Sylvia Ubbens

Kind 4,5 Jahre Wutausbrüche

Antwort von Sylvia Ubbens

Frage:

Hallo, mein Sohn neigt seit ich zurück denken an, zu Wutanfällen. Diese werden aber immer schlimmer statt besser.
Er ist nun 4,5 Jahre alt und lässt sich von anderen Kindern extrem leicht provozieren und ärgert sich schnell. Er wird dann richtig wütend und sagt eine ganze Reihe frecher Wörter, "arsch" "blöd" "bescheuert" usw. ... diese Wörter sagt er seit er in der Regel Kita Gruppe 3-6 Jährige ist. Bestes Beispiel: ein Kind möchte zum Spaziergang nicht mit meinem Sohn sondern einem anderen Kind an der Hand laufen. Mein Sohn ärgert sich und haut dem anderen Kind, mit dem das wiederum andere Kind zusammen laufen möchte, die Brille von der Nase auf den Boden.
Oder zb ärgert ihn ein anderes Kind "nenene ich hab was was du nicht hast zb großer Stock". Mein Kind fängt an zu Brüllen und beleidigt dieses Kind.
Auch Spielsachen teilen bei Besuch endet oft in Geschrei von meinem Sohn.
Hier zu Hause wird es momentan auch immer extremer. Ein Beispiel von heute:
Mein Sohn inhaliert (wg. Husten) während ich ihm die Fingernägel mit der Lösung gegen Nägel kauen einpinsel (er kaut diese seit er in die große Kita Gruppe gekommen ist). Plötzlich möchte er die zweite Hand erst eingeschmiert haben wenn er fertig inhaliert hat, damit er dann durch die Wohnung sausen kann zum Nägel trocknen. Haben wir hin und wieder schon gemacht, er hatte großen Spaß dabei.
Ich sagte aber heute nein, da schon 8.30Uhr war und er rechtzeitig zur Kita sollte. Habe ihm erklärt das er nach dem inhalieren die Nägel trotzdem noch "trocken sausen" kann. Seine Reaktion äußerte sich in weinen, blocken, quengeln. Sausen wollte er als er fertig mit Inhalieren war auch nicht mehr. Nachdem kein Ende in Sicht war, schickte ich ihn in sein Zimmer mit der Erklärung er sei zu laut und darf wieder kommen wenn er nicht so schreit.
Im Zimmer dann weiterhin Wutausbruch, "du blöder Arsch" usw.
Nach 5min kam er aus dem Zimmer und meinte er hätte sich beruhigt. Ich habe ihn umarmt und wollte ihm kurz und knapp erklären das er seine Wut anders ausdrücken kann, zb sagen "mich ärgert es das wir die Nägel nicht danach eingeschmiert haben" "böse Wörter möchte ich nicht hören". Wenn ich das während seines Wutanfalls sage, hört er nicht zu und übertönt meine Worte mit extrem lautem Geschrei.
Doch auch jetzt scheiterte mein Versuch zu erklären. Er reagierte indem er weglief, die Zunge streckte und mir sagte das er mir nicht zuhört.
Ich wurde dann wütend und habe ihm gesagt das es nun reicht, das so nicht funktioniert und habe ihn wieder an der Hand ins Zimmer geführt.
Wieder lautes Gebrüll von ihm.
Nach weiteren 5min kam er wieder zu mir. Er wollte kuscheln, hat sich entschuldigt..ich habe nochmal erklärt das man das.nicht tut und er mit mir normal reden soll.
Danach gingen wir zur Kita und es war alles ok.

