ihn im Haushalt mithelfen, kochen, putzen oder was auch immer. Wie gesagt, tue ich. Aber irgendwann muß ich ja mal aufhören zu saugen, staubzuwischen oder im Kochtopf zu rühren. Irgendwann muß ich die Küche nach dem Mittagessen mal wieder aufräumen. Irgendwann habe ich auch genug davon, wenn von morgens bis abends die Zwiebelschalen durch die Gegend fliegen, nur weil mein Sohn die so gern schält. Irgendwann muß er mal runter von der Arbeitsplatte in der KÜche, weil ich vielleicht auch mal wieder ins Wohnzimmer möchte. Irgendwann habe ich mal fertiggeduscht und möchte das Bad verlassen... Leider keine Akzeptanz von seiner Seite, sondern NUR Geknatsche. Zu dem Theater tagsüber kommt noch, das mein Sohn auch nachts nicht gut schläft. Er wird nach wie vor 2 - 3 x wach, ruft dann aber natürlich nicht Mama oder Papa, sondern brüllt. Da ich, wie gesagt, einen 5 Monate alten Säugling habe, der nachts auch noch wenigstens 1 x wach wird und trinken möchte, wandere ich in der Tat langsam auf dem Zahnfleisch. (Methoden à la "Jedes Kind kann schlafen lernen" haben wir übrigens schon längst ausprobiert - leider absolut ohne Erfolg. Ihm ist es eigentlich egal, ob jemand in sein Zimmer kommt, oder nicht, er hört auf zu heulen wenn er will und keinen Moment früher. Kommt einer, heult er, kommt keiner, heult er trotzdem. Ich glaube also nicht, daß er deswegen weint, "weil es sich lohnt".)

Was mache ich denn falsch??? Ich kann momentan leider nicht behaupten, daß es ja soooo ein Glück bedeutet, Kinder zu haben. Ganz im Gegenteil. Manchmal möchte ich nur noch weg und meine Ruhe.

Wenn wir irgendwo zu Besuch sind oder er in einer fremden Umgebung ist, ist er übrigens das liebste Kind. Allerdings auch sehr schüchtern. Niemand (!) kann sich vorstellen, was er zu Hause für ein Teufel ist. Selbst mein Mann, eigentlich die personifizierte Geduld, fährt manchmal aus der Haut, weil unser "Monster" schon vor dem Frühstück anfängt zu plärren.

Ist die einzige Lösung, darauf zu hoffen, daß er schnell 18 wird und das Haus verläßt? ;-)))
Und soll ich mir vielleicht Johanniskrautkapseln kaufen und die Zeit bis dahin durchstehen??

Ein praktikabler Tip von Ihnen wäre super!

Vielen Dank,

Doro

von Doro am 28.01.2000, 13:11 Uhr

 

Antwort auf:

Knatsch, Knatsch, Knatsch...

Hallo Doro
Was Sie jetzt als 1. brauchen sind starke Nerven und viel Geduld! Sonst sehen Sie Ihren Sohn nur immer negativer und auf Dauer Ihr Baby auch, obwohl beide - genauso wenig wie Sie - etwas dafür können. Sprechen Sie möglichst schnell mit Ihrem Hausarzt und mit dem Kinderarzt über eine Mutter-Kind-Kur. Schauen Sie sich mal die Links oben auf der Seite an, fragen Sie nach bei den Wohlfahrtsverbänden wie: Caritas, DRK, Müttergenesungswerk, usw.! In diesen Kuren kommen Sie zur Entspannung, die Kinder werden fachlich betreut, und es werden Ihnen Tipps und Hilfestellungen zur Erziehung Ihrer Kinder gegeben. Versuchen Sie`s mal! Natürlich stehe ich Ihnen jederzeit bei Fragen zur Verfügung. Mir scheint aber das Wichtigste zu sein, dass Sie selbst einmal zur inneren Ruhe zurückfinden können.
Nur Mut!

von Christiane Schuster am 30.01.2000

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