Sylvia Ubbens

Kindliche Sexualität bei 8-Jährigem

Antwort von Sylvia Ubbens

Frage:

Hallo Frau Ubbens

Mein 8jähriger Sohn scheint schon sehr grosses Interesse an Mädchen zu haben. Wenn er ein hübsches Mädchen sieht sagt er gleich: "ohh… die ist aber hübsch!" Letztens schaute ich "Germanys next Topmodel" und er war ganz begeistert von den hübschen Models und meinte, dass er die nächste Sendung wieder sehen wolle. Darüber kann ich ja noch schmunzeln, was mich aber sehr stört, ist, dass er auch mich als "Objekt der Begierde" ansieht. Dauernd begrapscht er mich an Busen oder Po, sagt immer wieder dass er meine Brüste schön findet und möchte diese ansehen. Das ist mir natürlich peinlich und ich tue ihn dann so weg und sage ihm, dass ich das nicht möchte. Letztens hat er mich vor meinem Schwiegervater die ganze Zeit am Busen begrapscht und mir versucht mein Oberteil runter zu ziehen... das war mir (grad noch vor dem Schwiegervater der Single ist!) extrem peinlich, aber meine Abwimmelungsversuche nützten nicht viel, wenn ich es ihm "nett" sage lässt er nicht davon ab... ich muss dann schon etwas lauter und einiges deutlicher werden. Abends wenn ich ihn ins Bett bringe und ihm einen Gute-Nacht-Kuss geben möchte, drückt er mir gerne seine Lippen auf meinen Mund und versucht seine Zunge in meinen Mund zu stecken. Ich sag ihm immer wieder, dass ich das nicht möchte, dass er das mal später mit seiner Freundin/Frau tun kann, aber doch nicht mit seiner "alten" Mutter!! Aber er findet, dass er mich sowieso mal heiraten möchte. Wenn er das mit dem Zungenkuss macht, will ich ja auch nicht grade angeekelt zurück schrecken und ihm das Gefühl geben, dass er eklig sei. Ich entziehe mich eher vorsichtig, versuche es auf die humoristische Weise um ihn auch nicht seelisch zu verletzen.

Ich selber bin seeehr konservativ erzogen worden, das Wort "Liebe" und "Sex" war bei uns absolut tabu. Ich bekam keine Liebe von meinen Eltern, ich musste brav sein und funktionieren, sonst gab es Strafe. Bei meinen Kindern will ich es besser machen, damit sie das Thema Liebe und Sex als etwas Natürliches ansehen... was es ja auch ist! Aber das was mein Sohn macht, geht mir zu weit. Wie soll ich mich meinem Sohn gegenüber verhalten damit er damit aufhört, aber auch nicht grad dieses Thema in unserer Familie verteufelt wird?

Danke im voraus!
lg MammaMia75

von MammaMia75 am 11.02.2020, 21:42 Uhr

 

Antwort auf:

Kindliche Sexualität bei 8-Jährigem

Liebe MammaMia75,

Sie dürfen ein Stopp aussprechen. Bis hier und nicht weiter. Dem sollte ein liebevolles Aufklärungsgespräch vorangehen, entweder durch Sie oder dem Papa. Thema dabei auch, wie weit darf ich gehen. Ist es in Ordnung der Mama (und anderen Menschen) an die Brust zu fassen usw.. Ihrem Sohn sind die Grenzen nicht klar. Durch humorvolles Entgegenwirken wird Ihr Sohn die Ernsthaftigkeit nicht verstehen. Insgesamt darf es ein lockeres Gespräch ohne Zeigefinger werden.

Viele Grüße Sylvia

von Sylvia Ubbens am 12.02.2020

Antwort auf:

Kindliche Sexualität bei 8-Jährigem

Das Kinder heute sich immer früher für das andere Geschlecht interessieren, früher dahingehend aktiv werden, ist wohl bekannt. Auch wenn ich selbst immer wieder erstaunt bin, wie früh manche Kinder anfangen, sich zu "verlieben", "mit jemandem zu gehen" etc.