So, ich mache mir riesige Sorgen um ihn. Ich weiß nicht was ich falsch mache, wie ich anders reagieren soll, habe schon alles mögliche versucht aber der Weg ins Zimmer hält die Bockanfälle noch am kürzesten. Er hört sonst nie auf.
Diese Wutausbrüche kommen so 2-3x in der Woche zuhause vor, Besuch von Freunden haben wir aufgrund seines Verhaltens leider nicht mehr oft. Aber hier erkenne ich, wenn mal ein Freund da ist oder wir zu Besuch sind, eine Besserung. Er hat gemerkt das keiner mehr mit ihm Spielen mag, wenn er immer so ausflippt. Deshalb gab es, seit die Spielbesuchw wenig geworden sind, auch keine Wutausbrüche mehr. "Nur" kurze Sticheleien beider Kinder aber keine großen Ausraster meines Sohnes.
Im Kiga werden die Wutausbrüche besser, er akzeptiere eher mal eine Niederlage als in seiner Anfangszeit in der Gruppe, so die Erzieher. Die Erzieher sagen mir aber das sie bei ihm nichts Auffälliges feststellen können und man einfach üben muss das er mit Wut umgehen kann. Er sei sonst durchaus verständnisvoll, hilft kleineren und nimmt rege am Geschehen teil, kann gut still sitzen usw.
Das glaube ich auch. Denn abgesehen von den Wutausbrüchen ist er auch zuhause ein total umgängliches interessierte Kind. Ich habe in Absprache mit der Kinderärztin Frühförderung mit ihm ausprobiert. Das hat das Ganze nur verschlimmert und war definitiv der falsche Weg.

Was schlagen Sie mir vor? Was sagen Sie dazu?

Er ist sonst sehr auf mich bezogen. Geht 1x die Woche zur musikalischen Früherziehung und seit Neustem noch 1x die Woche zum Fusball. Er freut sich immer sehr darauf. Wir wohnen gleich um die Ecke zu Oma, Tante und Uroma..haben zu diesen ein super Verhältnis und verbringen dort viel Zeit.
Ich wohne alleine mit meinem Sohn seit knapp 2 Jahren. Bin mit dem Papa von ihm aber zusammen, wir sehen uns 1x unter der Woche nachmittags und 1x am Wochenende einen Tag. Ausgezogen bin ich damals weil sein Papa abends zuviel trinkt. Das ist auch heute noch Thema weshalb ich nicht wieder einziehen werde. Er sieht den Alkoholkonsum nicht aber bekommt es sicherlich indirekt mit, das etwas nicht stimmt. Als wir ausgezogen sind wusste er auch warum. Er sagte immer Mama sagt das Papa zuviel Bier trinkt:(
Er besucht, wie gesagt, von 8.30 - 12/13 Uhr die Kita hier im Dorf. Hat dort 4 o. 5 gute Freunde, ein wilder Jungstrupp. Zuhause haben wir seit ein paar Monaten weniger Spielfreunde, aufgrund der o.g. Wutausbrüche. Er hilft mir gern im Haushalt, kocht sogar manchmal mit, spielt liebend gerne Polizei und Feuerwehr und Lego.
Er fährt Fahrrad und spielt gerne draußen Fußball und liebt es mit dem Opa Quatsch zu machen. Da kann er locker 1h am Stück lachen und toben. Er hängt sehr an mir, kuschelt viel und möchte viel Zeit mit mir verbringen. Ich mach das gerne, liebe meinen Sohn und versuche mein Bestes.
Aber seine Wutausbrüche und diese furchtbaren Wörter bereiten mir schlaflose Nächte. Ich höre i. Kiga auch von anderen Kindern immer wieder solche Wörter beim Bringen o. Holen meines Sohnes. Erst heute wieder. Mein Sohn zieht gerade Hausschuhe an während ein paar Jungs aus seiner Gruppe im Flur spielen und toben. Währenddessen höre ich Sätze wie "halt die Fresse" "du blöder"........ich weiß nichts zum Grund, da ich das wie gesagt nur im vorbei laufen bei anderen Kindenr gehört hab. Habe dann der Erzieherin bescheid gegeben.

Was.können Sie mir raten?

von Minnixox am 16.09.2019, 15:09 Uhr

 

Antwort auf:

Kind 4,5 Jahre Wutausbrüche

Liebe Minnixox,

versuchen Sie zwei Wochen lang die Schimpfwörter zu ignorieren. Möchten oder können Sie es nicht gänzlich ignorieren, verlassen Sie ggf. mit wenigen Worten den Raum. "Mama möchte solche Wörter nicht hören und geht darum raus." Ist kein Gegenüber mehr da, der sich über die Wörter aufregt, macht es auch keinen Spaß, diese zu benutzen.

