Sylvia Ubbens

Die 3-jährige und das Baby

Antwort von Sylvia Ubbens

Frage:

Guten Morgen,

Vor einem Monat ist unser zweites Kind auf die Welt gekommen und seitdem erkenne ich meine große Tochter nicht wieder. Vielleicht können Sie mir ja ein paar Tipps geben, damit wir uns Allen das Ankommen in dieser neuen Situation erleichtern können.

Eigentlich war meine Tochter immer ein sehr freundliches, hilfsbereites Mädchen. Sehr offen für alle Anregungen. Sie liebte es draußen zu toben und das absolute Highlight war die wöchentliche Turnstunde.

Vor der Geburt von unserem Sohn war sie total stolz große Schwester zu werden und hat jedem davon erzählt.

Ich habe ambulant entbunden und die ersten Tage waren super! Sie hat ganz viel mit uns gekuschelt, war total lieb zum Baby und nicht mal die Hebamme durfte sich ihm nähern, weil sie „Angst“ um ihn hatte.

Dann wurde es schwierig, weil sie eine Lungenentzündung bekommen hat. Normalerweise bin ich bei sowas natürlich komplett für sie da gewesen, jetzt war da aber auch noch das Baby.

Natürlich durfte sie nicht in den Kindergarten, obwohl sie sich nach 2 Tagen wieder gut gefühlt hat, und ich bin hier mit tobendem Kleinkind und Neugeborenem am Stock gegangen. Da war ich natürlich auch nicht so freundlich zu ihr...

Nun ist es so, dass sie ständig provoziert. Ich sage, sie soll (wie immer) ihren Teller in die Küche bringen, sie sagt nein und schaltet auf taub (nur ein Beispiel von vielen).

Sie will auf den Spielplatz gehen und kaum will ich sie fertig machen, gibt es 30 Minuten Diskussion, dass sie sich nicht anziehen (lassen) will mit dem Resultat, dass wir drinnen bleiben, weil sie doch nicht mehr raus will.

Wenn sie mit dem Baby alleine im Raum ist, ist sie total vorsichtig und liebevoll. Sobald einer von uns dabei ist, fängt sie an ihn zu feste zu drücken, am Arm zu ziehen usw.

Turnen möchte sie nicht mehr, „einfach zuhause bleiben“ sagt sie dann.

Und in den heißgeliebten Kindergarten will sie auch plötzlich nicht mehr...

Ich habe das Baby die meiste Zeit im Tragetuch, damit ich die Hände frei habe für die Große und versuche so gut es geht ihren gewohnten Ablauf zu ermöglichen. Ich gehe auf ihre Spielideen ein und versuche sie auch zu animieren, was wir spielen könnten. Da macht sie auch gut mit und plötzlich blockiert sie dann wieder und schreit mich wegen jeder Kleinigkeit an...

Ich versuche sie auch in die Babypflege zu integrieren, das macht sie auch gerne mit.

Ich weiß grade nicht mehr so richtig weiter, wie ich ihr dabei helfen kann, die neue Situation anzunehmen.

Vielen Dank fürs Lesen dieses dann doch recht langen Beitrags!

Viele Grüße
Bine

von Bine-87 am 11.12.2019, 10:32 Uhr

 

Antwort auf:

Die 3-jährige und das Baby

Liebe Bine,

Ihrer Tochter werden am meisten die alten Rituale helfen. Sprich, Sie bestehen weiterhin darauf, dass der Teller in die Küche gebracht wird, dass sie in den Kindergarten geht usw..
Ggf. sprechen Sie vor dem Kindergarten darüber, was sie nach dem Kindergarten gemeinsam machen können (Buch vorlesen, ein bestimmtes Spiel spielen ...), so hat Ihre Tochter etwas, auf das sie sich freuen kann.
Vielleicht kann ja eine Oma oder eine Freundin ab und an das Baby spazieren fahren und Sie haben ein wenig Zeit, sich mit Ihrer Tochter zu beschäftigen, ohne Baby in der Trage.
Auf der anderen Seite darf Ihre Tochter aber auch erfahren, dass sie Sie nicht anschreien soll. "Ich möchte nicht angeschrien werden, darum gehe ich jetzt raus." Auf diese Weise hat Ihre Tochter kein Gegenüber mehr, das sie anschreien kann.

Große Geschwister brauchen oft mehrere Wochen, manchmal Monate, um sich in der neuen Familiensituation zu recht zu finden.

Viele Grüße Sylvia

von Sylvia Ubbens am 12.12.2019

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