Ich finde aber dennoch, das das, was dein Sohn da mit dir tun will, zu weit geht.

Nicht nur, weil du du die Mutter bist - auch bei einem Mädchen seines Alters wären seine Wünsche/Handlungen schon sehr frühreif. Küssen auf die Lippen, sich umarmen/in die Arme nehmen, Händchen halten - ok. Aber so explizit habe ich das ehrlich gesagt noch nicht gehört.

Hast du denn mit ihm mal ein Gespräch über Sexualität, seinen Körper etc geführt?
Nur mal so als Beispiel: unser Kind weiß seit langem, wie Babies entstehen, das Wort "Sex" für den Geschlechtsverkehr steht und was das ist. Und eben auch, das man diese nur wie Küssen, umarmen nur mit Menschen tut, die man sehr lieb hat und wenn diese das auch wollen! Ganz wichtig. Und das er sich auch nicht anfassen lassen muss wenn er nicht will. "Mein Körper gehört mir" ist da das Stichwort und in den allermeisten Kindergärten gibt es dazu schon Projektarbeiten mit den Kindern und auch für die Eltern.
Ich denke, du oder der Papa? sollten mit ihm da einfach noch mal sprechen. Nicht vorwurfsvoll, sondern erklärend/aufklärend.

Darüber hinaus würde ich mich fragen, woher er so etwas wie Zungenkuss kennt. Ältere Mitschüler zB. ? Für mein Dafürhalten kommt ein 8-jähriger eher nicht von selbst auf den Gedanken, das ein Kuss mit Zunge geht. 8-jährige küssen doch eher nur mit den Lippen. Auch das explizite anfassen wollen von Brüsten und Po finde ich schon ungewöhnlich und würde mich eben fragen, wo er so etwas mitbekommen/gesehen/gehört haben kann und es eben nicht richtig altersgemäß einordnen konnte.

Wenn ihr dann mit ihm gesprochen habt bzw. bei diesem Gespräch würde ich dann eben erklären, das diese Dinge also mit dir -seiner Mutter - so nicht gehen. Ihr/du hast ihn lieb - aber das ist eine andere Liebe als die zwischen der (sexuell motivierten) zwischen Mann und Frau. Er darf seine Zuneigung gerne mit Umarmungen, Kuscheln oder einem Kuss ausdrücken (zumindest darf unser Kind uns gerne einen Kuss geben) - aber Brüste, Po oder Zungenkuss sind eben nicht "angesagt" bei dieser Form von Liebe zwischen Eltern und Kind.

von cube am 12.02.2020

Antwort:

Nachtrag

Unser Kind ist übrigens 7,5.
EinGespräch nach dem Motto "wir müssen mal reden" gab es nicht. Das lief eher nebenbei - je nach dem, wie es gerade passte bzw. das Thema aufkam.Also mit 3-4 "die x hat ja keinen Penis" wurde eben darauf eingegangen. Als "Doktorspiele" anfingen wurde eben erklärt, das diese ok sind, aber nur, wenn beide das wollen und etwas gleichaltrig sind. Niemals aber darf jemand dazu gezwungen/überredet werden und auch er darf/muss "nein" sagen, wenn er etwas nicht möchte. Als seine Tante schwanger wurde, kam das Thema "wie kommt das Baby da rein". usw.
Bis vor kurzem waren Mädchen noch "ihhh! ;-) Inzwischen weicht das langsam auf, aber mit einem Mädchen befreundet sein bezieht sich für ihn immer noch auf die Spiel-Freundschaft ("die x ist nett, mit der habe ich heute gespielt" etc).
Ich kenne aber auch gleichaltrige oder nur wenig ältere Kinder, die zB über einen Vereinsport mit älteren Jungs mit Worten wie "Eier" usw um sich werfen. Gefühlt aber ohne echtes Begreifen, was sie da so von sich geben. Die wollen einfach cool sein und bei den Großen mithalten. Aber auch da finde ich, sollten Eltern eigentlich in dem Sinne eingreifen, dass sie erklären, was es damit auf sich hat und das es abwertende Wörter sind. Auch das ist "Aufklärung" und ich glaube, es gibt immer noch viele Eltern, die entweder sowas als "sind halt Jungs" sehen oder selbst eher gehemmt sind, die Themen wirklich beim Namen zu nennen und drúmherum lavieren - was letztendlich die Kinder auch eher verwirrt, als ihnen eine klare Richtung zu geben.