Zudem können Sie Ihrem Sohn ein Wutkissen o.ä. zur Verfügung stellen. Zeigen Sie ihm in einer ruhigen Minute, wie er, wenn die Wut kommt, darauf schlagen, treten oder er hineinbeißen kann. Reichen Sie ihm das Kissen, wenn er wütend wird und schlagen oder treten mit Ihrem Sohn auf das Kissen. Nach ein paar Wochen wird sich Ihr Sohn das Kissen womöglich selbst nehmen und kann sich auf diese Weise gut regulieren.

Viele Grüße Sylvia

von Sylvia Ubbens am 16.09.2019

Antwort:

Ein Tipp noch

von einer Mutter, mit einem ähnlich impulsiven Kind in dem Alter.
Überleg dir gut, welche regeln dir wirklich wichtig sind. Also wähle deine Kämpfe mit Bedacht :-) Und schau mal genau hin, welche Situationen einen Wutanfall provozieren. Meist kann man ein bestimmtes Muster feststellen. ZB die Situation mit dem "sausen". In dem Alter kennen Kinder noch keine "Ausnahmen" oder mal geht/mal nicht. Klarheit ohne Ausnahmen hilft - und da eben überlegen, was einem wirklich wichtig ist und da immer gleich handeln. Und beim gleichen Beispiel: Zeit bzw. Eile kennen Kinder noch nicht und fühlen sich - insbesondere wenn impulsiv - oft einfach "überfahren", nicht respektiert. Wenn es also eilt und du schon ahnst, das wird auf wenig Gegenliebe treffen oder prpvoziert eine Situation, in der etwas nicht möglich sein wird, was er evt. aber gerne möchte/so kennt, erkläre ihm VORHER genau, was gleich passieren wird. Also zB "ich pinsle dir jetzt die Finger ein. Wir haben heute aber keine Zeit zu "sausen". Also werden wir danach sofort zum KiGa losmüssen". Zu wissen, was gleich angesagt ist bzw. nicht geht, hilft oft, einen Wutanfall zu vermeiden oder zumindest abzumildern. Und frag ihn mal, wie er sich fühlt in solchen Momenten. Ich wette, er antwortet ähnlich, wie unser Kind seinerzeit "ich kann dann nicht zurück"/"kann das nicht steuern"/"alles wird einfach rot und dann explodiert es". Ganz oft wollen diese Kinder das gar nicht - aber sin sie erst einmal in Wut, können sie nicht mehr zurück. das zu wissen, hilft aber, selbst ruhig zu bleiben. Evt gelingt es dir auch, kritische Situationen vorher zu erkennen und mit einem Saß oder Ablenkung zu mildern.
Für unser Kind war das Schlimmste übrigens in sein Zimmer zu müssen - er kann nicht anders, obwohl er will und wird dafür ausgeschlossen. Das empfinden die Kids dann oft als Ablehnung ihrer ganzen Person - und werden noch wütender. Ich habe es so gemacht, dass ICH rausgegangen bin. bzw. mich ein Stück entfernt habe. Da, wenn er mich braucht - aber nicht bereit, der direkte Punchingball zu sein.
Bzgl. Schimpfworte: ich hab meistens gefragt, ob er weiß, was das bedeutet. Zu 99% kam ein "nein". Dann habe ich kurz erklärt, warum es eine Beleidigung ist zB und gesagt, dass ich so nicht mit mir reden lassen möchte. Kam dann so ein Wort habe ich nur noch kurz und knapp gesagt "nicht in dem Ton" und erst wieder reagiert, wenn normal geredet wurde.

Und zu guter Letzt: es wird besser :-) Unser Kind geht inzwischen zur Schule. Natürlich flippt er auch manchmal noch aus - aber eher selten so heftig und die Ausbrüche sind kurz/schnell zu beenden. Und sie geschehen nie in der Schule - nur zu Hause, in sicherem Umfeld. Also glaub nicht, du machst etwas falsch. Es gibt auch andere Kinder, die so impulsiv (und dabei oft eher sensibel) sind und einfach etwas länger brauchen bzw. mehr Unterstützung, um ihre Gefühle besser steuern zu können. Er ist noch klein - er hat noch Zeit und ihr werdet es bestimmt hin bekommen.

von cube am 16.09.2019

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