Sylvia Ubbens

8-Jähriger steht manchmal neben sich

Antwort von Sylvia Ubbens

Frage:

Guten Tag!

Ich wüsste gern eine Rat wie ich in einer bestimmten Situation am besten mit meinem Sohn (8 Jahre, jetzt 3. Klasse) umgehen kann.

Ich bin seit einigen Monaten alleinerziehend (mit zwei Söhnen, 8 und 1), die Problematik zeigte sich aber auch schon vorher. Meistens funktioniert unser Zusammenleben ziemlich gut. Es gibt klare Absprachen, feste Strukturen und Regeln. Wir haben eine gute Beziehung, auch die Jungs untereinander. Wir können gut miteinander reden und meistens zeigt sich mein Großer auch schon sehr vernünftig und selbstständig.

Er war bisher ein guter bis sehr guter Schüler, ist Hortkind und hat einmal pro Woche Flötenunterricht und an zwei Nachmittagen Schwimmtraining (als sportlichen Ausgleich).

Problematisch wird es, sobald er zuhause Flöte üben oder etwas für die Schule machen soll. Er ist generell eher bequem, um nicht zu sagen faul, geht Herausforderungen aus dem Weg und ist noch recht verspielt. Wenn er keine Lust zu etwas hat, ist es fast unmöglich ihn dazu zu bewegen, auch wenn ich zunächst sehr behutsam rangehe ("komm, wir spielen zusammen, nur 5 Minuten..."). Wenn ich es zu einer Bedingung mache für etwas, das er will, macht er es zwar zähneknirschend, rutscht dann aber schnell in eine sehr miese Laune. Bei jedem falschen Ton, bzw. Fehler, rastet er aus, beschimpft die Flöte, das Buch, heult, rennt weg, schreit... Im Folgenden werden alle sonst funktionierenden Strukturen zum Drama: Beim Abendbrot ist er z.B. laut, zappelig, nimmt sich etwas von meinem Teller, beleidigt mich, akzeptiert kein nein, befolgt Anweisungen nicht (Hausschuhe anziehen, Zähne putzen etc.). Manchmal schlägt sein Verhalten auch kurz um in ein überdrehtes, übermütiges Lachen und Albern.

Ich habe es mir während dieser "Anfälle" (die teils 1-2 Stunden andauern) angewöhnt so ruhig und routiniert wie möglich zu bleiben. Ich versuche mich abzugrenzen und führe ggf. eine räumliche Trennung herbei, indem ich ihn ruhig aber bestimmt rausschicke mit der Begründung, dass mich sein Verhalten (z.B. beim Essen) stört und belastet, oder notfalls selbst den Raum verlasse (mit dem Kleinen). Er betont dann fast immer wie ungerecht ich ihn behandeln würde, "es zählt ja immer nur was du willst, du musst immer bestimmen, ich will das nicht, du bist blöd, du bist ungerecht...". Ich entgegne darauf höchstens etwas wie "Wenn du dich benimmst, kannst du auch mit uns essen".
Er muss dann meist eine ganze Weile für sich sein, z.B. im Spiel vertieft, bis er wieder zu sich findet. Danach ist er ganz ruhig, sucht meine Nähe und entschuldigt sich für sein "schlechtes Verhalten", oder macht irgendetwas für mich.

Nun meine Fragen:
1. Was mich am meisten erschreckt, ist, dass in diesen Momenten alles und jeder "blöd" und "Schuld" ist, nur er selbst sieht sich klar als Opfer. Müsste ein 8-Jähriger nicht schon in der Lage sein, das eigene Handeln so zu reflektieren, dass er zumindest versteht: Wenn ich nur rummotze, ist Mama irgendwann nicht mehr lustig und freundlich...
2. Was konkret braucht er von mir in der Situation und dann auch danach? Auch wenn ich äußerlich ruhig bleibe, bin ich innerlich verärgert und auch verletzt, wenn er mich verbal angreift. Ist es gut ihm das in der Situation zu sagen? Oder hinterher? Sollte ich mehr auf ihn eingehen, oder ihn klarer "in die Schranken weisen", ihm vielleicht mit Strafe drohen oder ihm das abendliche Vorlesen verweigern?
3. Wie kann ich das Geschehen hinterher mit ihm auswerten/besprechen? Er weiß dann immer selbst nicht, was mit ihm los war...
4. Das Problem bleibt: Er muss doch lernen auch mal Dinge zu tun, die ihm keinen Spaß machen und sich eben aufzuraffen. Seine Schulleistungen lassen nun auch merklich nach, weil er sich leicht ablenken lässt. Wie kann ich ihn da langfristig besser motivieren?