von cube am 12.02.2020

Antwort auf:

Kindliche Sexualität bei 8-Jährigem

Huhu,

ich kenne eine Vorliebe für meinen Busen ansatzweise vor allem von einem meiner Kinder, wobei das da noch vom langen Stillen kommt und nicht sexuall konnotiert ist.

Auch da habe ich im Laufe der Zeit klargemacht (und auch mal nicht nett), dass das unpassend ist und ich das gar nicht leiden kann, und es geht inzwischen viel besser.

Ich finde, um so mehr, wenn es um sexuell konnotierte Handlungen geht, dass Du Grenzen setzen musst. Damit zeigst du auch, dass es möglich ist, Grenzen zu setzen. Da magst ihn, aber Du willst nicht, dass er dich so anfasst/küsst.

Das muss er im Zweifelsfall ja auch xx (dem coolen Schüler vier Klassen drüber/Fußballtrainer/Pfarrer/Onkel von nebenan oder was auch immer) klarmachen (ch hoffe nicht, aber man weiß ja nie, was kommt). Also, sei nicht nett, sei Vorbild.

Ansonsten erstaunt mich die "Frühreife" auch, und ich frage mich, ob er da z.B. in eine Gruppe Älterer hineingeraten ist, die er sich zum Vorbild nimmt. Vielleicht kannst Du da mal nachforschen?

von zweizwerge am 12.02.2020

Antwort auf:

Kindliche Sexualität bei 8-Jährigem

Vielen Dank für die Inputs!
Nun ist mir klar, was ich tun muss... muss vielleicht auch meinen Mann da "ins Boot" holen, für ein offenes Gespräch. Es gab bis jetzt noch kein Aufklärungsgespräch mit meinem Sohn, ich fand immer, er sei noch zu jung dafür. Mit meiner Tochter hatte ich das Gespräch damals als sie 11 war und ich gerade schwanger... das war dann drum grad der richtige Zeitpunkt. Ich denke vorher wär es für sie zu früh gewesen. Aber mein Sohn scheint in dem Punkt etwas früher "reif" zu sein ;-) …
Vorallem bin ich dankbar für den Tipp mit dem "Grenzen setzen"... das war mir gar nicht bewusst, dass es bei Aufklärung auch darum geht.... und diese muss ich ihm wirklich auch "vorleben" und ihm meine Grenzen zeigen. Es stimmt, in der Schule wird das Thema "mein Körper gehört mir... ich darf STOPP sagen" immer mal wieder aufgegriffen... bis jetzt geht es aber da aber mehr um Kämpfe und dergleichen.
Er hat sowas wie eine gleichaltrige "Freundin", aber bei ihr ist er sehr schüchtern....sie machen ab und zu ab und er war 2mal mit ihr im Kino, aber das war schon alles. Ausserdem ist deren Mutter eine gute Freundin von mir, ich denke wenn mein Sohn da etwas unanständiges gemacht hätte, hätte sie es mir gesagt und würde ihn bestimmt nicht weiter zu sich einladen.

Nochmals vielen Dank und ein schönes Wochenende allen .-)
LG MammaMia75

von MammaMia75 am 14.02.2020

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