Sylvia Ubbens

Begriffsstutzig? Und @Cube

Antwort von Sylvia Ubbens

Frage:

Hallo Frau Ubbens,
meine Tochter ist 3 Jahre und 3 Monate alt. Sie geht in den Kindergarten. Eigentlich ist sie ein ganz normales und unauffälliges Mädchen. Sie hat früh gesprochen und spricht auch recht gut. Sie hatte Probleme mit dem Gehör (sie fragte oft nach) und wurde vor ein paar Monaten an den Polypen operiert. Zu Hause ist sie aufgeweckt und lebhaft, außerhalb eher schüchtern und zurückhaltend. Sie puzzelt gut, kann bis 20 zählen, merkt sich unzählige Texte von Kinderliedern, kannte nach kurzer Zeit die Namen der Kinder im Kindergarten. Soweit so gut. Trotzdem habe ich manchmal das Gefühl, dass sie total begriffsstutzig ist. Beispiel: wir überlegen montags früh zusammen was wir am Wochenende gemacht haben, das weiß sie meist nicht. Ist ja nicht schlimm. Ich sage ihr dann, dass wir Besuch hatten von Oma, Opa, Tante Onkel. Ich vergewissere mich auch, dass sie es gehört hat. Und trotzdem fragt sie mich noch dreimal "wer war da am Wochenende?" Kann sie sich das nicht merken? Vor einigen Wochen hat sie mich gefragt "wer ist der Opa Heinrich?" Es machte tatsächlich den Eindruck, dass sie das nicht weiß, obwohl wir Opa Heinrich ca. alle 3-4 Wochen sehen und auch oft über ihn sprechen. Und auch so habe ich den Eindruck, dass sie oft Fragezeichen im Gesicht hat. Sie weiß auch zum Beispiel nicht wie die Mama ihrer Freundin heißt, die wie seit ihrer Geburt einmal pro Woche sehen. Sie fragt auch oft mehrfach die gleichen Dinge. Es wird wirklich langsam schwer für mich gelassen zu bleiben. Haben Sie eine Idee woran es liegen könnte? Sollte ich zum Arzt mit ihr? Alle U Untersuchungen waren unauffällig.
@Cube: Falls du das liest, hast du noch eine Idee? Finde deine Antworten immer extrem hilfreich.
DANKE

von Kornblume2016 am 17.02.2020, 09:29 Uhr

 

Antwort auf:

Begriffsstutzig? Und @Cube

Liebe Kornblume2016,

wie gewünscht und erwartet hat meine Vorrednerin schon sehr gut geantwortet. Ich kann nur bestätigen, dass die meisten Kinder eine entsprechende "Phase" durchmachen. Geduld, auf Augenhöhe gehen, es nicht persönlich nehmen und irgendwann ist es vorbei.

Viele Grüße Sylvia

von Sylvia Ubbens am 18.02.2020

Antwort auf:

Begriffsstutzig? Und @Cube

Ich hab gerade mal zurück gedacht - und erinnere mich an solche Szenen auch :-) Das kann einen latent wahnsinnig/ungeduldig machen. Ich hab nur irgendwann gemerkt: Kind macht das nicht aus "Doofheit" - es ist einfach gerade daran nur nullkommagarnicht wirklich interessiert. Kinder leben ja komplett im Hier & Jetzt - vor allen Dingen, wenn sie gerade mit etwas beschäftigt sind. Wie oft ich nachgefragt habe "hast du mich gehört???" weil ich einfach keine Antwort bekam. Doch, er hatte mich gehört und auch meine Frage wirklich verstanden - aber was interessierten ihn die Brötchen, wenn er doch gerade mit xy beschäftigt war. In anderen Fällen wie bei dir "??? Tante xy???" - "ja, du weißt doch, letzte Woche ..." - "???" grmmpfff ;-) Auch das lag ganz oft daran, dass er einfach anderweitig beschäftigt war oder auch ohne andere Beschäftigung ihn Tante xy gerade so gar nicht interessierte und alles dazu gaaanz weit hinten im Hirn abgelegt worden war. Und je mehr ich versucht habe, zu erklären, umso desinteressierter wurde Kind. Das war denn eh schon wieder viel zu viel für einen 3-jährigen.
Manche Dinge erinnern Kinder auch nur, weil wir davon immer wieder mal sprechen - eine echte, eigene Erinnerung an eine Situation hat das Kind selbst gar nicht. Viele Psychologen/Wissenschaftler gehen eh davon aus, das aktive Erinnerung erst ab dem 3. LJ einsetzt und abgerufen werden kann. Alles, was Kinder davor erlebt haben, wird im emotionalen Gedächtnis gespeichert (Angst vor irgendetwas zB) - aber ohne, das Kind tatsächlich die Situation erinnert. Wenn es davon erzählt, dann eher, weil es die Geschichte von den Eltern gehört hat.
Aber zurück zu deinem "begriffsstutzigen" Kind: ich glaube, ein guter Teil davon ist wirklich dem geschuldet, das es sie gerade nicht wirklich interessiert und alles dazu "weggepackt" ist und erst hervorgekramt wird durch deine Fragen und Erklärungen.
Ein weiterer Teil kann auch zwar gehört werden - aber nicht wirklich verstanden im kognitiven Sinne. Sei es, weil irgendetwas zu komplex ist oder eben weil der Sprung von "puzzle gerade voll konzentriert" zu deinen Fragen gerade nicht schnell genug vollzogen werden kann.
Es hört übrigens auch wieder auf :-)
Bei den Fragen zB, wo ich einfach erst mal keine Antwort bekam, habe ich dann sowas gesagt wie "ok, dann kein Brötchen/dann gehe ich jetzt einfach mal los" und prompt kam doch die Antwort "aber ich möchte doch ein Körnerbrötchen". Gerne garniert mit "habe ich doch gesagt" - aber wohl nur Gedanken ;-)