Vielen Dank!

von Sonnenblume20 am 14.09.2020, 21:45 Uhr

 

Antwort auf:

8-Jähriger steht manchmal neben sich

Liebe Sonnenblume20,

es kann sein, dass die Tage für Ihren Sohn derzeit sehr anstrengend sind. Bis wann geht er in den Hort? Möchte er von sich aus Flöte spielen lernen und zum Schwimmen oder möchten Sie es?

Ihrem Sohn scheint der Ausgleich zu den Zeiten außer Haus zu fehlen. Vielleicht können Sie diese vorübergehend reduzieren oder sogar aufgeben, wenn Ihr Sohn beispielsweise gar nicht Flöte spielen lernen möchte. Genügt es nicht auch, wenn er nur einmal in der Woche zum Schwimmen geht? Nicht alle Kinder sind dem "Freizeitstress" gewachsen. Manche können 4 Aktivitäten neben der Schule bewerkstelligen, andere nur eine. Der Hort ist dabei auch als verplante freie Zeit zu werten.

Versuchen Sie, gemeinsam mit Ihrem Sohn aktiv zu werden. Machen Sie Waldspaziergänge, fahren gemeinsam Fahrrad, spielen Fußball o.ä.. Bewegung an der frischen Luft und ohne "Zwang", wird ihm gut tun und sicherlich Entspannung für die Zeiten zu Hause bedeuten.

Bzgl. der Abendessensituation erklären Sie ihm im Vorfeld, auch wenn er es eigentlich weiß, was Sie sich wünschen: Dass er Sie nicht beleidigt, dass er nur von seinem Teller isst und Sie fragt, falls er etwas von Ihrem Teller möchte usw..

Sie können einen Tagesplan erstellen: Schreiben und malen Sie auf ein Plakat, bestenfalls mit Ihrem Sohn zusammen, was wann zu tun ist. Hat an einem Tag alles gut funktioniert und Ihr Sohn ist ohne Meckern zum Zähne putzen gegangen etc. darf er sich noch ein Spiel aussuchen, das sie gemeinsam spielen, darf noch ein paar Minuten ferngesehen werden oder Sie arbeiten mit einem Belohnungssystem und Ihr Sohn bekommt einen Smiley und nach 10 Smileys eine kleine Belohnung. Bei der "Tagesauswertung" sollten Sie nicht nur die Dinge ansprechen, die nicht so gut gelaufen sind, sondern auch die Dinge, die gut gelaufen sind.

Zu Ihren Fragen:
1. Manche Erwachsene können noch nicht damit umgehen, dass sie selbst für bestimmte Dinge verantwortlich sind und suchen die Schuld bei anderen. Kinder brauchen, um dies zu lernen, eine ganze Weile. Sehr viele 8-Jährige könnnen es noch nicht.
2. Greift Ihr Sohn Sie verbal an, sagen Sie ihm ruhig aber deutlich, dass Sie nicht möchten, dass er so mit Ihnen spricht. Macht er weiter, verlassen Sie als Konsequenz den Raum. Erklären Sie ihm anschließend, warum Sie vorübergehend den Raum verlassen haben. In der Situation kann er Ihnen gedanklich nicht folgen.
3. Die Situationen können Sie ihm Rahmen der "Tagesauswertung" besprechen.
4. Motivieren Sie ihn zu Dingen, die er nicht tun mag mit einer "Verabredung" mit Ihnen. "Wir harken jetzt gemeinsam die Blätter vom Rasen. Anschließen können wir eine Runde ... spielen."

Viele Grüße Sylvia

von Sylvia Ubbens am 16.09.2020

Antwort auf:

8-Jähriger steht manchmal neben sich

Guten Tag,

vielen Dank für Ihre Antwort!

Der Vollständigkeit halber möchte ich noch auf Ihre Fragen eingehen. Er wollte gern Blockflöte lernen. Ich wollte ihn eigentlich diesen Sommer abmelden, aber er wollte gern noch ein Jahr (mir zuliebe??) und ich habe zugestimmt. Er geht auch ganz gern zum Unterricht, nur üben will er halt nicht.
In den Hort geht er bis 15 Uhr, da die Hausaufgabenbetreuung für seine Klasse von 14:15-15:00 stattfindet. Zwischen Corona und Ferien war er gar nicht im Hort und viel allein zuhause (ich komme ca. 15:30 von der Arbeit). Das fand er toll, viel freie Zeit, Schwimmen im See... Seine Pflichten hat er im Grunde auch erledigt, aber eben auch heimlich ferngesehen etc. Diese "Anfälle" hatte er trotzdem, wenn nicht gar noch öfter!
Manchmal hat er zuerst keine Lust auf Schwimmtraining, aber dort hat er dann doch Spaß. Da er sich von sich aus sonst nicht viel bewegt, finde ich den Sport auch wichtig. Im Verein geht es hier aber nur zwei mal pro Woche oder gar nicht...

von Sonnenblume20 am 16.09.2020

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