Sylvia Ubbens

Intensive Wutausbrüche

Antwort von Sylvia Ubbens

Frage:

Liebe Frau Uebbens,

meine Tochter ist genau 4 Jahre alt. Seit knapp 4 Wochen haben meine Frau und ich bemerkt, dass etwas in ihr vorgeht. Es hat uns an die Zeit der Entwicklungssprünge im Säuglingsalter erinnert, als immer eine etwas schwierige Phase einem Entwicklungssprung vorgegangen ist. Unsere Tochter ist wirklich ein tolles Kind, sie scheint ziemlich reif zu sein, versteht viele Dinge auf Anhieb oder ist so konform, dass es den Anschein hat, als würde sie es wirklich verstehen. :) Andererseits ist sie sehr penibel. Alles muss schön an seinem Platz stehen, die Haare müssen immer "fest" gebunden sein oder überhaupt nicht, der Klettverschluss an den Schuhen muss "bis ganz unten" gezogen werden, sonst wird sie sauer. In letzter Zeit so sauer, dass wir nicht wissen, woher diese Wut kommt. Bisher haben wir die Haare gebunden bis es uns zu viel wurde, die Haare dreimal hintereinander zu "verbessern", bis sie "fest" genug gebunden waren. In solchen Situationen, die jetzt Alltag sind, haben wir dann manchmal einfach gesagt, dass die Haare dann ungebunden bleiben, bei den Schuhen macht sie den Klettverschluss selbst zu, aber auch das "verbessert" sie immer wieder. Dann macht sie wieder Pipi in die Hose, meistens weil sie verspielt ist oder etwas macht und dann so lange wartet, bis es nicht mehr geht, und das dann bis zu viermal am Tag. Generell hat sie angefangen, Aufforderungen zu ignorieren, was wir nie durchgehen lassen. Sie geht seit 10 Monaten für 4 Stunden in den KiGa, dort scheint es keine außergewöhnlichen Probleme zu geben. Sie ist sehr motzig, ihr Kommunikationsstil ist eher meckernd, und egal wie oft man sagt, sie soll "normal" sprechen (wir erklären, was das ist) , macht sie meistens weiter, oder nach 5 Minuten fällt sie wieder in da Schema. Abe, das größte Problem ist, wie wir reagieren sollen, wenn es zu einem richtigen Wutausbruch kommt, was in letzter Zeit häufig der Fall ist. Gestern Abend putzt sie sich die Zähne, ich putze nach. Sie will Toilettenpapier nehmem -- ohne Grund. Ich reiche es ihr, aber sage ihr es nicht ohne Grund zu "verschwenden", denn zwei Abende davor hat sie fast die halbve Rolle ohne Grund in die Toilette geschmissen. Sie will es trotzdem machen und ich sage ihr, dass ich die Rolle dann wegstellen muss, was ich auch tue. Sie beginnt zu schreien, haut mir ins Gesicht, ich sage NEIN, stehe auf, sie haut mir auf den von ihr gekehrten Rücken, hebt mein T-Shirt und kratzt mich am Rücken. Ich gehe runter und sage wieder NEIN, erkläre, warum das nicht gemacht wird. Sie heult dan pausenlos und irgendwann sagt sie, warum will niemand, dass ich mich entschuldige. Ich sage ihr, sie muss erst ruhig werden, dann können wir sprechen. Sie heult noch mehr. Dann sagt sie, sie kann sich nicht beruhigen, und bittet mich, sie zu beruhigen, was ich dann auch tue, indem ich sie in den Arm nehme. Als sie sich beruhigt hat, geht das Ganze von vorne los. Insgesamt hat meine Frau übernommen, das Ganze hat sie meiner Frau dann auch noch einmal bereitet. Dann hat sie sich beruhigt nach einer Stunde, wir sind in ihr Zimmer gegangen, haben darüber gesprochen, und weil das so extrem war, haben wir die Gute-Nacht-Geschichten gestrichen. Sie muss jetzt Gute Nacht sagen und ab ins Bett. Ihre Puppen haben wir auch weggenommen. Sie hat sich entschuldigt, alles war soweit OK. Heute früh wieder das mProblem mit den Haaren, sobald sie aufgestanden ist. Geheule, Aggressivität, aber ohne körperliche Gewalt.

Das sind unsere derzeitigen Probleme. Wir sind wirklich ziemlich am Ende mit unseren Ideen. Es wird für mich immer schwieriger, mich unter Kontrolle zu halten, aber ich schaffe es immer wieder. Ich hoffe, Sie können uns helfen.

Danke,

Emir

von emko am 20.06.2018, 12:34 Uhr

 

Antwort auf:

Intensive Wutausbrüche

Lieber Emir,

Ihre Tochter ist gefangen in ihrer Entwicklung. Sie möchte ganz viel entscheiden können, kann aber noch nicht unterscheiden, wann es angebracht ist und wann nicht.