Da dein Kind aber an den Polypen operiert wurde, würde ich dennoch das Gehör noch mal prüfen lassen. Nach so einer OP hört ein Kind zwar sofort viel besser - aber die ungewohnte Hörfähigkeit muss erst mal gelernt und auch verarbeitet werden. Die Tochter einer Nachbarin hatte das auch und fand alles zB viel zu laut und hat versucht, "weniger zu hören" bzw. brauchte eine ganze Weile, das Geräuschchaos erst mal zu sortieren und sich daran zu gewöhnen. Also evt. liegt es auch (mit) daran oder die Hörfähigkeit ist eben doch noch nicht voll da? Ich würde das auf jeden Fall noch mal abklären - und ansonsten Müttermantra "alles nur eine Phase" ....
Gib einfach nur eine kurze Erklärung "Tante x ist die bei der wir letzte Woche Kuchen gegessen haben" und dann würde ich nur weiter erklären, falls Kind selber fragt. Ansonsten scheint es sie gerade nicht wirklich zu interessieren.

von cube am 17.02.2020

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Begriffsstutzig? Und @Cube

Hallo,

möglicherweise stellt Deine Tochter auch deswegen immer wieder so "merkwürdige" Fragen, weil Du so darauf reagierst :-) Also nicht, weil sie Dich ärgern will, sondern weil sie merkt, dass Du damit irgendwie nicht so souverän umgehen kannst, was sie vielleicht selbst wiederum verunsichert. Und sie merkt wahrscheinlich auch, dass die Benennung von bestimmten Personen für Dich wichtig ist/zu sein scheint, deswegen fragt sie nach diesen Personen (oder nach Ereignissen, die Du mit ihr rekapituliert hast, die also aus ihrer Sicht ebenfalls eine spezielle Bedeutung zu haben scheinen).

von Mörchen17 am 17.02.2020

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Begriffsstutzig? Und @Cube

Vielen lieben Dank für eure Antworten. Beruhigt mich zu hören, dass andere das auch kennen!

von Kornblume2016 am 17.02.2020

Antwort:

Mir ist gerade eine lustige Anekdote dazu eingefallen

Ich gucke Tatort, mein Mann redet.
Mit 3 Sätzen Verspätung merke ich, er redet mit MIR.
Ich: "Mh?"
Er: "Wegen Sonntag"
Ich: "Ja?"
Er: "wann ist das nochmal?"
Ich: "Was?"
Er: "bei x"
Ich: "Wie?"
Er: "hast du mit zugehört?"
Ich: "Ja. Sonntag wegen x wann"
Er: "ja und? Wann den nun?"
Ich: "Wovon redest du??"
Als er dann nochmal in ganzen Sätzen von Anfang an gefragt hat, war ich erst wirklich in seinem Thema und konnte eine richtige Antwort geben.

Ich glaube, Kindern geht das ganz oft so.

Ich habe mir angewöhnt unser Kind ganz konkret anzusprechen: "x, hör mir mal bitte zu: am Sonntag fahren wir zu y etc".
Dann klappt es auch :-)
Hätte bei mir bestimmt auch geklappt, wenn er mich eben konkret angesprochen hätte.

von cube am 17.02.2020

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