Haare fest binden, Klett an den Schuhen bis nach unten ziehen usw. sind bei Ihrer Tochter die Dinge, die ihr wichtig sind. Fast jedes Kind hat im Alter Ihrer Tochter etwas, was genau "richtig" sein muss. Sie können nicht verstehen, dass es den Eltern nicht so wichtig ist. Meist dauert es ein paar Monate, dann ist das Verhalten wieder vorbei. Bis dahin heißt es geduldig sein und ggf. mit dem Kompromiss zu leben, dass die Haare nicht zusammengebunden sind.

Fordern Sie Ihre Tochter zu etwas auf, dann gehen Sie direkt zu ihr auf Augenhöhe und sprechen mit ihr. So machen Sie Ihrer Tochter bewusst, dass auch wirklich sie gemeint ist und dass Ihre Bitte, Ihre Aufforderung auch ernst gemeint ist.

Nehmen Sie Ihrer Tochter kein Spielzeug weg. Sie versteht den Zusammenhang nicht. Vielmehr sollte es genügen, beispielsweise die Gute-Nacht-Geschichte zu streichen, wenn beim Zähneputzen zu viel rumgekaspert wird o.ä..

Kratzt Ihre Tochter oder haut, dann genügt ein deutliches Nein. Erklärungen können zu einem späteren Zeitpunkt folgen, wenn sich die Gemüter ein wenig beruhigt haben.

Beim meckernden Ton erklären Sie Ihrer Tochter, dass Sie möchten, dass Sie in normalem Ton mit Ihnen spricht. Gerne sagen Sie es ihr ein zweites Mal und dann ignorieren Sie das Gesagte.

Wichtig ist nun, selbst die Ruhe zu bewahren, damit sich Ihre Ruhe auf Ihre Tochter übertragen kann. Helfen Sie Ihrer Tochter mit festen aber liebevollen Strukturen. Helfen Sie ihr, in dem Sie ihr z.B. gar nicht erst das Toilettenpapier reichen, wenn sie es einen Tag zuvor in die Toilette gestopft hat. "Ich gebe dir das Toilettenpapier nicht, weil du es gestern in die Toilette gestopft hast." Die mögliche Wut halten Sie aus, ggf. mit etwas Abstand.

Ihre Tochter ärgert Sie nicht mit Absicht. Sie kann ihre Gefühle in dieser Hinsicht noch nicht steuern. Haben Sie noch ein wenig Geduld. Bald wird es sicherlich wieder entspannter werden.

Viele Grüße Sylvia

von Sylvia Ubbens am 21.06.2018

Antwort auf:

Intensive Wutausbrüche

Hi. Unser Kind ist ähnlich impulsiv und dickköpfig bzgl. Dingen, die es nicht soll.
Ich würde grundsätzlich darauf achten, das ihr nicht straft, sondern logische Konsequenzen zieht. Also eben ankündigen, das Toilettenpapier wegzustellen, wenn sie damit die Toilette verstopft.
Ankündigen, dass bei zu langem Theater ums Zähneputzen keine Zeit mehr für eine Geschichte ist etc.
Spielzeug wegzunehmen versteht sie nicht, da es in keinem direkten Zusammenhang mit der Aktion von ihr steht.
Spielzeug nehme ich zB nur weg, wenn damit aus Wut geworfen wurde.
Manche Kinder sind sehr penibel was bestimmte Dinge angeht. Wenn ihr euch bzgl. der Haare mehrmals bemüht habt, kann sie es eben selbst machen. das ist auch logisch.
Einzunässen ist auch normal in dem Alter. Sie meinen, es noch einhalten zu können, haben aber noch nicht das richtige Gespür dafür (ich glaube, die Phase kennt jeder ;-) Das macht sie eher nicht mit Absicht, sondern sie schätzt es zu Gunsten des Spielens falsch ein.
Normal sprechen: einmal in ruhiger Situation erklären, dass man auf diesen Ton nicht reagieren wird. Und dann wirklich erst reagieren, wenn sie normal spricht. Du brauchst das nicht jedesmal aufs neue zu erläutern.
Tut sie euch weh, kündigt an, das es euch weht tut, ihr das nicht wollt und deshalb den Raum verlasst.
Sie scheint ja gerade mit sich selbst nicht richtig klar zu kommen und äußert das ja auch schon sehr gut (kann mich nicht alleine beruhigen, brauche Hilfe).
Alles in allem würde ich sagen: es ist eine Phase, die auch wieder vorüber gehen wird. Und von diesen Phasen werden noch mehrere folgen ;-)
Wir haben aktuell selber wieder eine und ich bin mir sicher, es wird nicht die letzte sein.

von cube am 20.06.2018

Antwort auf:

Intensive Wutausbrüche

Danke, cube, für die "Anteilnahme". Die von dir genannten Punkte befolgen wir praktisch genau so, wie du es erklärt hast. Das mit dem Auf-Meckern-Nicht-Reagieren werden wir übernehmen. Einnässen ist sowieso kein Problem für uns, ich habe es nur erwähnt, weil ich glaube, dass es ein Symptom dieser Phase ist. Ich hoffe trotzdem, dass Frau Uebbens uns noch mehr praktische Tipps geben, oder zumindest etwas beruhigen kann, wie du es ja auch getan hast.

Viele Grüße

von emko am 20.06.2018

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